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Prix Courage 2004
Dem Mutigen hilft Allah
Auszug aus Lorenz Keisers Rede anlässlich der Verleihung des Prix Courage 2004.

(Bild: Ursula Meisser)
Liebe mutige Prix-Courage-Nominierte, -Gewinnerinnen und -Gewinner, liebe übrige Feiglinge aus Politik, Wirtschaft und Kultur! Wir, die Letztgenannten, sind ja heute in der Überzahl, und wer wüsste besser als wir, wie schwierig es ist, mutig zu sein in einem wirtschaftlichen Umfeld, das täglich grauer wird. In diesem Kanton, der nächstens acht Milliarden Franken Schulden machen will. Da stellt sich, Frau Regierungsrätin Aeppli, doch die Frage, wer so einen Kanton überhaupt noch will? Es ist schwierig, mutig zu sein in diesem Umfeld, und drum sind wir stolz, haben wir als Prix-Courage-Preisträger zwei mutige Männer, die Menschen aus einem brennenden Auto gerettet haben, wenn man an die Rennfahrer auf unseren Strassen denkt, allein dieser Raser da, der zurzeit überall in der Zeitung steht, wie heisst er gleich, Ueli Giezendanner, genau.
Ein bekannter CEO eines bekannten Verlagshauses sagt ja, wir hätten eine akute Misere in unserem Land, und mutig sein gehöre nicht zur Schweizer Identität, ich aber denke, wir haben weniger ein Mutproblem als ein Identitätsproblem. Klar, wir Schweizer meinen, wir seien die Besten, aber das ist keine Identität, sondern ein Problem. Die Völker sind in ihrem Charakter verschieden, wie sie in den Sprachen verschieden sind! Bereits Schiller hat im «Wilhelm Tell» gesagt, «dem Mutigen hilft Gott!», und Gott hat nach dem Turmbau zu Babel die Völker ja auch nach Sprachen getrennt: Wer Französisch redet nach Frankreich, wer Englisch redet nach England, wer Deutsch redet ins Tessin, wer Mist redet in die SVP, hat einer aufgestreckt: «Sorry, gar nüt verstahn…», hat Gott gesagt: «In den Service!».
Und nach den Sprachen hat Gott die Identitäten verteilt – und die Franzosen haben ihre Identität gekriegt und die Italiener und einer nach dem andern, und als die Schweizer dran waren, haben sie gesagt: «Wir haben jetzt keine Zeit, wir wollen hier weiterbauen», und Gott hat gesagt: «Nein, das mit dem Turm ist fertig», und die Schweizer haben gesagt: «Doch, weiterbauen!» und Gott: «Nein!» und die Schweizer: «Doch!» und Gott: «Also gut, dann baut halt!», und dann ist der VCS gekommen und hat Rekurs gemacht, und so hat Gott den Schweizern statt einer Identität die direkte Demokratie gegeben. Das ist ja eine lustige Sache, so eine direkte Demokratie, kann man nichts dagegen sagen, sie funktioniert einfach nicht. Jetzt haben wir, seit es die direkte Demokratie gibt, also seit 112 Jahren, über 158 Volksinitiativen abgestimmt! 144 Mal haben wir Nein gesagt! Alle neun Jahre einmal Ja, da ist die Chance grösser, vom Blitz erschlagen zu werden! Und von den 14 Initiativen, die angenommen wurden, haben wir vier wieder abgeschafft! Wir haben als Volk also zehnmal etwas gemacht, das wir wirklich selber wollten! In 112 Jahren! Aber vielleicht sind wir ja drum das einzige Volk der Welt, das die direkte Demokratie hat: Diese Staatsform geht nur mit unserer Mentalität.
Morgen ist wieder Abstimmung, bleiben Sie daher nicht zu lange sitzen heut Abend, das gilt auch für Max Binder da drüben, wenn es in diesem Tempo weitergeht, Herr Nationalratspräsident, sind so gegen halb zwei an Ihrem Tisch dann die Muslime in der Überzahl. Da können Sie lange sagen «Gott hilft dem Mutigen», jahaa, aber Allah verteilt den Prix Courage, gell, Mohammed Bin Leutenegger, nein, da brauchen Sie nicht erschrecken, ich darf ihn so nennen, was Frauenpolitik anbelangt, ist er ja ein fertiger Muselmane. Und wenn wir morgen abstimmen, sind wir einmal mehr stolz, dass die Trägerinnen des diesjährigen Publikumspreises eine der ganz seltenen je angenommenen Initiativen in diesem Land lanciert haben – auch wenn ich der Meinung bin, dass es die Verwahrungsinitiative gar nicht gebraucht hätte. Es reicht nämlich die im letzten Winter neu entdeckte Vollzugsmassnahme, dass man nicht therapierbare Politiker im Bundesrat verwahrt. Ich danke Ihnen!
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© Beobachter Ausgabe 20 vom 30. Sep 2004 - Alle Rechte vorbehalten


