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Ferien

Ein Souvenir als Denkzettel

Text:
  • Doris Huber
Bild:
  • Jupiterimages Stock-Kollektion
Ausgabe:
13/07

Mit einem Souvenir lassen sich Feriengefühle bewahren. Doch seien Sie auf der Hut: Auf so manch ein Andenken hätten Urlauber rückblickend liebend gern verzichtet.

Der folgenschwere Kauf passierte im Schmuckpalast: Helga und Walter Wyss, die im Frühling Ferien im türkischen Antalya verbrachten, folgten ihrer Reiseleiterin in das als sehenswert angekündigte riesige Bauwerk. «Das Gebäude war wie ein Schloss», erzählt Helga Wyss. «Wir bekamen türkischen Tee serviert, der Vorhang wurde zugezogen, und wir waren allein mit dem Verkäufer.» Dieser habe in sehr gutem Deutsch seine Angebote vorgestellt und eine Preisreduktion nach der andern gewährt, bis sie einen Kaufvertrag unterschrieben - für ein Collier, ein Armband und einen Ring mit Diamanten und Saphiren zum Preis von 8300 Euro; 1300 Euro zahlten Helga und Walter Wyss gleich an.

Als sie nach ihrer Rückkehr in der Schweiz die restlichen 7000 Euro überweisen sollten, bekamen sie Zweifel am Wert des Schmucks. Tatsächlich stellte sich heraus, dass die Saphire zwar echt, aber erst durch Behandlungen mit Hitze und Farbe zu ihrem schönen Blau gekommen waren. «Solche Steine sind leicht in grosser Zahl zu erzeugen und daher billig», sagt Henry Hänni, Direktor des Schweizerischen Gemmologischen Instituts SSEF in Basel, wo man Edelsteine identifizieren lassen kann.

Seine Erfahrung gerade bei Schmuck aus der Türkei: «Oft müssen wir Zweifel am Wert dieser Schmuckstücke bestätigen.» Er erinnert sich an schwarze Tahiti-Perlen, die sich als Süsswasser-Zuchtperlen herausstellten, die mit Silbernitrat schwarz gefärbt worden waren. Oder an handwerklich so schlechte Verarbeitungen, dass «beim ersten festen Händedruck die Steine aus dem Ring fallen». Und er meint weiter: «Wenn jemand in der Türkei Teppiche kauft, kann ich das verstehen, denn dort werden sie produziert. Doch Tahiti-Perlen stammen auch in der Türkei aus Tahiti und sind entsprechend teuer.»

Orientteppich «made in China»

Sind also Teppiche die besseren Andenken aus dem Orient? Auch das stimmt nicht. Bruno Meier, Präsident der Schweizerischen Interessengemeinschaft Orientteppich (IGOT), stellt oft massive Differenzen zwischen Kaufpreis und tatsächlichem Wert fest (siehe Nebenartikel «Orientteppiche: «Türkische Anbieter sind oft teurer als Schweizer»), vorab bei Seidenteppichen. Ein Beispiel: Ein mit «Herkunftsland Türkei» deklarierter Seidenteppich sollte rund 24'000 Franken kosten, Bruno Meier stellte fest, dass er in Wirklichkeit «made in China» war, und schätzte seinen Wert auf 8000 Franken. Der Schweizer Käufer und der türkische Verkäufer einigten sich schliesslich dank Intervention der IGOT auf einen Preis von 12'000 Franken.

Selbst wenn man in der Türkei bloss eine Anzahlung gemacht hat, kommt man nicht so leicht davon. «Es gibt etwa fünf professionelle Verteilsysteme von türkischen Exporteuren, die in der Schweiz die Käufer zu Hause besuchen und die Restzahlungen in bar einfordern», sagt Meier. Seine Ratschläge für den Kauf: schriftlich ein Rücktrittsrecht vereinbaren, im Kaufvertrag den Teppich detailliert beschreiben lassen (Herkunftsland, Produktionsort, Material, Knotenzahl, Masse), eine Kopie dieses Vertrags in die Hand verlangen und nur eine geringe Anzahlung machen. Dann kann man den Teppich sofort nach der Rückkehr prüfen lassen und gegebenenfalls eine Mängelrüge machen oder sogar vom Vertrag zurücktreten.

