Kinderhotels
Reisen mit Kindern im Schlepptau
Ferien im Schnee das wärs! Doch nicht überall, wo es Eltern gefällt, sind auch die Kinder willkommen. Gütesiegel erleichtern die Suche nach passenden Hotels.

(Bild: Pixelquelle)
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Damit hatte Verena Zürcher nicht gerechnet. Sie war mit ihrem Sohn am Bodensee unterwegs und brauchte kurzfristig eine Übernachtungsmöglichkeit. Schliesslich fand sie ein Hotel - das sich aber als denkbar ungünstige Adresse erwies. «Mit dem Kinderwagen kam ich gar nicht erst ins Gebäude hinein, und als ich nach heissem Wasser fragte, um den Schoppen aufzuwärmen, wurde ich angesehen, als hätte ich um weiss was gebeten», so die 40-Jährige. Auch wenn sich das Hotel nicht explizit als kinderfreundlich bezeichnete, nahm Verena Zürcher die Erfahrung zum Anlass, aktiv zu werden. Sie lancierte die Plattform gastrokidzz.ch, auf der sie seither Adressen von kinderfreundlichen Restaurants und Hotels sammelt. Und zwar am liebsten aus Regionen, die nicht unbedingt als Tourismusdestinationen gelten.
Bekannte Ferienorte haben die Familie eh längst als Zielgruppe entdeckt und locken potentielle Gäste mit «kinderfreundlichen» Unterkünften an. Die Palette reicht von der preisgünstigen Wohnung in einem Reka-Dorf bis hin zum Viersternehaus, wo Kindern und Eltern jeder Wunsch von den Augen abgelesen wird.
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Schweizer sind weniger streng
In Österreich und im Südtirol zählen 46 Betriebe zu den «Kinderhotels», die laut Organisation «strengste Aufnahmekriterien» erfüllen müssen. Bereits Betriebe, die in die unterste Kategorie aufgenommen und mit drei Smileys ausgezeichnet werden wollen, müssen über einen Spielbereich, ein Babyphon im Zimmer, eine rauchfreie Restaurantzone sowie einen Freiluftspielplatz verfügen und während der gesamten Öffnungszeit mindestens 20 Betreuungsstunden pro Woche anbieten. In der höchsten Kategorie mit fünf Smileys wird überdies eine zusätzliche Babybetreuung oder ein Planschbecken gefordert.
Das Schweizer Pendant dazu ist der Verein «Kids Hotels», in dem sich 45 Betriebe zusammengeschlossen haben und der von Schweiz Tourismus vermarktet wird. Allerdings sind die Aufnahmekriterien lascher. Um die Mindestanforderungen zu erfüllen, muss ein Betrieb zum Beispiel eine familienfreundliche Atmosphäre, geräumige Zimmer und kindergerechte Verpflegung bieten. Als «Kids Hotels Plus» werden Betriebe geführt, die neben den Mindestanforderungen einen erweiterten Service anbieten.
Ein weiteres Label hierzulande ist das Gütesiegel «Familien willkommen», das nicht an einzelne Betriebe, sondern an Regionen vergeben wird. Bisher haben 31 Destinationen das Gütesiegel erhalten. Unter anderem verfügen sie über Kinder- und Naturspielplätze, Schlechtwetterangebote und natürlich geeignete Unterkünfte: Es sind mindestens 15 Ferienwohnungen und ein familienfreundliches Hotel vorhanden.
Allein: Gütesiegel sind noch längst keine Gewähr für erholsame Ferien. Das gilt besonders für Familienferien. Wer eine ruhige und gleichwohl intensive Zeit mit seinen Kindern verbringen möchte, kann sich ein Kinderhotel mit perfektem Rundumservice unter Umständen sparen. Als Alternative bietet sich eine Ferienwohnung an. Entscheidend für das Gelingen eines Urlaubs ist, dass sich Eltern vor den Ferien erst einmal klar darüber werden, was sie wollen, und überlegen, wie sie und ihre Kinder funktionieren. Ursula Krebs sagt zum Beispiel: «Man muss einschätzen können, ob und wie lange das Kind überhaupt allein bei einer Betreuungsperson bleibt. Aber damit rechnen darf man ohnehin nicht.» Die 37-Jährige war mit ihren drei Kindern schon häufig in Hotels zu Gast, verliess sich bei ihrer Wahl aber auf Mundpropaganda statt auf Labels, Sterne oder Smileys.
Auf Empfehlungen setzt auch Verena Zürcher, die froh um Tipps von Eltern ist, die bessere Erfahrungen gemacht haben als sie. Als Auswahlkriterien für ihren Gastroführer für Kinder und Familien nennt sie zwar auch die Infrastruktur, doch zwei Punkte erscheinen ihr noch viel entscheidender: Erstens müssten die Kinder als Gäste behandelt werden und zweitens müsse das Bauchgefühl bei den Eltern stimmen.
Kinderfreundliche Hotels: Darauf sollten Sie achten
Kinderbetreuung: In der Regel geben die Betriebe an, ab welchem Alter sie die Kinder betreuen. Kinder, die jünger sind, werden oftmals nicht berücksichtigt, viele Hotels sind da relativ strikt. Wichtig: Klären Sie vorher ab, wie viel Selbständigkeit vom Kind erwartet wird. Muss es zum Beispiel allein auf die Toilette gehen können?
Essen: Selbst wenn das Hotel günstigere Kindermenüs und Betreuung während des Essens der Eltern anbietet: Ein Abendessen allein in ruhiger, gediegener Umgebung ist in einem Kinderhotel meist schwierig und häufig von Kinderlärm begleitet.
Zimmer: Ideal sind sogenannte Familienzimmer, die zwei separate Räume mit einer Verbindungstür haben - auch bei schon älteren Kindern.
Animationsprogramm: Entscheidender als das Programm an und für sich ist, ob sich im Hotel gleichaltrige Kinder befinden.
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© Beobachter Ausgabe 24 vom 21. Nov 2007 - Alle Rechte vorbehalten
