Die Prix-Courage-Preisträgerin Esther Wyler verliert ihre Anstellung als Juristin, weil sie sich im Ton vergriffen haben soll.
Esther Wyler und Margrit Zopfi machten Missstände im Zürcher Sozialdepartement öffentlich und mussten dafür einen hohen Preis bezahlen: den Verlust ihrer Stelle und ein Strafverfahren wegen Amtsgeheimnisverletzung. Eine späte Genugtuung am vergangenen 10. September: die beiden Frauen erhalten den Publikumspreis Prix Courage des Beobachters.
Doch jetzt muss sich die 51-jährige Esther Wyler erneut auf Jobsuche machen. Die Gemeinde Ostermundigen will ihren befristeten Arbeitsvertrag Ende Mai 2011 auslaufen lassen. Fachlich wird ihr nichts vorgeworfen. Im Gegenteil: Esther Wyler war 2009 sogar im Rennen um eine Vorgesetztenstelle. In der Schlussrunde erhielt zwar ein anderer Bewerber den Job, doch im Assessment-Bericht werden ihr sehr positive fachliche Eigenschaften zugeschrieben.
Es wird ihr grundsätzlich auch eine Führungsposition zugetraut. Weil sie zu jener Zeit aber «weder Ruhe noch Gelassenheit und Optimismus» ausgestrahlt habe, riet der Peronalberater von der Kandidatin ab. Er schrieb ihr zudem einen «mit Resignation verbundenen Rückzug in die Tierwelt» zu; Wyler hat einen Hund. «Ich habe diesen Entscheid akzeptiert, obwohl ich die Argumentation absolut nicht nachvollziehen kann», sagt Wyler.
So erging es auch Wylers persönlichem Coach im Assessment, der den Bericht heftig kritisierte. Esther Wyler leitete diese Kritik auch an Vorgesetzte weiter, wo dies offenbar nicht gut ankam. «Seit dem Assessment ist die Zusammenarbeit mit Frau Wyler schwieriger geworden», sagt der Ostermundiger Gemeindepräsident Christian Zahler. Inwiefern, wollte er mit Hinweis auf den Persönlichkeitsschutz nicht präzisieren.
Offenbar war die Reaktion auf das Assessment aber der Grund, um Wyler im Frühling 2010 erneut nur befristet anzustellen. «Mir sagte man, es sei ja nicht sicher, ob ich mit dem künftigen Chef auskommen werde. Das hat mich gekränkt. Es ist eine reine Projektion. Ich kannte den Chef ja noch gar nicht.»
Wyler wehrte sich denn auch gegen den befristeten Vertrag. «Um mich herum wurden seit neun Monaten Mitarbeiter mit ganz normalen Verträgen neu angestellt. Ich verstand nicht, weshalb ich trotz guter Qualifikationen nicht gleich behandelt werden sollte», so Wyler. In mehreren Mails an Vorgesetzte und den Gemeindepräsidenten drückte sie ihr Unverständnis aus und verlangte eine unbefristete Anstellung. Zudem stellte die studierte Juristin in Frage, ob eine wiederholte Befristung ohne nachvollziehbaren Grund überhaupt rechtmässig sei. Das Ergebnis ist bekannt: Der Gemeinderat lehnte ihr Anliegen im August ab und kündigte an, sie 2011 nicht mehr weiter zu beschäftigen.
Angestellte im Sozialamt zeigen sich erstaunt über die Vorgänge. «Die meisten wussten gar nicht, dass Wyler nur befristet angestellt war», sagt eine Mitarbeiterin. Offenbar geniesst sie auch grosses Vertrauen bei den Arbeitskollegen. «Sie ist kompetent, hilfsbereit und im Umgang angenehm, keineswegs frustriert. Das hören wir auch von anderen Ämtern, mit denen wir zusammenarbeiten. Dass sie eine ist, die sagt, was sie denkt, wird durchaus positiv wahrgenommen.» Daran will Wyler nichts ändern - «auch wenn ich keinen Job im Sozialbereich mehr finden sollte».
