Urlaub
Automiete ohne Pannen
Mit ein paar Tricks lässt sich beim Mieten eines Autos viel Geld und noch viel mehr Ärger sparen.
Für seine Ferien in der Dominikanischen Republik mietete Walter Ackermann im Januar bei der Firma Avis ein Auto. 666 Dollar sollte ihn ein Nissan für 24 Tage kosten. «Der bei der Buchung bestätigte Preis ist ein garantierter Festpreis», heisst es zwar in den weltweiten Mietbestimmungen von Avis. Doch beim Abholen des Wagens stellte sich das als teurer Irrtum heraus: Statt 666 bezahlte Ackermann 1457 Dollar, mehr als das Doppelte.
Wie konnte das passieren? «Der Station-Manager sagte mir, ohne Haftpflichtversicherung gebe er mir kein Auto», erzählt Ackermann. So habe er halt die Versicherung gegen eine Zusatzgebühr abgeschlossen. Doch damit nicht genug. Der Autovermieter erklärte ihm, dass die Vollkaskoversicherung im Angebot von Avis ebenfalls fehle. Auch die schloss Ackermann ab. Natürlich gegen einen weiteren Aufpreis. «Dass auf der Avis-Homepage nirgends auf nachträgliche Kosten aufmerksam gemacht wird, ist Bauernfängerei», empört er sich.
Bei Avis ist man sich keiner Schuld bewusst. «Herr Ackermann muss etwas falsch verstanden haben. Die für das jeweilige Land obligatorische Haftpflichtversicherung ist immer inbegriffen», sagt Roland Furrer vom Avis-Kundenservice. Ackermann habe eine Zusatzversicherung abgeschlossen, die einen höheren Schaden decke. Und die Vollkaskoversicherung sei ohnehin freiwillig.
«Entscheidend bei der Haftpflichtversicherung ist die Höhe der Deckungssumme», sagt Frieder Bechtel von billiger-mietwagen.de, dem führenden deutschen Mietwagenportal. Sie schwanke zwischen rund 8000 Franken in Kalifornien und zweistelligen Millionenbeträgen etwa in Spanien. Je nach Land sei es deshalb sinnvoll, eine zusätzliche Haftpflichtversicherung mit höherer Deckungssumme abzuschliessen – etwa in Schwellen- und Entwicklungsländern oder in Osteuropa, rät Bechtel.
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Deckungssumme: Minimum zwei Millionen
Aufpassen muss man auch in den USA. Dort ist die Deckungssumme je nach Bundesstaat unterschiedlich hoch. Bechtels Tipp: einen Mindestbetrag von zwei Millionen Franken versichern.
Auch eine Vollkasko- und eine Diebstahlversicherung sollten abgeschlossen werden. «Hier lohnt es sich, eine Versicherung ohne Selbstbehalt zu buchen. Die Preisdifferenz ist geringer als der Selbstbehalt, der sich in der Regel zwischen 800 und 4500 Franken bewegt.» Aber Vorsicht: Häufige Schäden wie die an Glas oder Reifen sind meist von der Versicherung ausgeschlossen.
Und was macht man, wenn man wie Ackermann zu schlecht informiert wurde und deshalb zu viel bezahlte? Man reklamiert. Aber erst, als sich der Beobachter einschaltete, zeigte sich Avis einsichtig. «Der Part über die Versicherungen fällt in den Mietbedingungen für die Dominikanische Republik tatsächlich sehr mager aus», sagte Avis-Mitarbeiter Furrer. Leider könne Avis nichts daran ändern, die Verantwortung liege bei einem Lizenznehmer in der Dominikanischen Republik. «Und dort ticken die Uhren eben etwas anders.»
Immerhin: Am Schluss zahlte Avis Ackermann 400 Franken zurück. Selbstverständlich «aus Kulanz und ohne jegliches Präjudiz», wie die Firma festhielt.
Worauf Sie bei der Automiete achten sollten
Bei der Suche
Günstige Angebote findet man mit Hilfe von spezialisierten Suchmaschinen wie www.billiger-mietwagen.de und www.mietwagen.de. Die Trefferlisten zeigen auch die Zufriedenheit anderer Kunden und listen auf, was im Angebot inbegriffen ist.
Beim Buchen
Buchen Sie möglichst früh. Wegen der Wirtschaftskrise haben viele Anbieter ihre Flotte verkleinert. «Wer im Sommer einen Mietwagen in den häufigsten Reiseländern wie Italien, Spanien oder Frankreich mieten möchte, sollte mindestens sechs Wochen im Voraus buchen», rät Frieder Bechtel von billiger-mietwagen.de. Ein weiterer Vorteil im Gegensatz zu einer Buchung vor Ort sei, dass man einen westeuropäischen Vertragspartner habe und somit weniger Komplikationen bei Reklamationen.
Vor dem Vertragsabschluss
Überprüfen Sie alle vertraglichen Angaben genau: Welche Versicherungen sind inbegriffen? Welche Zusatzkosten entstehen beim Abholen des Autos? Gibt es (versteckte) Kilometerbegrenzungen? Wann und wie muss das Angebot bezahlt werden? Antworten auf diese Fragen finden Sie im Kleingedruckten. Hier gilt: Im Zweifelsfall fragen Sie am besten beim Anbieter nach.
Bei Anmiete und Rückgabe
Untersuchen Sie das Fahrzeug bei Mietbeginn auf Kratzer und teilen Sie Schäden unverzüglich dem Anbieter mit. Informieren Sie sich, was Sie bei einem Unfall genau unternehmen müssen. Klären Sie ab, in welchem Zustand das Auto zurückgegeben werden muss (vollgetankt, gereinigt). Geben Sie den Mietwagen pünktlich zurück. Einige Anbieter verrechnen Verspätungen von einigen Minuten bereits als ganzen Tag. Wichtig: Bewahren Sie sämtliche Belege auf und lassen Sie sich spezielle Abmachungen schriftlich bestätigen. So schützen Sie sich vor nachträglichen Unannehmlichkeiten.
© Beobachter Ausgabe 13 vom 25. Jun 2009 - Alle Rechte vorbehalten




