Jugendliche treten heute selbstbewusster auf als früher. Das ist den Eltern zu verdanken – sie haben sich ihren Kindern angenähert und pflegen einen Erziehungsstil, der besser ist als sein Ruf.
Heutige Jugendliche haben nicht mehr das Bedürfnis, sich dauernd gegenüber ihren Eltern abzugrenzen und sich gegen die verstaubte und verknorzte Welt der Erwachsenen aufzulehnen. Das haben ihre Grosseltern bereits 1968 angefangen, und die Generation ihrer Eltern hat es während der Jugendunruhen zu Beginn der achtziger Jahre erfolgreich fortgesetzt. Das Resultat ist, dass heutige Eltern jugendlicher geworden sind und die Grenzen zwischen den Generationen nicht mehr so scharf gezeichnet sind. Das zeigt sich schon darin, dass sich Jugendliche und Erwachsene problemlos duzen – vor 20, 30 Jahren war das noch die Ausnahme.
Damals kleideten sich Väter und Mütter auch noch ganz anders als ihre Kinder. Heute tragen die jungen Burschen ihre Jeans bloss etwas weiter unten als ihre Väter, und die jungen Girls zeigen etwas mehr Haut als ihre Mütter – ansonsten unterscheiden sie sich im Kleidungsstil nur geringfügig. Eltern und Kinder mögen sogar die gleiche Musik: Irgendwo zwischen Lady Gaga, Krokus und Santana treffen sich die Geschmäcker.
Es liegt aber wohl kaum nur am gleichen Musikgeschmack, dass über 90 Prozent der Jugendlichen ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern haben, wie das die aktuelle Shell-Jugendstudie in Deutschland belegt. Irgendwas scheinen sie richtig zu machen, die heutigen Eltern. Wie wäre es sonst zu erklären, dass die meisten Jugendlichen die Erziehungsmethoden von Mama und Papa gutheissen und fast drei Viertel ihre eigenen Kinder so erziehen würden, wie sie selber erzogen wurden? Nur böse Zungen und Nörgler behaupten, das liege daran, dass heutige Eltern in der Erziehung zu lasch seien. Denn: Die meisten Jugendlichen finden, dass die Eltern bei all den grossen Anforderungen in Schule, Ausbildung und den ersten Berufsjahren Rückhalt und emotionale Unterstützung bieten. Das lässt vermuten, dass moderne Eltern besser sind als ihr Ruf.
Eltern von heute bieten nicht nur Rückhalt, sie haben auch eine Generation von zumeist selbstbewussten und selbstsicheren Jugendlichen erzogen, die trotz allgegenwärtiger Wirtschafts- und Finanzkrise sowie Umweltzerstörung den Kopf nicht in den Sand stecken. Da dürfen Eltern sich gern wieder einmal vor Augen führen, was sie leisten:
- Sie wissen, dass nicht bloss Kritik, sondern Lob und anerkennende Worte das Selbstwertgefühl stärken.
- Sie sind ein Vorbild: Das Selbstwertgefühl der Kinder ist umso stärker, je positiver ihr eigenes Selbstwertgefühl und ihr Selbstvertrauen sind.
- Sie loben ihr Kind nicht nur dann, wenn ihm etwas gelungen ist, sondern auch dann, wenn es bloss den Versuch unternommen hat.
- Sie scheuen sich weder als Vater noch als Mutter, dem Kind zu zeigen, dass sie es gernhaben.
- Wenn sie Kritik üben, dann bloss am Verhalten – niemals an der Person.
- Ihr Kind muss nicht blind gehorchen. Es darf zu seiner Meinung und zu seinen Gefühlen stehen.
Die Kinder, die ein solch gutes Verhältnis zu ihren Eltern haben, werden deren Grosskinder auch so erziehen.
Erziehung
Der Groove stimmt
Jugendliche treten heute selbstbewusster auf als früher. Das ist den Eltern zu verdanken – sie haben sich ihren Kindern angenähert und pflegen einen Erziehungsstil, der besser ist als sein Ruf.
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Heutige Jugendliche haben nicht mehr das Bedürfnis, sich dauernd gegenüber ihren Eltern abzugrenzen und sich gegen die verstaubte und verknorzte Welt der Erwachsenen aufzulehnen. Das haben ihre Grosseltern bereits 1968 angefangen, und die Generation ihrer Eltern hat es während der Jugendunruhen zu Beginn der achtziger Jahre erfolgreich fortgesetzt. Das Resultat ist, dass heutige Eltern jugendlicher geworden sind und die Grenzen zwischen den Generationen nicht mehr so scharf gezeichnet sind. Das zeigt sich schon darin, dass sich Jugendliche und Erwachsene problemlos duzen – vor 20, 30 Jahren war das noch die Ausnahme.
Damals kleideten sich Väter und Mütter auch noch ganz anders als ihre Kinder. Heute tragen die jungen Burschen ihre Jeans bloss etwas weiter unten als ihre Väter, und die jungen Girls zeigen etwas mehr Haut als ihre Mütter – ansonsten unterscheiden sie sich im Kleidungsstil nur geringfügig. Eltern und Kinder mögen sogar die gleiche Musik: Irgendwo zwischen Lady Gaga, Krokus und Santana treffen sich die Geschmäcker.
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Die heutige Erziehung ist nicht zu lasch
Es liegt aber wohl kaum nur am gleichen Musikgeschmack, dass über 90 Prozent der Jugendlichen ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern haben, wie das die aktuelle Shell-Jugendstudie in Deutschland belegt. Irgendwas scheinen sie richtig zu machen, die heutigen Eltern. Wie wäre es sonst zu erklären, dass die meisten Jugendlichen die Erziehungsmethoden von Mama und Papa gutheissen und fast drei Viertel ihre eigenen Kinder so erziehen würden, wie sie selber erzogen wurden? Nur böse Zungen und Nörgler behaupten, das liege daran, dass heutige Eltern in der Erziehung zu lasch seien. Denn: Die meisten Jugendlichen finden, dass die Eltern bei all den grossen Anforderungen in Schule, Ausbildung und den ersten Berufsjahren Rückhalt und emotionale Unterstützung bieten. Das lässt vermuten, dass moderne Eltern besser sind als ihr Ruf.
Eltern von heute bieten nicht nur Rückhalt, sie haben auch eine Generation von zumeist selbstbewussten und selbstsicheren Jugendlichen erzogen, die trotz allgegenwärtiger Wirtschafts- und Finanzkrise sowie Umweltzerstörung den Kopf nicht in den Sand stecken. Da dürfen Eltern sich gern wieder einmal vor Augen führen, was sie leisten:
Die Kinder, die ein solch gutes Verhältnis zu ihren Eltern haben, werden deren Grosskinder auch so erziehen.
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© Beobachter Ausgabe 23 vom 10. Nov 2010 - Alle Rechte vorbehalten