Bettzeit

Einschlafen ohne Tränen

Text:
  • Gabriele Herfort
Bild:
  • Daniel Müller
Ausgabe:
13/09

Die Methode, Kinder zwei Wochen lang abends schreien zu lassen, bis sie problemlos allein einschlafen, erscheint vielen Eltern als zu hart. Hier sanftere Alternativen.

«Wie können Sie nur?»: So oder ähnlich beginnen viele Leserbriefe zum Erziehungsartikel mit dem Thema Einschlafen im vorletzten Heft. Zugegeben: Die vorgestellte Ferber-Methode – besser bekannt nach dem Bestseller «Jedes Kind kann schlafen lernen» – ist eine heute in Fachkreisen umstrittene Form des Schlaftrainings. Unbestritten ist aber auch, dass viele Eltern nach wie vor darauf schwören, weil sie Erfolg damit hatten – und zwar ohne dass ihr Kind «seelische Schäden» davongetragen hätte.

Gleichwohl gibt es auch sanftere Methoden, wie Sie Ihr Kind zum Schlafen bringen können, und zwar ohne Tränenmeer – und die wollen wir keinesfalls vorenthalten. Ohnehin gilt: Die Methode schlechthin gibt es nicht. Einschlafprobleme können diverse Ursachen haben und sind meist sehr individuell – entsprechend schwierig ist es für Eltern, das passende Ritual zu finden. Manchmal kann es aber bereits genügen, Kindern ab dem ersten Altersjahr die Möglichkeit zu bieten, im Bett noch leise zu spielen oder ein Büchlein anzusehen.

Bei sehr kleinen Kindern ist eine Möglichkeit das sogenannte Co-Sleeping im Bett der Eltern. Dabei erleichtert die Geborgenheit bei den Eltern das Einschlafen. Viele Eltern wollen ihr Kind jedoch nicht im Bett haben aus Angst, es lerne so nie, allein zu schlafen. Doch diese Befürchtung ist unbegründet. «In unserer Gesellschaft ist das Bestreben, Kinder möglichst schnell selbständig werden zu lassen, enorm gross», sagt die Stillberaterin und Buchautorin Sibylle Lüpold. «Eine zu früh geforderte Selbständigkeit kann jedoch das Gegenteil erzielen und eine Loslösung erschweren.»

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Eltern und Geschwister geben Geborgenheit

Schlafen untersteht einem individuellen biologischen und emotionalen Reifeprozess. Und so meint der Kinderarzt Remo Largo dazu: «Es gibt keinen stichhaltigen Grund, weshalb ein Kind allein schlafen soll, aber gute Gründe dagegen. Dies sollten Eltern bedenken, wenn ihr Kind im Elternschlafzimmer erscheint.»

Kritische Stimmen behaupten zudem, Co-Sleeping fördere den plötzlichen Kindstod oder Kinder gewöhnten sich dadurch zu sehr an die Nähe der Erwachsenen. Die Studien des US-Arztes James McKenna zeigen jedoch, dass diese Vorwürfe mehrheitlich haltlos sind. Unterschiedliche Formen des Co-Sleepings, die verunsicherte Eltern je nach ihrem Bedürfnis und ihren Möglichkeiten ausprobieren können:

  • Ein grosses Bett ermöglicht gemeinsames Schlafen. Körperkontakt entspannt und beruhigt viele Kinder. Auch ein Nuggi, ein Kuscheltier oder -tuch kann helfen.

  • Das Bett des Kindes steht im Schlafzimmer der Eltern. Auch hier gibt die Nähe zu den Eltern Sicherheit und Geborgenheit.

  • Geschwister schlafen im gemeinsamen Zimmer und geben sich gegenseitig Halt.

  • Im Kinderzimmer liegt eine zusätzliche Matratze oder steht ein zusätzliches Bett. Vater oder Mutter legen sich nach dem allabendlichen Ritual mit Singen oder Vorlesen hin und zeigen dem Kind damit: «Es ist Schlafenszeit.» Ist der Sprössling eingeschlafen, verlassen sie leise das Zimmer. Oder kündigen an: «Ich gehe jetzt, muss was erledigen, komme aber gleich wieder und schau nach dir.» Und tun das auch.


Vielleicht machen Eltern dann ähnliche Erfahrungen wie eine Freundin von mir, die neulich berichtete: «Ich traute meinen Ohren nicht, als mir meine knapp dreijährige Tochter eines Abends verkündete: ‹Mia will allein schlafen.›»

Buchtipp

Sibylle Lüpold: «Ich will bei euch schlafen! Ruhige Nächte für Eltern und Kinder»; Urania im Kreuz-Verlag, 2009, 144 Seiten, CHF 27.50

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