• SOS Beobachter

    Helfen Sie Menschen in Not mit Ihrer Spende.

    spenden

  • Anzeige:

Prix Courage 2003

Nur Mut!

Text:
  • Urs von Tobel
Ausgabe:
4/03

Am 27. September verleiht der Beobachter zum sechsten Mal den Prix Courage. Beobachter-Leserinnen und -Leser können bis zum 15. Mai Kandidaten vorschlagen.

«Die Schweiz braucht mutige Menschen. Sie braucht Persönlichkeiten mit Zivilcourage, die unerschrocken und mit Hingabe für eine Idee kämpfen – zugunsten einer offenen, solidarischen und gerechten Schweiz.» Das ist die Idee des Prix Courage, den der Beobachter 1997 zum ersten Mal verlieh. Er ist mit 25'000 Franken dotiert. Letztes Jahr wurde zusätzlich der Publikumspreis ins Leben gerufen; dessen Preissumme beträgt 10'000 Franken (siehe Nebenartikel «Prix Courage Anmeldung: So werden die Mutigen gekürt»).

 

Auch diesen September sollen mutige Menschen in der Schweiz geehrt werden. Für den Prix Courage 2003 haben die Leserinnen und Leser des Beobachters bereits über 20 Nominationen eingereicht. Weitere Vorschläge sind willkommen.

 

Für die Wahl in Frage kommen Personen oder Gruppen, die Unrecht, Filz oder Korruption aufgedeckt haben; Menschen, die uneigennützig für Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Transparenz in unserer Gesellschaft kämpfen. Aber auch Menschen, die ihr eigenes Leben riskieren, um anderen das Leben zu retten.

 

Wie breit das Spektrum ist, zeigt die letzte Preisverleihung. Hier die Dreherin Malica Skrijelj, die den mühsamen gerichtlichen Weg nicht scheute, um Lohngleichheit mit den Männern zu erzwingen. Dort der beherzte Aroser Gemeindearbeiter und Nichtschwimmer Siegfried Gufler, der spontan in den eiskalten Arosersee sprang, um die neunjährige Sophia vor dem Ertrinken zu retten.

 

Noch breiter wird die Palette, wenn sich Personen, die Courage gezeigt haben, zu diesem Thema äussern. Zum Beispiel Rudolf Hafner, 51, heute administrativer Leiter eines Behindertenheims, früher Revisor bei der Finanzkontrolle des Kantons Bern. Er definiert Mut folgendermassen: «Mut ist, wenn man etwas tut und zugleich weiss, dass man sich damit immense Schwierigkeiten einhandelt.»

 

1984 hatte Hafner die «Berner Finanzaffäre» losgetreten. Damals entschieden die Laufentaler, ob sie künftig zu Bern oder zu Baselland gehören sollten. Sie gaben Bern den Vorzug – nicht zuletzt, weil die Berner Regierung die «Pro Berner» heimlich finanziell massiv unterstützt hatte. Rudolf Hafner machte dies publik – und musste für sein mutiges Handeln einen hohen Preis bezahlen: Die gnädigen Herren von Bern erliessen einen gesamtschweizerischen Haftbefehl gegen ihn, er wurde wie ein Verbrecher gesucht.

 

Schliesslich musste die Abstimmung auf Geheiss des Bundesgerichts wiederholt werden: Das Laufental entschied sich für das Baselland. Die Bernerinnen und Berner aber entschieden sich für Hafner: Sie wählten ihn ins Kantonsparlament und später in den Nationalrat. Seit seiner Intervention wird sich keine Berner Regierung mehr eine illegale Abstimmungsunterstützung leisten können.

 

Sibylle Burger-Bono, Präsidentin von Alliance F, dem Bund Schweizerischer Frauenorganisationen, wiederum fordert mehr Courage von Frauen in der Arbeitswelt. «Eine Frau, die ein kleines Kind hat, muss dazu stehen, dass sie nicht jederzeit verfügbar ist.» Aber auch Männer müssten dem Machbarkeitswahn entgegentreten, der in vielen Firmen herrsche. «Es wäre wünschenswert, wenn sich auch einmal ein CEO auf seine Familie besinnen und den 200-Prozent-Einsatz ablehnen würde.»

 

Dass Mut nicht zwangsläufig zu einem Happyend führt, zeigt das Beispiel von Paul Grüninger, der während des Zweiten Weltkriegs Kommandant der St. Galler Kantonspolizei war. Er missachtete eine Weisung der Bundesbehörde und wies die jüdischen Flüchtlinge an der Grenze nicht zurück. Damit bewahrte er sie vor dem Konzentrationslager und dem sicheren Tod. Grüninger wurde aus dem Amt gejagt und verbrachte seinen Lebensabend in Armut. Erst nach seinem Tod wurde er vollständig rehabilitiert.

 

Mutige Menschen dürfen kein ungerechtes Schicksal erleiden. Der Prix Courage will ihnen die Beachtung verleihen, die sie verdienen – zum Wohl aller. Denn letztlich könnte ihr Mut vielleicht ansteckend wirken.

Anmeldung Prix Courage

Aus den Kandidatenvorschlägen der Beobachter-Leserinnen und -Leser wählt die Redaktion zehn aus. Aus diesen zehn wiederum kürt die Jury die Siegerin oder den Sieger des Prix Courage 2003. Neben der Preissumme von 25'000 Franken erhält der Gewinner eine Statue von Celestino Piatti.

 

Auch die Leserinnen und Leser können aus diesen Vorschlägen ihren Favoriten wählen. Die Gewinnerin/der Gewinner der Leserwahl erhält den mit 10'000 Franken dotierten Publikumspreis.

 

Die Jury

Mit Franz Steinegger, FDP-Nationalrat und Expo-Direktor, und dem Zürcher Mäzen Bruno Franzen stossen dieses Jahr zwei neue profilierte Persönlichkeiten zur Prix-Courage-Jury. Präsident bleibt alt Bundesrat Otto Stich. Von den bisherigen Mitgliedern sind weiterhin dabei: SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr, die Musikerin Dodo Hug, Eishockey-Nationalcoach Ralph Krueger und Juristin Myrtha Welti.

Anzeige:

© Beobachter Ausgabe 4 vom 21. Feb 2003 - Alle Rechte vorbehalten

  • Prix Courage

    Prix Courage


    Seit 1997 verleiht der Beobachter den Prix Courage, den Preis für ausserordentliche, mutige Taten.

    Dossier

created by snowflake productions gmbh