© Beobachter Online 23. Sep 2010 - Alle Rechte vorbehalten
aktualisiert am 23. Sep 2010 17:56Prix-Courage-Preisträgerin
Job schon wieder weg
Die Prix-Courage-Preisträgerin Esther Wyler verliert ihre Anstellung als Juristin, weil sie sich im Ton vergriffen haben soll.
Esther Wyler anlässlich der Prix Courage Publikumspreisverleihung im September 2010
Esther Wyler und Margrit Zopfi machten Missstände im Zürcher Sozialdepartement öffentlich und mussten dafür einen hohen Preis bezahlen: den Verlust ihrer Stelle und ein Strafverfahren wegen Amtsgeheimnisverletzung. Eine späte Genugtuung am vergangenen 10. September: die beiden Frauen erhalten den Publikumspreis Prix Courage des Beobachters.
Doch jetzt muss sich die 51-jährige Esther Wyler erneut auf Jobsuche machen. Die Gemeinde Ostermundigen will ihren befristeten Arbeitsvertrag Ende Mai 2011 auslaufen lassen. Fachlich wird ihr nichts vorgeworfen. Im Gegenteil: Esther Wyler war 2009 sogar im Rennen um eine Vorgesetztenstelle. In der Schlussrunde erhielt zwar ein anderer Bewerber den Job, doch im Assessment-Bericht werden ihr sehr positive fachliche Eigenschaften zugeschrieben.
Es wird ihr grundsätzlich auch eine Führungsposition zugetraut. Weil sie zu jener Zeit aber «weder Ruhe noch Gelassenheit und Optimismus» ausgestrahlt habe, riet der Peronalberater von der Kandidatin ab. Er schrieb ihr zudem einen «mit Resignation verbundenen Rückzug in die Tierwelt» zu; Wyler hat einen Hund. «Ich habe diesen Entscheid akzeptiert, obwohl ich die Argumentation absolut nicht nachvollziehen kann», sagt Wyler.
So erging es auch Wylers persönlichem Coach im Assessment, der den Bericht heftig kritisierte. Esther Wyler leitete diese Kritik auch an Vorgesetzte weiter, wo dies offenbar nicht gut ankam. «Seit dem Assessment ist die Zusammenarbeit mit Frau Wyler schwieriger geworden», sagt der Ostermundiger Gemeindepräsident Christian Zahler. Inwiefern, wollte er mit Hinweis auf den Persönlichkeitsschutz nicht präzisieren.
Offenbar war die Reaktion auf das Assessment aber der Grund, um Wyler im Frühling 2010 erneut nur befristet anzustellen. «Mir sagte man, es sei ja nicht sicher, ob ich mit dem künftigen Chef auskommen werde. Das hat mich gekränkt. Es ist eine reine Projektion. Ich kannte den Chef ja noch gar nicht.»
Wyler wehrte sich denn auch gegen den befristeten Vertrag. «Um mich herum wurden seit neun Monaten Mitarbeiter mit ganz normalen Verträgen neu angestellt. Ich verstand nicht, weshalb ich trotz guter Qualifikationen nicht gleich behandelt werden sollte», so Wyler. In mehreren Mails an Vorgesetzte und den Gemeindepräsidenten drückte sie ihr Unverständnis aus und verlangte eine unbefristete Anstellung. Zudem stellte die studierte Juristin in Frage, ob eine wiederholte Befristung ohne nachvollziehbaren Grund überhaupt rechtmässig sei. Das Ergebnis ist bekannt: Der Gemeinderat lehnte ihr Anliegen im August ab und kündigte an, sie 2011 nicht mehr weiter zu beschäftigen.
Angestellte im Sozialamt zeigen sich erstaunt über die Vorgänge. «Die meisten wussten gar nicht, dass Wyler nur befristet angestellt war», sagt eine Mitarbeiterin. Offenbar geniesst sie auch grosses Vertrauen bei den Arbeitskollegen. «Sie ist kompetent, hilfsbereit und im Umgang angenehm, keineswegs frustriert. Das hören wir auch von anderen Ämtern, mit denen wir zusammenarbeiten. Dass sie eine ist, die sagt, was sie denkt, wird durchaus positiv wahrgenommen.» Daran will Wyler nichts ändern - «auch wenn ich keinen Job im Sozialbereich mehr finden sollte».
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