Nicht ein Souvenir im herkömmlichen Sinn, aber zweifellos ein schlechtes Andenken trägt man mit einem Timesharing-Vertrag nach Hause. Was passiert da? Reisende werden zum Beispiel in der Karibik, auf den Kanarischen Inseln oder den Balearen an der Strandpromenade angesprochen und gefragt, ob sie an einer Meinungsumfrage teilnehmen würden. Als Dankeschön dürfen sie ein Rubbellos ziehen - mit dem sie prompt gewonnen haben. Doch dort, wo sie anschliessend hinchauffiert werden, bekommen sie nicht den gewonnenen Urlaub, sondern geraten in hartnäckigste Verkaufsverhandlungen für die «tolle Ferienidee Timesharing». Manchmal ist auch von der Mitgliedschaft in einem Klub oder von einem «Urlaubssparprogramm» die Rede.

Egal, denn nichts von dem, was dort versprochen wird, stimmt. Weder wird man mit der Unterschrift unter einen Timesharing-Vertrag Eigentümer einer Ferienwohnung, noch kann man dank Tausch jederzeit in der halben Welt Ferien machen. Timesharing ist auch keine vorteilhafte Geldanlage und keine günstige Ferienform. Deshalb gilt: Zeigen Sie solchen Strassenwerbern die kalte Schulter. Lassen Sie sich nicht unter Druck zu einer Unterschrift verleiten, leisten Sie keinerlei Anzahlungen.

Doch nicht nur die Tricks fremder Leute leeren den Geldbeutel. Manchmal stolpert man auch schlicht über die eigene Nachlässigkeit oder Unkenntnis. Informieren Sie sich deshalb frühzeitig über wichtige Punkte (siehe unten: «Darauf sollten Sie achten»), damit Sie Ihre Ferien nicht unnötig verteuern.

Darauf sollten Sie achten

 

Verkehrsregeln: Jedes Land hat eigene Verkehrsvorschriften. Werden diese nicht beachtet, drohen saftige Bussen. Ein Beispiel: Frankreich büsst Alkohol am Steuer mit 750 Euro. Glauben Sie nicht, dass im Ausland die Verkehrsvorschriften nicht so streng geahndet würden wie bei uns. Oft droht die Beschlagnahmung des Fahrzeugs, wenn die Busse nicht gleich vor Ort bezahlt wird. Detaillierte Informationen beim TCS

Zollvorschriften: Wer im Ausland einkauft, muss die Einfuhrbestimmungen kennen. Sonst gibt es lange Gesichter, wenn die Ware beschlagnahmt wird, und unvorhergesehene Auslagen, wenn allenfalls eine Busse hinzukommt, wenn man zum Beispiel gefälschte Markenartikel in grösseren Mengen einführen will. Detaillierte Informationen über Einfuhrbestimmungen unter www.zoll.ch

Mobile Kommunikation: Sowohl das mobile Telefonieren wie auch das mobile Surfen ist im Ausland deutlich teurer als in der Schweiz. Zwar werden auf diesen Sommer hin EU-weit die Roamingtaxen gesenkt. Und der Preisüberwacher hat vom Bundesrat bereits verlangt, dass auch in der Schweiz eine entsprechende Anpassung erfolgt. Doch teurer bleibt das Kommunizieren allemal. Detaillierte Informationen beim eigenen Mobile-Anbieter oder von Comparis (PDF, 148 kb)

© Beobachter Ausgabe 13 vom 20. Jun 2007 - Alle Rechte vorbehalten

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