Ein «Gathering» bedeutet in England, sich vollzufressen und aufzupassen, dass nicht alles wieder hochkommt.
Für eine solche Zusammenkunft trifft man sich meist bei jemandem zu Hause, kocht, sieht sich Filme an, redet oder – in meinem Fall – sucht erst einmal die Toilette.
Viele Engländer haben es nicht so mit der Hygiene, was mir oft eine Ganzkörper-Gänsehaut beschert. In manchen Häusern hat es Schildkrötenkot, Katzen-Erbrochenes und alle Arten von Krümeln auf dem Boden. Doch das Schönste ist, dass bei manchen die Friteuse auf der Waschmaschine im Bad steht, so dass alle frischen Kleider nach Bratfett riechen. Ich habe oft viel Zeit, mir solche Sachen anzuschauen, da Türschlösser häufig schlecht funktionieren und ich 15 Minuten brauche, um wieder rauszukommen.
Zuerst kochen wir also, und wenn ich Glück habe, sind noch andere Austauschschüler dabei, die dann die Strafaufgabe bekommen: «Koch was Typisches aus deinem Land!» Wenn ich doch einmal dran bin, mache ich meistens einen Gemüse- oder Fruchtsalat, da ich geschmolzenen Käse hasse und mir Rösti zu lang dauert. Und ich bringe immer Schokolade mit, die mir meine Lieben zu Hause wöchentlich senden, da sie der Meinung sind, Schweizer Schokolade müsse man einfach vermissen.
Doch natürlich gibt es hier auch die etwas anderen Partys. Sobald die Eltern aus dem Haus sind, geht die Post ab. Kollegen werden angerufen, die älteren Geschwister losgeschickt, um Alkohol zu kaufen. Und wer mit dem Auto kommt, rechnet schon mal aus, wie viel er trinken kann.
Der Abend nimmt dann seinen Lauf, Sofas werden demoliert, Personen fliegen betrunken durch die Fenster oder hängen einem an der Schulter und erzählen ihre ganze Lebensgeschichte. Für mich als eine der wenigen, die keinen Alkohol trinken, wird es dann ein wenig unangenehm.
Doch spätestens wenn alle rundherum sich übergeben, sabbernd vor sich hindösen oder halbnackt im Garten rumrennen, bin ich froh, dass ich mich entschlossen habe, meinen Englandaufenthalt eher ruhig anzugehen. Ich steige dann aufs Velo und fahre heim.
Die Gymnasiastin Lisa Dörrer, 17, berichtet über ihre Erlebnisse während ihres Austauschjahres im südenglischen Salisbury.
Lisas Reise, Teil 14
Feste feiern
Ein «Gathering» bedeutet in England, sich vollzufressen und aufzupassen, dass nicht alles wieder hochkommt.
Wer muss diesmal kochen? Lisa (links) mit Melina aus Winterthur und Amelie aus Graz
Artikel zum Thema
Lisas Reise, Teil 13: Bitte keinen Leim, wir sind Briten
(Ausgabe: 6/11)
Lisas Reise, Teil 11: Werdet erwachsen!
(Ausgabe: 4/11)
Lisas Reise, Teil 12: Happy Birthday, Lisa!
(Ausgabe: 5/11)
Für eine solche Zusammenkunft trifft man sich meist bei jemandem zu Hause, kocht, sieht sich Filme an, redet oder – in meinem Fall – sucht erst einmal die Toilette.
Viele Engländer haben es nicht so mit der Hygiene, was mir oft eine Ganzkörper-Gänsehaut beschert. In manchen Häusern hat es Schildkrötenkot, Katzen-Erbrochenes und alle Arten von Krümeln auf dem Boden. Doch das Schönste ist, dass bei manchen die Friteuse auf der Waschmaschine im Bad steht, so dass alle frischen Kleider nach Bratfett riechen. Ich habe oft viel Zeit, mir solche Sachen anzuschauen, da Türschlösser häufig schlecht funktionieren und ich 15 Minuten brauche, um wieder rauszukommen.
Anzeige:
Eine durstige Gesellschaft
Zuerst kochen wir also, und wenn ich Glück habe, sind noch andere Austauschschüler dabei, die dann die Strafaufgabe bekommen: «Koch was Typisches aus deinem Land!» Wenn ich doch einmal dran bin, mache ich meistens einen Gemüse- oder Fruchtsalat, da ich geschmolzenen Käse hasse und mir Rösti zu lang dauert. Und ich bringe immer Schokolade mit, die mir meine Lieben zu Hause wöchentlich senden, da sie der Meinung sind, Schweizer Schokolade müsse man einfach vermissen.
Doch natürlich gibt es hier auch die etwas anderen Partys. Sobald die Eltern aus dem Haus sind, geht die Post ab. Kollegen werden angerufen, die älteren Geschwister losgeschickt, um Alkohol zu kaufen. Und wer mit dem Auto kommt, rechnet schon mal aus, wie viel er trinken kann.
Der Abend nimmt dann seinen Lauf, Sofas werden demoliert, Personen fliegen betrunken durch die Fenster oder hängen einem an der Schulter und erzählen ihre ganze Lebensgeschichte. Für mich als eine der wenigen, die keinen Alkohol trinken, wird es dann ein wenig unangenehm.
Doch spätestens wenn alle rundherum sich übergeben, sabbernd vor sich hindösen oder halbnackt im Garten rumrennen, bin ich froh, dass ich mich entschlossen habe, meinen Englandaufenthalt eher ruhig anzugehen. Ich steige dann aufs Velo und fahre heim.
Serie: Lisas Reise
Die Gymnasiastin Lisa Dörrer, 17, berichtet über ihre Erlebnisse während ihres Austauschjahres im südenglischen Salisbury.
Zurück
© Beobachter Ausgabe 7 vom 31. Mär 2011 - Alle Rechte vorbehalten