Geniessen auf Schloss Wartegg
Im Garten des letzten Kaisers
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- Ausgabe:
- 20/09
Auf Schloss Wartegg am Bodensee, wo einst der letzte Kaiser der Habsburger wohnte, wird Bioküche vom Feinsten aufgetischt – mit frischem Gemüse aus dem Schlossgarten.

Erstrahlt in neuem Glanz: Seine 452 Jahre sieht man dem Schloss Wartegg nicht an.
«Grüezi, Herr Kaiser!» So wurde der letzte österreichische Kaiser Karl von den Nachbarn gegrüsst, als er samt Familie im Frühling 1919 auf Schloss Wartegg am Bodensee Zuflucht fand.
Heute muss man keinen Adelstitel mehr tragen, um im Ritterschloss von 1557 zu nächtigen: Die aktuellen Besitzer, die Familie Mijnssen, retteten die geschichtsträchtigen Mauern vor dem Verfall und erweckten das Anwesen 1998 zu neuem Leben – als Hotel, Restaurant und Veranstaltungsort für klassische Konzerte und Ausstellungen.
Die Renovation nach baubiologischen Grundsätzen ist dem Schloss gut bekommen: Das Gebäude strahlt eine heitere Leichtigkeit aus. Beim Eintreten überträgt sich eine wohltuende Ruhe auf den Gast, und nach einer Nacht in einem der gesunden Betten ist der hektische Alltag weit weg. Schloss Wartegg bietet nicht Fünf-Sterne-Komfort, sondern aufs Wesentliche reduzierten Luxus: aufs Natürliche, Schlichte, Hochwertige. Die fast klösterlich-nüchtern wirkenden Zimmer sind mit Naturmaterialien gestaltet, im Bad liegt Biokosmetik auf, und zum Frühstück gibt es Eier von glücklichen Hühnern, selbstgemachte Biokonfitüre und Fairtrade-Orangensaft.
Der Schlossgeist, sofern es auf der Wartegg einen gibt, muss von freundlicher Natur sein – der Geist, der im Haus spürbar ist, ist es jedenfalls. Die Angestellten sind hilfsbereit und herzlich, vom Spielplatz erklingt Kinderlachen, die Hunde schnüffeln friedlich im Park herum, die Erwachsenen halten sich ans Rauchverbot und räumen ihr Teegeschirr anstandslos weg, ohne dass es dafür einen Schloss-Knigge braucht. Liegt es daran, dass für die Bedürfnisse eines jeden Raum genug ist? Für die Kinder ein Spielzimmer mit Ausgang zum Park; Ruhesuchende entspannen auf der Gartenterrasse, in der Bibliothek oder im «Stillen Raum»; Wellness-Anhängerinnen tauchen in der Badewanne von 1927 ab und fühlen sich dabei wie Kaiserin Zita – besonders wenn sie das prächtige Bad samt Sauna für sich allein haben.
REZEPT FÜR 2 GLÄSER (à 400 Gramm)
Tomatenchutney nach Art von Küchenchef Dirk Schuck
Ein halbes Kilo Tomaten kurz in siedendes Wasser legen, häuten, entkernen und in kleine Würfel schneiden. 200 Gramm säuerliche Äpfel würfeln. Einen Teelöffel geriebenen Ingwer, 2 bis 3 Zehen Knoblauch, fein gehackt, einen Spritzer Tabasco und etwas Salz hinzufügen. Zirka 45 Minuten bei kleiner Flamme köcheln lassen; mit wenig Kartoffelstärke binden. In sterilisierte Gläser heiss abfüllen und gut verschliessen (Haltbarkeit rund sechs Monate). Schmeckt als Crostini-Aufstrich oder zu gebratenem Fleisch oder Fisch. |
Und abends pilgern die Geniesser Hotelgäste wie Einheimische ins Restaurant und lassen sich von Küchenchef Dirk Schuck biologische Köstlichkeiten auftischen, die den Vergleich mit Gourmet-Tempeln nicht zu scheuen brauchen. Die lauwarme Tomatentarte schmeckt köstlich, die Tagliolini wie bei der Nonna, und die Extrakalorien der Apfelcreme «Schloss Wartegg» nimmt man gern in Kauf. Das Fleisch stammt von Biohöfen aus der Region, der Fisch Zander, Felchen und Egli – aus dem Bodensee.
