SOS Beobachter

Eine echte Stütze für den Hof

Text:
  • Edith Lier
Bild:
  • Alexander Jaquemet
Ausgabe:
25/06

Der Vater wollte seinem Sohn eine Niere spenden - und musste sich Krebs diagnostizieren lassen. Dank der Stiftung SOS Beobachter konnte der Bauernhof der Familie Oberli im Jura trotzdem weiter bewirtschaftet werden.

Vater Samuel Oberli zögerte keinen Moment: Eine seiner beiden gesunden Nieren sollte seinem 25-jährigen Sohn Roland das Leben erleichtern und ihm wenigstens die ermüdende und aufwändige Dialyse ersparen. Das jüngste Kind der Familie war mit einer äusserst seltenen Stoffwechselkrankheit zur Welt gekommen, die die Nieren unaufhaltsam und irreparabel schädigt. In der Familie Oberli war schon zuvor ein Sohn mit zehn Jahren an der damals noch unbekannten und unheilbaren Krankheit gestorben. Diesmal wusste man um das genetische Risiko und überprüfte gleich nach der Geburt den gesundheitlichen Zustand.

Die Befürchtung wurde zur Gewissheit: Der Säugling litt an der Erbkrankheit Zystinose. Die tägliche Einnahme von Medikamenten konnte das Schlimmste zwar verhindern. Roland entwickelte sich körperlich normal. Doch die Nieren nahmen zusehends Schaden, und eine regelmässige Dialyse wurde unumgänglich.

Nach jeder Blutwäsche fühlte sich Roland Oberli geschwächt und musste erst zu Kräften kommen, bis er auf dem väterlichen Bauernhof mit den 15 Milchkühen wieder mit anpacken konnte. Das Leben auf dem abgelegenen Betrieb «Les Veaux» in den Jura-Freibergen ist hart, das Klima auf 1000 Metern rau. Die Familie ist eng mit dem Hof verbunden: Samuel Oberlis Vater hatte ihn vor 76 Jahren von der Gemeinde in Pacht übernommen, er selber kam hier zur Welt. In einem Jahr geht er in Pension. Sein Sohn kann auf dem Bauernbetrieb zusammen mit der IV durchaus ein Auskommen finden, wenn sich sein Gesundheitszustand stabilisieren lässt.

Vor der Transplantation wurde der 64-jährige Spender von Kopf bis Fuss medizinisch untersucht. Die Blutgruppen stimmten überein, und die Ärzte attestierten Oberli eine robuste Gesundheit. Einem Eingriff stand nichts im Weg.

Guten Mutes traten Vater und Sohn vor einem Jahr ins Berner Inselspital ein. Nach der reibungslosen Operation zur Nierenentnahme atmete die Familie auf. Dann zerschlug ein einziges Wort die restliche Hoffnung: Krebs. Vater Oberlis Niere, die dem Sohn zu einem unbeschwerlicheren Leben hätte verhelfen sollen, war krank - möglicherweise lebensbedrohend. «So wurde ich mit einem Schlag vom Spender zum Patienten», sagt Bauer Oberli. Und sein Sohn meint: «Mein Vater wollte mir helfen, jetzt habe ich vielleicht ihm geholfen.»

Der Retter wurde zum Geretteten

Möglicherweise hat der nierenkranke Sohn dem Vater das Leben gerettet. Selbst die modernsten Untersuchungsmethoden und -geräte hatten keinen Organschaden erkennen lassen. Die Ärzte waren sich nach der Operation einig: Wenn sich der Krebs später mit Beschwerden bemerkbar gemacht hätte, wäre es zu spät gewesen. Der Vater hatte Glück im Unglück: In seinem Körper hatten sich keine Metastasen gebildet, eine Chemotherapie war nicht angezeigt. «Irgendwie waren die Weichen so gestellt», sagt Vater Oberli heute dankbar.

Zwei Wochen nach der Operation wurde Sohn Roland erneut aufgeboten: Die Niere eines Verstorbenen stand zur Verfügung. Die Transplantation verlief ohne Komplikationen. Doch dann kams in der Blase zu einer Blutstockung: Beim notfallmässigen Eingriff mit Reanimation platzte eine Vene der Fremdniere. Das Organ musste operativ entfernt werden.

Nach diesem gesundheitlichen Schlag war die Familie mit der Frage konfrontiert, wie die Arbeit auf dem Hof und der Unterhalt der Tiere bewältigt werden könnten, bis sich Vater und Sohn erholt haben. Die Oberlis wollen nicht mit dem Schicksal hadern, sondern halten sich an den Leitsatz, jeder habe «sein Bürdeli» zu tragen. Und SOS Beobachter sorgte für einen Lichtblick: Die Stiftung übernahm die Kosten für einen temporären Betriebshelfer. «Das war für uns eine grosse Hilfe», sagen die Eltern Oberli.

Sohn Roland muss weiterhin dreimal pro Woche nach Delémont zur Dialyse fahren. Ob und wann er sich wieder auf die Liste der Organempfänger setzen lässt, ist noch offen.

 

 

Praktische Hilfe in der Not

Plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Und es wird nie mehr so sein: Ein Schicksalsschlag kann Menschen von einer Sekunde auf die andere ins Unglück stürzen. Ohne Hilfe von aussen finden sie sich nicht mehr zurecht. So traf es die Bergbauernfamilie Oberli aus den Freibergen. Dank dem von SOS Beobachter bezahlten Betriebshelfer ging das Leben auf dem Hof weiter, Vater und Sohn mussten sich da nicht auch noch Sorgen machen. Die Kraft und die Energie aber, dieses Schicksal zu meistern, die brachten sie selber auf.


Es kann jeden treffen, denn die Not hat viele Gesichter. SOS Beobachter unterstützt jährlich rund 2000 Gesuchsteller in Notlagen. Bieten auch Sie Hand mit einer Spende, damit sich Menschen auf der Schattenseite wieder an einem Lichtblick orientieren können. Sämtliche uns anvertrauten Gelder werden ungeschmälert als Hilfeleistungen weitergegeben; der Beobachter trägt alle Kosten seiner Stiftung. Und die Koordinationsstelle prüft jeden Fall sorgfältig.

Wir danken Ihnen für Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung.

 

SPENDEN

Nehmen Sie einen neutralen Einzahlungsschein und überweisen Sie Ihre Spende an: Stiftung SOS Beobachter, 8021 Zürich, Postkonto 80-70-2

Weitere Infos zur Stiftung SOS Beobachter finden Sie hier.

© Beobachter Ausgabe 25 vom 06. Dez 2006 - Alle Rechte vorbehalten

created by snowflake productions gmbh