Es gibt gute Gründe, keine Kinder zu haben. Einige davon finden, ich gebs zu, gelegentlich Ausdruck in diesen Zeilen.
Aber meine Kolumne deswegen als literarische Kontrazeption zweckzuentfremden, wie dies Herr N. aus B. tut, ist, wie soll ich sagen, ziemlich dreist. Aber irgendwie auch raffiniert. «Ich finde Ihre Kolumne super», schrieb mir Herr N. aus B. kürzlich in einer Mail. «Und seit auch meine Frau sie liest, vergisst sie fast nie mehr ihre Pille.» Nun, da will ich Herrn N. aus B. doch gern eine weitere Antibabypostille nachwerfen:
Das Leben eines Vaters ist eine ständige Gratwanderung. Ein Balanceakt zwischen Frau und Kindern, Freunden und Freizeit – ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen egozentriertem Individuum und altruistischem Gemeinschaftswesen. Während einer Fussball-WM hat die eine Seite ganz schlechte Karten. Denn im Familienverbund WM schauen macht ganz stigelisinnig. Lieber Herr N. aus B., hören Sie an dieser Stelle einige O-Ton-Aufnahmen der vergangenen Tage:
So, mini Liv, das isch s letschte Chnättimändli, und dänn … «Gool!» Was? Neiii, verpasst! …
«Papi, was hät de Maa?» Gfoult worde. «Hä?» Gfoult worde. «Hä?» Öpper hät en gschupft. «Wieso?» …
«Sve-en, Sve-en! Chöntsch no schnäll wäg em Fleisch go luege?» Ja, grad. «Svee-eeen!» Jaa-aa, ich gang ja. Brutzelbrutzel. Sodeli. «Goool!» Hä? «Goool!» Merci …
«Sve-en? Meinsch de Bäckhäm schiisst s aa, das er nöd cha tschutte?» Hm. «Was meinsch?» Hä? «Meinsch s schiisst en aa?» Was? «Ob s en aaschiisst?» Wen? «De Bäckhäm?» Wieso? «Mann, wottsch nöd rede?» Eigentlich lieber luege! «Papi!» Hä? «Wieso wottsch nöd rede?» Hmm! …
«Läck, was hät dänn de für e Frisur?!» Ähä. «Voll de Vokuhila!» Ähä. «Weisch no, de Ronaldo damals!» Ähä. «Findsch das Spiil so spannend?» Ähä. «S lauft ja gar nüüt.» Ähä. «Papi.» Hä? «Ich wott au Goolihändsche.» Hä? «Papi.» Hä? «Chunsch go tschutte?» Spöter. «Hä?» Spöter. «Hä?» …
Gool! Goool! Endlich han i eis gsee! Lo-loo-lo-lo-loo! «Papii!» (Kind weint.) Was isch los? «Nöd so schreie!» Hä? «Nöd so luut schreie!» Jetzt langet s. Fin, hol de Bölle, mir gönd use go tschutte. «Nei.» Was jetz? «Will no luege!» Krmpff!
Vaterfreuden
Antibabypostille
Es gibt gute Gründe, keine Kinder zu haben. Einige davon finden, ich gebs zu, gelegentlich Ausdruck in diesen Zeilen.
Aber meine Kolumne deswegen als literarische Kontrazeption zweckzuentfremden, wie dies Herr N. aus B. tut, ist, wie soll ich sagen, ziemlich dreist. Aber irgendwie auch raffiniert. «Ich finde Ihre Kolumne super», schrieb mir Herr N. aus B. kürzlich in einer Mail. «Und seit auch meine Frau sie liest, vergisst sie fast nie mehr ihre Pille.» Nun, da will ich Herrn N. aus B. doch gern eine weitere Antibabypostille nachwerfen:
Das Leben eines Vaters ist eine ständige Gratwanderung. Ein Balanceakt zwischen Frau und Kindern, Freunden und Freizeit – ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen egozentriertem Individuum und altruistischem Gemeinschaftswesen. Während einer Fussball-WM hat die eine Seite ganz schlechte Karten. Denn im Familienverbund WM schauen macht ganz stigelisinnig. Lieber Herr N. aus B., hören Sie an dieser Stelle einige O-Ton-Aufnahmen der vergangenen Tage:
So, mini Liv, das isch s letschte Chnättimändli, und dänn … «Gool!» Was? Neiii, verpasst! …
«Papi, was hät de Maa?» Gfoult worde. «Hä?» Gfoult worde. «Hä?» Öpper hät en gschupft. «Wieso?» …
«Sve-en, Sve-en! Chöntsch no schnäll wäg em Fleisch go luege?» Ja, grad. «Svee-eeen!» Jaa-aa, ich gang ja. Brutzelbrutzel. Sodeli. «Goool!» Hä? «Goool!» Merci …
«Sve-en? Meinsch de Bäckhäm schiisst s aa, das er nöd cha tschutte?» Hm. «Was meinsch?» Hä? «Meinsch s schiisst en aa?» Was? «Ob s en aaschiisst?» Wen? «De Bäckhäm?» Wieso? «Mann, wottsch nöd rede?» Eigentlich lieber luege! «Papi!» Hä? «Wieso wottsch nöd rede?» Hmm! …
«Läck, was hät dänn de für e Frisur?!» Ähä. «Voll de Vokuhila!» Ähä. «Weisch no, de Ronaldo damals!» Ähä. «Findsch das Spiil so spannend?» Ähä. «S lauft ja gar nüüt.» Ähä. «Papi.» Hä? «Ich wott au Goolihändsche.» Hä? «Papi.» Hä? «Chunsch go tschutte?» Spöter. «Hä?» Spöter. «Hä?» …
Gool! Goool! Endlich han i eis gsee! Lo-loo-lo-lo-loo! «Papii!» (Kind weint.) Was isch los? «Nöd so schreie!» Hä? «Nöd so luut schreie!» Jetzt langet s. Fin, hol de Bölle, mir gönd use go tschutte. «Nei.» Was jetz? «Will no luege!» Krmpff!
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© Beobachter Ausgabe 14 vom 08. Jul 2010 - Alle Rechte vorbehalten