Das meiste, das auf dem Teller landet, kommt aber aus dem 2500 Quadratmeter grossen, biologisch-dynamisch angebauten Schlossgarten. Im konzentrisch angelegten «Paradiesgarten» holen die Köche frische Kräuter, und die Gäste stiefeln zwischen den Beeten hindurch und bewundern seltene Obst- und Gemüsesorten wie japanische Weinbeeren, Stachis oder das Distelgewächs Kardy – laut Schlossgärtner Matthias Thalmann «das gesündeste Gemüse überhaupt». Ein Schaugarten sei die Anlage allerdings nicht: «Die schönsten Gemüse, Beeren und Blumen werden gleich geerntet», sagt der drahtige Naturbursche, der auch dafür sorgt, dass im Schloss immer frische Blumen stehen.
Die Besitzerfamilie Mijnssen, die mit ihren drei Kindern im obersten Stock eines Gebäudeflügels wohnt, legt Wert auf Nachhaltigkeit. Das zeigt sich auch in der Umgebung: Der 13 Hektaren grosse englische Park wirkt alles andere als gepützelt. Die Natur, jahrzehntelang sich selbst überlassen, wird nur sachte wieder in Form gebracht. Kürzlich wurde der Park als nationales Gartendenkmal unter Schutz gestellt – gerade rechtzeitig, um die drohende Überbauung im westlichen Teil zu verhindern. Die geschichtsträchtige Idylle auf dem Rorschacherberg scheint eine Zukunft zu haben.

Die schönste Badewanne der Schweiz
Übernachten inklusive Biofrühstücksbuffet
140 Franken für das Einzel-, 220 Franken für das Doppelzimmer, 240 Franken für das Familienzimmer (mit separatem Kinderzimmer); in der Nebensaison günstiger; Badewanne privat: 20 Franken pro Stunde
Infos
Hotel-Restaurant Schloss Wartegg
9404 Rorschacherberg
täglich geöffnet
Telefon 071 858 62 62
www.wartegg.ch

Gärtner Matthias Thalmann und Koch Dirk Schuck
Appenzeller Witzwanderweg
Die «witzigste Wanderung» der Schweiz führt von Heiden via Wolfhalden nach Walzenhausen. Mit Blick aufs Schwäbische Meer kommt man auf dem Witzwanderweg dem Kulturgut Appenzeller Witz auf die Spur. www.witzweg.ch
Hundertwasser-Architektur
Einen Steinwurf vom Flugplatz Altenrhein entfernt steht ein bizarrer Bau mit goldenen Kuppeln, farbigen Säulen, schrägen Wänden, seltsamen Rundungen und Fenstern – ein Hundertwasser eben. Die 2001 eröffnete Markthalle ist das einzige Schweizer Bauwerk des berühmten Wiener Architekten und Künstlers – und ein Touristenmagnet. www.markthalle-altenrhein.ch
Kurort Heiden mit Dunant-Museum
In den einst berühmten Molkekurort -Heiden reist man heute wie damals bequem mit der 1875 eröffneten Rorschach-Heiden-Bergbahn. Henri Dunant, Gründer des Roten Kreuzes, verbrachte seinen Lebensabend im «Biedermeierdorf» – und wurde mit einem Museum gewürdigt. www.dunant-museum.ch
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© Beobachter Ausgabe 20 vom 30. Sep 2009 - Alle Rechte vorbehalten
Geniessen auf Schloss Wartegg
Im Garten des letzten Kaisers
Auf Schloss Wartegg am Bodensee, wo einst der letzte Kaiser der Habsburger wohnte, wird Bioküche vom Feinsten aufgetischt – mit frischem Gemüse aus dem Schlossgarten.
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Die Renovation nach baubiologischen Grundsätzen ist dem Schloss gut bekommen: Das Gebäude strahlt eine heitere Leichtigkeit aus. Beim Eintreten überträgt sich eine wohltuende Ruhe auf den Gast, und nach einer Nacht in einem der gesunden Betten ist der hektische Alltag weit weg. Schloss Wartegg bietet nicht Fünf-Sterne-Komfort, sondern aufs Wesentliche reduzierten Luxus: aufs Natürliche, Schlichte, Hochwertige. Die fast klösterlich-nüchtern wirkenden Zimmer sind mit Naturmaterialien gestaltet, im Bad liegt Biokosmetik auf, und zum Frühstück gibt es Eier von glücklichen Hühnern, selbstgemachte Biokonfitüre und Fairtrade-Orangensaft.
