Franz Steinegger schreibt über die zwei Seiten von Mut und sagt, wozu neben dem Löwen in uns eine Maus sitzt.
«Dem Mutigen hilft Gott!», sagt Gertrud in Schillers «Tell» dem zaudernden Stauffacher. Nötig war aber auch die Aufforderung «Sieh vorwärts, Werner, und nicht hinter dich!», um ihn zum Handeln zu bewegen. Verantwortung zu tragen braucht Mut.
Wie vieles im Leben hat auch der Mut zwei Seiten. Gelegentlich braucht man den Mut zur Vorsicht, und gelegentlich ist Mut mehr als Wagnis – nämlich Leichtsinn. Erfolgreiche mutige Handlungen lösen Anerkennung aus. Mindestens erzeugen sie Erfahrung. Ist der Unfall oder der Reinfall das Resultat, redet man von Leichtsinn und Verantwortungslosigkeit.
Bereits im 16. Jahrhundert wurde Courage als Fremdwort aus dem Französischen übernommen. Courage ist eine Ableitung vom Wort cœur (Herz), das auf das lateinische cor zurückgeht. Das lateinische Wort cor ist verwandt mit dem deutschen Herz. Man sollte also von Beherztheit reden.
Im Zusammenhang mit Mut und Beherztheit sind nicht nur Heldentaten zu erzählen. Der Beatle Paul McCartney meinte einmal: «In diesem Leben ist jeder mutig, der nicht aufgibt.» Tatsächlich ist der Mut, Schicksal und Not unerschütterlich zu ertragen, eine grosse Leistung.
In jedem Einzelnen von uns sind Löwe und Maus vereint. Schiller schrieb Goethe, dass eine Stunde Mut und Vertrauen immer wieder von zehn Stunden Kleinmut abgelöst werde. Das Beste ist wohl, den Löwen in uns zu pflegen, ihn aber unter Kontrolle zu halten. Einerseits gilt es, das Furchtgefühl zu meistern, aber gleichzeitig den Mut zur Mässigkeit und Selbstbeherrschung aufzubringen. Dies ist oft das Geheimnis von Erfolg.
In schwierigen Situationen das Notwendige zu tun braucht etwas heiteren Fatalismus. Das Risiko ist in der Regel recht gross. Deshalb gilt auch der Spruch von Tell in Schillers Schauspiel: «Ich hab getan, was ich nicht lassen konnte.» Mut also als Resultat einer charakterlichen Veranlagung.
Prix Courage
Von Herzen mutig
Franz Steinegger schreibt über die zwei Seiten von Mut und sagt, wozu neben dem Löwen in uns eine Maus sitzt.
Vorsicht braucht Mut: Steinegger
Artikel zum Thema
Prix Courage: Es gibt sie, die Mutigen
(Ausgabe: 8/10)
«Dem Mutigen hilft Gott!», sagt Gertrud in Schillers «Tell» dem zaudernden Stauffacher. Nötig war aber auch die Aufforderung «Sieh vorwärts, Werner, und nicht hinter dich!», um ihn zum Handeln zu bewegen. Verantwortung zu tragen braucht Mut.
Wie vieles im Leben hat auch der Mut zwei Seiten. Gelegentlich braucht man den Mut zur Vorsicht, und gelegentlich ist Mut mehr als Wagnis – nämlich Leichtsinn. Erfolgreiche mutige Handlungen lösen Anerkennung aus. Mindestens erzeugen sie Erfahrung. Ist der Unfall oder der Reinfall das Resultat, redet man von Leichtsinn und Verantwortungslosigkeit.
Es geht nicht nur um Helden
Bereits im 16. Jahrhundert wurde Courage als Fremdwort aus dem Französischen übernommen. Courage ist eine Ableitung vom Wort cœur (Herz), das auf das lateinische cor zurückgeht. Das lateinische Wort cor ist verwandt mit dem deutschen Herz. Man sollte also von Beherztheit reden.
Im Zusammenhang mit Mut und Beherztheit sind nicht nur Heldentaten zu erzählen. Der Beatle Paul McCartney meinte einmal: «In diesem Leben ist jeder mutig, der nicht aufgibt.» Tatsächlich ist der Mut, Schicksal und Not unerschütterlich zu ertragen, eine grosse Leistung.
In jedem Einzelnen von uns sind Löwe und Maus vereint. Schiller schrieb Goethe, dass eine Stunde Mut und Vertrauen immer wieder von zehn Stunden Kleinmut abgelöst werde. Das Beste ist wohl, den Löwen in uns zu pflegen, ihn aber unter Kontrolle zu halten. Einerseits gilt es, das Furchtgefühl zu meistern, aber gleichzeitig den Mut zur Mässigkeit und Selbstbeherrschung aufzubringen. Dies ist oft das Geheimnis von Erfolg.
In schwierigen Situationen das Notwendige zu tun braucht etwas heiteren Fatalismus. Das Risiko ist in der Regel recht gross. Deshalb gilt auch der Spruch von Tell in Schillers Schauspiel: «Ich hab getan, was ich nicht lassen konnte.» Mut also als Resultat einer charakterlichen Veranlagung.
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© Beobachter Ausgabe 9 vom 28. Apr 2010 - Alle Rechte vorbehalten