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Prix Courage 2011

Laudatio des Publikumspreises

Text:
  • Andres Büchi
Bild:
  • Michael Truffer, usgang.ch
  •  und Adi Bitzi, usgang.ch

Lobrede von Andres Büchi, Chefredaktor des Beobachters zur Verleihung des Prix Courage Publikumspreises.

Richard Lehner und Daniel Aufdenblatten

Daniel Aufdenblatten und Richard Lehner sind «Helden der Lüfte». Mit ihrer Bergrettung am Annapurna in Nepal am 29. April 2010 setzten sie weltweit ein Zeichen für das, wofür die Schweiz im Idealfall stehen kann: Präzision, Verlässlichkeit, Mut und Bescheidenheit.

Ein Heli-Rettungseinsatz auf 7000 Metern Höhe galt bis zu diesem Tag als schlicht unmöglich. In 7000 Metern beginnt die sogenannte Todeszone. Der Luftdruck ist weniger als halb so gross wie auf Meereshöhe. Die maximale Flughöhe ihres Eurocopters gibt das Handbuch mit 7010 Metern an.

Um die in Not geratenen Bergsteiger auszufliegen, mussten Lehner und Aufdenblatten ans Limit gehen. Sie taten dies konzentriert und kontrolliert. Entfernten allen unnötigen Ballast aus dem Heli, hängten die Cockpittür aus, um eine optimale Sicht zu haben, justierten den Neigungswinkel der Rotorblätter für die dünne Luft und gaben nie auf.

Andres Büchi während der Rede

Zweimal mussten sie umkehren. Aufdenblatten fühlte sich im starken Wind wie im Schleudergang einer Waschmaschine. Und Lehner, in klirrender Kälte am Seil unter dem Heli hängend, kriegte kaum Sauerstoff durch seine improvisierte Nasensonde. Erst im dritten Anlauf gelang das Wunder. Drei Alpinisten konnte Pilot Aufdenblatten schliesslich vom Dach der Welt angeln, für den vierten kam jede Hilfe zu spät.

Für ihre einzigartige Leistung erhielten der ehemalige Medizinstudent Daniel Aufdenblatten und der gelernte Bergführer Richard Lehner den Heroism Award des US-Magazins «Aviation Week», den «Nobelpreis der Luftfahrt». Nur auf den Dank der Geretteten warteten sie vergeblich.

Auch wenn sich Aufdenblatten und Lehner selber nicht als Helden sehen, so sind sie es doch. Denn Helden werden nicht geboren, sie erwachsen aus Situationen. Weil sie auch in gefährlichsten Momenten das tun, was getan werden muss, nicht weil es ihre Pflicht ist, sondern weil sie da sind.

Weil sie wissen, dass jetzt nur sie den Unterschied ausmachen können. Weil sie auch vor dem scheinbar Unmöglichen nicht kapitulieren, sondern auf ihre Fähigkeiten vertrauen. Weil sie den Willen haben, es zu versuchen, und den Glauben, es zu schaffen.

Mit ihren roten Jacken der Air Zermatt, mit ihrer Verbundenheit mit den Bergen, ihrer hochprofessionellen Berufsauffassung, ihrem Einsatzwillen und ihrer Bescheidenheit im Erfolg sind Daniel Aufdenblatten und Richard Lehner nicht nur ideale Botschafter für die Schweiz, sondern auch – und noch viel wichtiger – ein Beispiel für Integrität, Mut und Menschlichkeit.

Es freut mich persönlich sehr, dass die Leserinnen und Leser des Beobachters dies mit dem Publikumspreis des Prix Courage 2011 honorieren.

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