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Dreiecksbeziehung

«Er ist verheiratet, doch ich komme nicht los von ihm»

Text:
  • Koni Rohner
Bild:
  • Thinkstock Kollektion
Ausgabe:
20/07

Frage: Seit gut zehn Jahren bin ich die Geliebte eines verheirateten Mannes. Ich sollte jemand anderen kennenlernen, um von ihm loszukommen. Doch mit jedem Tag schwindet mein Mut, diesen Schritt zu machen. Was soll ich tun?

Es ist besser, wenn Sie sich zuerst von Ihrem Geliebten lösen, bevor Sie die Nähe zu einem anderen Mann suchen. Dieser Prozess ist zwar schmerzhaft und schwierig, er ermöglicht es Ihnen aber, genauer zu spüren, was Ihnen guttut und was Sie künftig in einer Beziehung wollen. Gönnen Sie sich die Hilfe einer Psychotherapeutin, wenn Sie den Schritt allein nicht schaffen.

Sie sind übrigens bei weitem nicht die einzige «andere Frau», wie Soziologen die Geliebte neutral nennen. 20 Prozent der verheirateten Schweizer Männer geben an, schon Affären gehabt zu haben. Gleichwohl ranken sich immer noch Vorurteile und Phantasien um die «andere Frau». Man redet hinter vorgehaltener Hand über diese Beziehungen - manche sind voller Abscheu über so viel Unmoral, andere neidisch auf so viel Freiheit.

Nur: Es gibt schlicht nicht genug alleinstehende Männer für all die ledigen Frauen. Und je älter die Frau, desto schlechter stehen ihre Chancen. Geschiedene Männer verheiraten sich sehr schnell wieder, allerdings meist mit viel jüngeren Partnerinnen. Kaum eine Frau geht jedoch mit einem entsprechenden Vorsatz auf die «Jagd» nach einem gebundenen Mann.

Frauen haben es heute aus ökonomischen Gründen auch nicht mehr nötig, geheiratet zu werden, und können deshalb die Beziehung zu einem Mann, der verheiratet ist, eher akzeptieren.

Eine «andere Frau» zu sein kann durchaus Vorteile haben: Sie kann sich ihrer Karriere widmen und muss nicht Hausmütterchen spielen. Wenn sie den Geliebten trifft, so ist er guter Laune und bemüht sich, ihr zu gefallen, weil jedes Zusammensein ein besonderer Anlass ist. Für viele Geliebte besteht ein entlastendes Element auch darin, dass sie sich nicht gezwungen fühlen, immer zur Sexualität bereit zu sein. In dieser besonderen Beziehung trauen sich viele, sich sexuell zu emanzipieren und vermehrt ihre eigenen Wünsche einzubringen. Erotische Liebe und Romantik stehen nicht in Konkurrenz zu den Aufgaben Haushalt und Kindererziehung, wie dies bei verheirateten Paaren der Fall ist.

Das Gefühl, benutzt worden zu sein

Auf der andern Seite bringt es aber auch viele Probleme mit sich, eine «andere Frau» zu sein. Meistens muss die Beziehung geheim gehalten werden, und an den Wochenenden sowie in den Ferien hat die Geliebte meistens hintanzustehen. Das Klima der Unehrlichkeit macht ihr deshalb oft zu schaffen: Sie hat Schuldgefühle gegenüber der Frau ihres heimlichen Partners.

Mit den Jahren wächst vielleicht auch das Bedürfnis nach Nähe und Intimität. Die Geliebte will mit dem Mann nicht nur die guten, sondern auch die schlechten Stunden teilen. Dann tauchen Gefühle der Ohnmacht, der Wut und der Demütigung auf, Enttäuschung über sich selbst und den Partner - das Gefühl, Zeit verloren zu haben und benutzt worden zu sein. So brechen diese Beziehungen häufig früher oder später auseinander. Aber nicht selten ist der nächste Partner dann wieder verheiratet.

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© Beobachter Ausgabe 20 vom 26. Sep 2007 - Alle Rechte vorbehalten

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