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Lisas Reise, Teil 17

Britisch statt kritisch

Text:
  • Lisa Dörrer
Bild:
  • private Aufnahme
Ausgabe:
10/11

Nicht nur London feierte die Hochzeit von Kate und William - Lisa war auch dabei.

Dass die Briten ihre «Royal Family» lieben, das ist klar – von «Royal Weddings» gar nicht erst zu reden. Da fängt hier jeder an, über Dianas Hochzeit zu schwärmen und zu betonen, dass man diese einfach nicht übertreffen könne, wie das Beispiel Kate und William gezeigt habe.

Dennoch waren alle aus dem Häuschen. Ich dachte mir: «Jetzt macht euch mal nicht in die Hosen.» Die Anzahl von Flaggen, Fähnchen und Ballönchen, die für die Hochzeit überall liebevoll und mit Stolz aufgehängt wurden, überschritt die Grenze zum Kitsch schon lange.

Natürlich schmiss jede Familie ein Fest im Garten. So dass man am Ende mit so vielen weissen oder beigen Einladungen dastand, als wäre man der Verteiler der Hochzeitseinladungen persönlich.

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Wenn also meine Gastmutter mit dem ganzen weiblichen Festkomitee in unserem Wohnzimmer hockte und besprach, dass eine verzweifelte Nachbarin keine cremefarbenen Tassen mit passenden Blümchenuntertellern finden könne, musste ich immer höllisch aufpassen.

Ein falsches Wort, schon nur die winzigste Kritik gegen irgendein königliches Fami­lienmitglied (die Hunde der Queen inbegriffen), kostet einen mörderischen Blick. Man wird als respektlose, nichtswissende Austauschschülerin ­abgestempelt oder in eine dreistündige Belehrung verwickelt. Also werden Sie sicher verstehen, dass ich lieber anständig blieb und die neutrale Schweizerin markierte, die grad über die Löcher im Käse nachdenkt.

Zuerst wollte ich ja nach London, «Hochzeit gucken», weil das ja eine «einmalige Gelegenheit» gewesen wäre, wie mir meine Familie in der Schweiz weis­machen wollte. Aber: Wo man die Bus­tickets nach London normalerweise für 10 Pfund ergattern kann, kosteten sie am Hochzeitstag um die 70 Pfund.

Hinzu kommt: Wenn es in England ­einen Event gibt − und seien es auch nur Temperaturen von über 10 Grad Celsius −, sind die Strassen verstopft und fast unbefahrbar. Vom öffentlichen Verkehr fang ich jetzt gar nicht erst an. Drum blieb ich daheim und schaute mir die Hochzeit am Fernsehen an. War irgendwie auch schön. Aber an Dianas und Charles’ Über-Hochzeit kams tatsächlich nicht ran.

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© Beobachter Ausgabe 10 vom 11. Mai 2011 - Alle Rechte vorbehalten

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