Beratung

Wenn der Kopf raucht

Text:
  • Walter Noser
Ausgabe:
18/08

Viele Eltern schämen sich, wenn sie Probleme bei der Erziehung nicht selbst lösen können. Dabei ist das Land voller Fachleute, die mit ihrer Erfahrung und ihrem Wissen gern helfen - oft sogar gratis.

Manchmal komme ich mir strohbohnenblöd vor. Zum Beispiel vor ein paar Wochen, als ich mir ein neues Handy kaufte. Da habe ich mir die Zeit zurückgewünscht, als noch schlichte Telefonapparate mit Wählscheibe ihren Dienst taten. Diese waren nämlich kinderleicht zu bedienen. Aber diese blöden Mobiltelefone! Zuerst muss man sich durch seitenlange Bedienungsanleitungen kämpfen, um überhaupt telefonieren zu können. Und dann muss man auch noch herausfinden, wie die Geräte als Fotoalbum, Wecker, Agenda, Stereoanlage und Computer funktionieren. Als ob die normalen Computer nicht schon kompliziert genug wären!

Bevor ich mit dem Betriebssystem meines neuen Computers zurechtkam, brütete ich stundenlang vor Handbüchern und hätte die Kiste letztlich am liebsten zum Fenster rausgeworfen. Doch weil probieren angeblich über studieren geht, habe ich so lange rumgebastelt, bis gar nichts mehr ging. Dann rief ich die Hotline an und kam mir mit meinen Fragen ziemlich dumm vor. «Es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten», sagte mir da der Berater.

 

Nicht zu lange warten

Diesen Satz sage ich seither zu allen verzweifelten Eltern, die das Beratungszentrum des Beobachters anrufen und sich dumm vorkommen, weil sie mit ihren Kindern am Ende ihres Lateins sind - sei es, weil die Sprösslinge nicht gehorchen, trötzeln, zu schüchtern oder zu aggressiv sind, ihre Freizeit verkiffen und versaufen oder weil der sogenannt gesunde Menschenverstand zu keinen Lösungen führt. Oftmals rufen die Eltern aber leider erst dann an, wenn sie so weit sind wie ich mit meinem neuen Computer: nämlich dort, wo gar nichts mehr geht.

 

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Als ob wir nicht in einer Dienstleistungsgesellschaft leben würden, in der es Leute gibt, die dazu da sind, anderen eine Zweitmeinung zu liefern und bei Problemen Auswege aufzuzeigen. Doch was tun wir? Wir grübeln und grübeln, weil wir uns schämen, wenn wir keine Antworten auf unsere Fragen finden und nicht Herr der Lage sind. Dabei zeugt es doch von Weitsichtigkeit und Kompetenz, wenn man erkennt, dass man zur Bewältigung eines Problems Unterstützung benötigt. Allerdings sollte aus dieser Erkenntnis heraus dann der erste Schritt erfolgen - beispielsweise der Griff zum Hörer.

Die Angebote der Gemeinden

Anders als bei teuren Hotlines der Telekommunikationsanbieter und Softwarefirmen wird Erziehungsberatung von vielen Gemeinden gratis angeboten. Ein Blick ins Telefonbuch oder ein Klick auf die Homepage der Gemeinde führt zur richtigen Stelle. Sofern Informationen zur Entwicklung von Kindern und Jugendlichen nicht zur Lösung des Problems führen, wird man zu einem Gespräch eingeladen, bei dem der Berater oder die Beraterin zunächst die Frage erörtert, was Ihre Probleme sind, welche Ziele Sie erreichen wollen und welche Unterstützung Sie dabei benötigen.

Denkbar ist, dass es im Rahmen einer ausführlichen Diagnostik zu einer psychologischen Untersuchung des Kindes kommt. Oft ist auch eine Beratung beider Eltern oder der ganzen Familie angebracht. Die Beratungen können im Büro des Beraters oder als sozialpädagogische Familienbegleitung daheim erfolgen. Und so findet man auf kluge Fragen kluge Antworten.

© Beobachter Ausgabe 18 vom 03. Sep 2008 - Alle Rechte vorbehalten

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