Beobachter-Thema Alkohol

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Alkohol lockert. Alkohol löst. Er erleichtert. Und lähmt. Kein Problem. Die Schweizerinnen, Schweizer haben ihre Probleme im Griff. Seit 1985 geht der Pro-Kopf-Verbrauch von Alkoholika zurück.
Aber da sind noch andere Zahlen. Der Gesamtkonsum steigt kontinuierlich an. Das bedeutet: Immer weniger Menschen trinken in der Schweiz immer mehr Alkohol. Es sind vor allem Jugendliche. Kein Problem?
12000 Schulkinder nehmen täglich alkoholische Getränke zu sich. Acht Prozent der 11- bis 16jährigen trinken mindestens einmal wöchentlich Bier. 20 Prozent dieser Altersgruppe haben Erfahrungen mit richtigen Räuschen. Vor allem die Mädchen scheinen auf den Geschmack gekommen zu sein. Seit 1978 hat sich die Zahl der täglich trinkenden jungen Frauen verdreifacht.
Dass Jugendliche problemlos Alkohol einkaufen können wurde schon mehrfach festgestellt und angeprangert. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Neu ist, dass die Industrie ein extra für Jugendliche hergestelltes Getränk auf den Markt gebracht hat: die Alcopops: Das freche Outfit, die schrillen Farben sprechen direkt die jugendlichen Konsumenten an - ebenso natürlich der Geschmack. Der Alcopop ist Süss, hat kein Nachgeschmack: Es ist, als ob man Schweppes trinken würde.
Alhoholismus ist eine medizinisch «fassbare» Krankheit, die mit enormen Vorurteilen verbunden ist. Keine ernstzunehmende Fachperson spricht von «Jugendalkoholismus»: Ob sich eine jung erworbene Gewohnheit zur Krankheit entwickelt, ist keineswegs sicher. Grenzüberschreitungen und Exzesse gehören zu diesem Alter. Beunruhigend wird es erst, wenn sich Jugendliche regelmässig betrinken.
Die Abhängigkeit von den verbotenen Drogen stellt sich in der Regel innerhalb von kurzer Zeit ein. Beim Alkohol können bis zu zwanzig Jahre vergehen, bis ein regelmässig Trinkender sich bei einer Beratung meldet. Dann ist es oft zu spät, um das Problem, das hinter der Sucht steht, noch zu erkennen. Wer - auch ohne Alkohol - darüber reden kann, was ihn ängstigt und bedrückt, ist weniger gefährdet.
Die Schweizerische Alkoholverwaltung hat Ende 1997 die Designerdrinks für unter 16-Jährige verboten. Ausserdem wurden sie erheblich teurer. Doch schon 1999 werden die Preise steuerbedingt wieder gesenkt. Die Prävention ist gefordert - und die Wachheit der Eltern und Mitmenschen.
© Beobachter Ausgabe 6 vom 10. Mär 1998 - Alle Rechte vorbehalten











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