Prix Courage 2011

Mut erhellt die Welt

Text:
  • Gian Signorell
Bild:
  • Jos Schmid
Ausgabe:
16/11

Lernen Sie diese mutigen Menschen kennen. Sie kämpfen für ihre Werte, ohne Rücksicht auf Verluste: die Nominierten für den Prix Courage 2011. 

Prix Courage 2011: Mut erhellt die Welt

Von links nach Rechts: Jean-Marc Christe, Raoul Challet, Bernard Hengy, Michèle Christe, Nicole Dill, Zarina Bried, Richard Lehner, Daniel Aufdenblatten, Andreas Roth, Valentin Abgottspon und Robert Schönbächler.

Wenn Mutige eingreifen, entlarvt ihr Handeln nicht selten beschämende, düstere Seiten unserer Gesellschaft. Als sich der letztjährige Prix-Cou­rage-Gewinner, Marc Hofmann, ­ohne Zögern drei jungen Schlägern entgegenstellt, die ein zufällig dahergelaufenes Pärchen verprügeln wollen, ist er in der dunklen ­Basler Seitengasse nicht allein. Nur fühlen die ­anderen Passanten keine Ver­pflichtung einzugrei­fen. Zumindest tun sie es nicht.

Auch die diesjäh­rigen Kandidaten haben die Schattenseiten der menschlichen Natur kennengelernt. Als Helikopterpilot Daniel Aufdenblatten nach einem hochriskanten Rettungsflug im Annapurna-Gebiet den drei Ge­retteten im Basislager begegnet, kommt ­ihnen kein Wort des Dankes über die Lippen.

Nicole Dill muss ihr Leben lang mit furchtbaren Einsichten in die Abgründe der menschlichen Seele fertig werden, nachdem sich ihr ­Lebenspartner als sadistischer Gewalttäter entpuppt hat.

Zarina Bried begegnet in ihrem Berufsleben als Reinigungskraft der schäbigen Seite ihres Unternehmens, das für harte körperliche ­Arbeit einen Lohn zahlen will, der die gesetzlichen Vorschriften weit unterschreitet.

Doch Zarina Bried, Nicole Dill und Daniel Aufdenblatten sind anders als die Passanten in der Basler Seitengasse. Sie klagen an, halten durch, packen zu.

Letzteres gilt ganz ausgesprochen und im eigentlichen Wortsinn auch für Andreas Roth, der sich, nur mit einer Stange bewaffnet, einem schnaubenden Stier in den Weg stellt, um seinen Nachbarn in Sicherheit zu bringen. Der pensionierte Coiffeur Robert Schönbächler, selber gesundheitlich schwer angeschlagen, rettet seine ehemalige Lehrtochter vor ­ihrem kriminellen Ehemann. Valentin Abgottspon muss mit anonymen Anwürfen umgehen wie dem Vorwurf, er sei Teil einer «gottlosen Bande», bloss weil er sich für die in der Bundesverfassung garantierte Glaubensfreiheit einsetzte. Er wurde ebenso geschnitten wie Jean-Marc und Michèle Christe, Raoul Challet und Bernard Hengy, die im Jura den Bau einer Autoteststrecke verunmöglichten, weil sie rechtswidrig war.

Im September werden zwei der hier präsentierten Einzel- oder Gruppenkandidaten an der fest­lichen Gala den Prix Courage ent­gegennehmen. Verdient hätten sie ihn alle. Denn sie wissen mehr über die menschlichen Schattenseiten, als uns lieb sein kann.

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© Beobachter Ausgabe 16 vom 04. Aug 2011 - Alle Rechte vorbehalten

  • Prix Courage 2011

    Die Kandidaten

     
    Jean-Marc Christe, Raoul Challet, Bernard Hengy & Michèle Christe wehrten sich erfolgreich gegen eine Auto-Teststrecke auf Landwirtschaftsland.
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    Nicole Dill setzt sich nach einer Attacke auf ihr Leben hartnäckig für besseren Opferschutz ein.
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    Zarina Bried kämpfte öffentlich für bessere Bedingungen für Putzfrauen.
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    Richard Lehner & Daniel Aufdenblatten wagten eine Rettung im Heli auf 7000 Metern Höhe.
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    Andreas Roth stellte sich gegen einen wilden Stier und rettete seinem Nachbarn das Leben.
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    Valentin Abgottspon steht ein für eine strikte Trennung von Kirche und Staat.
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    Robert Schönbächler hilft seiner bedrohten Ex-Lehrtochter – trotz Gefahren für sich selbst.
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    Seit 1997 verleiht der Beobachter den Prix Courage, den Preis für ausserordentliche, mutige Taten.

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