Vaterfreuden
Neulich am Planschbecken
«Findest du echt, dass sie hässliche Ohren hat?» − «Nein, auf gar keinen Fall.»

(Bild: Viviana Chiosi Viviana Chiosi)
Artikel zum Thema
Ich mag sie nicht, diese intimen Momente am Planschbecken zum Start der neuen Badesaison. Ich hatte das heikle Revier bereits schlecht gelaunt betreten, weil mir noch überhaupt nicht nach Baden war, meinen Kindern jedoch schon, und ich mich mal wieder in mein Schicksal als berufstätiger Event-Papa fügen musste.
Und dann das: Am Beckenrand waren sie alle versammelt, die Frauen vom letzten Jahr mit ihren Früchten der vergangenen dunklen Monate. Babys en masse. Keine Männer. Hahn am Becken. Ich hätte es wissen müssen. Die Blicke der versammelten Frauen gaben mir zu verstehen: Du bist hier fehl am Platz. Offensichtlich war noch zu wenig Zeit zwischen Geburt und Freiluftbadesaison verstrichen, um schon einen Mann im Kreise der noch schlaffen Bäuche und zu eng gewordenen Bikinis zu dulden. Liv, unser jüngstes Früchtchen, schien die Lage richtig zu deuten und löste die Anspannung auf ihre Weise - und machte in die Hose. Ich war nicht unglücklich darüber und verschwand erst mal für einige Minuten in der Umkleidekabine.
Doch das Glück blieb mir treu. Als ich zurückkam, sass eine alte Bekannte vom Schwangerschaftsvorbereitungskurs am Becken. Ihre Füsse baumelten im Eiswasser. Anbei ein kurzes Protokoll des darauffolgenden geistreichen Gesprächs: «Oh, süss. Das ist jetzt also euer Mädchen.» - «Ja. Liv.» - «Ist ja voll herzig.» - «Ja.» - «Die ist dir wirklich wie aus dem Gesicht geschnitten.» - «Ja.» - «Wie sie schaut, richtig grosse Augen.» - «Ja.»
Anzeige:
Warum gibt es volle Windeln eigentlich nicht auf Knopfdruck - quasi als Duftspray zum Mitnehmen?
© Beobachter Ausgabe 11 vom 28. Mai 2008 - Alle Rechte vorbehalten


