Prix Courage
Gewinner Prix Courage Jury-Preis 2008
Die Laudatio von Franz Hohler über die Gewinner des Jury-Preises.
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Liebe Gäste, liebe Nominierte,
der «Beobachter» sucht jedes Jahr Menschen, die etwas Mutiges getan haben, und legt die Geschichten dieser Menschen einer Jury vor, die dann die Aufgabe hat, einen Preisträger oder eine Preisträgerin für den «Prix Courage» auszuwählen.
Wir haben alle Fälle eingehend besprochen, und wir waren von allen beeindruckt. Die eigentliche Auszeichnung für Sie alle, das bitte ich Sie zu bedenken, ist bereits die Nominierung an sich, durch welche das, was Sie getan haben, öffentlich gewürdigt wird, und durch welche uns auch Ihre Geschichte nochmals ins Bewusstsein gerufen wird. Dieser Preis ist nicht zuletzt eine Massnahme gegen das Vergessen in einer Zeit, in der die Medien immer auf dem Ausguck nach der nächsten Geschichte, nach der nächsten Story sind.
Dieses Jahr fiel unsere Wahl auf die zwei Bergsteiger Ueli Steck und Simon Anthamatten.
Sie befanden sich nach aufwändigen, monatelangen Vorbereitungen in einem Basislager am Fuss des Annapurna im Himalaya, den sie als Erste auf einer neuen Route durch die Südwand begehen wollten, da erreichte sie ein Notruf zweier Bergkollegen, die auf über 7000 Meter mit Erschöpfungs- und Ödemsymptomen feststeckten. Sofort liessen sie ihr ursprüngliches Ziel fallen und machten sich auf den Weg zu den in Not geratenen, obwohl ihre eigentliche Ausrüstung in einem andern Camp bereitlag. Unter extremsten Bedingungen, bei arktischer Kälte, bei ständiger Lawinengefahr, ohne Sauerstoffmasken, gelang es ihnen, einen der beiden Bergsteiger zu retten, für den andern kam die Hilfe zu spät, aber er musste, wie Ueli Steck sagte, der ihn mit Spritzen, Medikamenten und Wasser am Leben zu erhalten suchte, ihm zusprach und Mut machte, nicht alleine sterben. Was die beiden Alpinisten getan haben, war nicht nur mutig, es war todesmutig, und sie haben nicht gezögert, ihr eigenes Überleben in Frage zu stellen, um andern zu helfen.
Einen spontanen Entschluss zu fassen ist eine Sache, aber ihn dann auch während fünf Tagen am Rand des Menschenmöglichen und in permanenter Lebensgefahr konsequent durchzustehen ist das andere, und die Jury fand, für diese Tat hätten die beiden den «Prix Courage» verdient.
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© Beobachter Online 26. Sep 2008 - Alle Rechte vorbehalten






