Lisas Reise, Teil 15
Sexy Zehen und Diebe im Park
Der Frühling ist da, was ich vor allem daran merke, dass ich aufpassen muss, auf dem Schulweg keine überfahrenen Hasen zu hinterlassen.
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Ich bin so lange wie möglich noch in den Winterkleidern rumgelaufen – mein Misstrauen gegenüber dem englischen Wetter ist ja nicht ganz unbegründet.
Die Engländer hingegen haben ihre Sandalen und Röcke schon beim ersten Sonnenstrahl hervorgeholt. Flipflops sind nach den Regeln meiner Schule aber leider zu aufreizend. Wobei ich mich frage, was an nackten Zehen so sexy sein soll.
Zeitung lesen – aus Anstand
Und ab und zu, grad wenn ich mir denke, absurder kann es nicht werden, bringt mir meine Gastmutter die Hampshire-Ortszeitung – mit den Worten, solche Zeitungen wollten ja immer junge Leser anziehen. Doch wenn ich die dann so durchblättere – was ich ehrlich gesagt nur tue, um was Gescheites antworten zu können, wenn meine Gastmutter nachfragt –, findet sich darin nichts ausser Werbung für Shampoos, die «graues Haar überdecken», und Badewannen, die «einen leichten Einstieg garantieren».
Etwas Spannendes habe ich dann trotzdem noch gefunden: «Die Osterglocken-Polizei». Der Artikel handelte von zwei Kindern, die aus einem Park Osterglocken stibitzt hatten, um daraus einen Blumenstrauss zu binden. Natürlich kam sofort die örtliche Polizei, brachte zuerst die Kinder zum Weinen und drohte dann den Müttern, sie würden Arrest erhalten – wegen «Diebstahls».
Nun regen sich viele auf und fragen, ob die Polizei nichts Besseres zu tun hätte? Und empören sich darüber, dass sie für so was auch noch Steuern zahlen müssten.
Dazu sage ich mir: In einem Land, in dem man den Rasen mit der Nagelschere schneidet, kann man ja nichts anderes erwarten.
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© Beobachter Ausgabe 8 vom 13. Apr 2011 - Alle Rechte vorbehalten