Der Schlossgeist, sofern es auf der Wartegg einen gibt, muss von freundlicher Natur sein – der Geist, der im Haus spürbar ist, ist es jedenfalls. Die Angestellten sind hilfsbereit und herzlich, vom Spielplatz erklingt Kinderlachen, die Hunde schnüffeln friedlich im Park herum, die Erwachsenen halten sich ans Rauchverbot und räumen ihr Teegeschirr anstandslos weg, ohne dass es dafür einen Schloss-Knigge braucht. Liegt es daran, dass für die Bedürfnisse eines jeden Raum genug ist? Für die Kinder ein Spielzimmer mit Ausgang zum Park; Ruhesuchende entspannen auf der Gartenterrasse, in der Bibliothek oder im «Stillen Raum»; Wellness-Anhängerinnen tauchen in der Badewanne von 1927 ab und fühlen sich dabei wie Kaiserin Zita – besonders wenn sie das prächtige Bad samt Sauna für sich allein haben.
Tomatenchutney nach Art von Küchenchef Dirk Schuck
Ein halbes Kilo Tomaten kurz in siedendes Wasser legen, häuten, entkernen und in kleine Würfel schneiden. 200 Gramm säuerliche Äpfel würfeln. Einen Teelöffel geriebenen Ingwer, 2 bis 3 Zehen Knoblauch, fein gehackt, einen Spritzer Tabasco und etwas Salz hinzufügen. Zirka 45 Minuten bei kleiner Flamme köcheln lassen; mit wenig Kartoffelstärke binden. In sterilisierte Gläser heiss abfüllen und gut verschliessen (Haltbarkeit rund sechs Monate). Schmeckt als Crostini-Aufstrich oder zu gebratenem Fleisch oder Fisch.
Und abends pilgern die Geniesser Hotelgäste wie Einheimische ins Restaurant und lassen sich von Küchenchef Dirk Schuck biologische Köstlichkeiten auftischen, die den Vergleich mit Gourmet-Tempeln nicht zu scheuen brauchen. Die lauwarme Tomatentarte schmeckt köstlich, die Tagliolini wie bei der Nonna, und die Extrakalorien der Apfelcreme «Schloss Wartegg» nimmt man gern in Kauf. Das Fleisch stammt von Biohöfen aus der Region, der Fisch Zander, Felchen und Egli – aus dem Bodensee.
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Das meiste, das auf dem Teller landet, kommt aber aus dem 2500 Quadratmeter grossen, biologisch-dynamisch angebauten Schlossgarten. Im konzentrisch angelegten «Paradiesgarten» holen die Köche frische Kräuter, und die Gäste stiefeln zwischen den Beeten hindurch und bewundern seltene Obst- und Gemüsesorten wie japanische Weinbeeren, Stachis oder das Distelgewächs Kardy – laut Schlossgärtner Matthias Thalmann «das gesündeste Gemüse überhaupt». Ein Schaugarten sei die Anlage allerdings nicht: «Die schönsten Gemüse, Beeren und Blumen werden gleich geerntet», sagt der drahtige Naturbursche, der auch dafür sorgt, dass im Schloss immer frische Blumen stehen.
Die Besitzerfamilie Mijnssen, die mit ihren drei Kindern im obersten Stock eines Gebäudeflügels wohnt, legt Wert auf Nachhaltigkeit. Das zeigt sich auch in der Umgebung: Der 13 Hektaren grosse englische Park wirkt alles andere als gepützelt. Die Natur, jahrzehntelang sich selbst überlassen, wird nur sachte wieder in Form gebracht. Kürzlich wurde der Park als nationales Gartendenkmal unter Schutz gestellt – gerade rechtzeitig, um die drohende Überbauung im westlichen Teil zu verhindern. Die geschichtsträchtige Idylle auf dem Rorschacherberg scheint eine Zukunft zu haben.
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© Beobachter Ausgabe 20 vom 30. Sep 2009 - Alle Rechte vorbehalten