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Vaterfreuden

Max’ Macke (2)

Text:
  • Sven Broder
Bild:
  • Stock-Kollektion colourbox.com
Ausgabe:
15/09

Beim letzten Mal habe ich Ihnen in dieser Kolumne den fünfjährigen Max vorgestellt, der so gerne Mädchenkleider trägt – und von dessen leicht homophobem Vater erzählt, der sich deswegen Sorgen um die sexuelle Orientierung seines Stammhalters macht.

Ich versprach, der Problematik nachzugehen, und lud Sie alle ein, an der Diskussion teilzuhaben. Für Ihre Rückmeldungen (siehe Artikel zum Thema) zuerst einmal vielen Dank.

Nun, was hat meine Recherche ergeben? Ich darf es vorwegnehmen: Ernüchterndes.  Im Grunde hatte ich ja nur sehen wollen, ob es auch bei meinem Sohn allenfalls eine mir noch verborgene feminine Seite gibt, als ich mich in seinem Zimmer ins Bett und auf die Lauer legte, mich schlafend stellte, während er mit dem Nachbarsmädchen «Elterlis» spielte. Welchen Part würde Fin wohl übernehmen? Vater oder Mutter? Sohn oder Tochter? Tja, und dann sah ich das: Spielte Fin nicht gerade das Baby, das sich von seinem «Mami» herumkommandieren liess, war er der Hund, der auf allen Vieren und an einer imaginären Leine im Kinderzimmer Gassi geführt wurde. Hallo?, dachte ich – und da macht sich mein Freund Sorgen, weil sein Sohn ab und zu ein Röckchen trägt und die Farbe Rosa mag? Ich sah Fin schon in Latexklamotten, mit einer Holzkugel im Mund und vor einen einachsigen Sulky gespannt devot durch den Wald rennen – hintendrauf die Herrin mit der Peitsche. Das Ganze relativierte sich zum Glück, als Fin wegen eines lächerlichen «Bobos» am Knie heulend nach einem Pfläschterli verlangte.

Gleichwohl setzte ich anderntags meine Feldforschung in Fins Kleiderkiste fort. Und siehe da: Vier Fussballtrikots, zwei Spiderman-T-Shirts, ein Paar Spiderman-Socken – keine Prinzessin Lillifee, keine Hello Kitty, keine pinken Finken. Uff. Ich spürte, wie sich in mir eine Anspannung löste – und war just deswegen echt verunsichert. Bin auch ich ein engstirniger Vater, der sich vor dem Tag fürchtet, an dem sein Sohn zum Frühstück erscheint und sagt: «Hallo Papa, das ist mein Freund Bruno»? Es ist Zeit für ein Gespräch von Mann zu Mann – am besten mit einem Schwulen. Fortsetzung folgt.

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© Beobachter Ausgabe 15 vom 22. Jul 2009 - Alle Rechte vorbehalten

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