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Erziehung

Es darf gelacht werden

Text:
  • Gabriele Herfort
Bild:
  • Daniel Müller
Ausgabe:
19/09

Vieles fällt leichter, wenn Eltern versuchen, alltägliche Erziehungsfragen mit einer gesunden Portion Humor und Gelassenheit zu bewältigen.

Halten wir uns zwei Szenen vor Augen, wie sie sich so oder ähnlich in vielen Familien abspielen: Bei Meiers sträubt sich die vierjährige Lisa einmal mehr, ihre Kleider anzuziehen. Ihre Mutter findet das Verhalten der Tochter überhaupt nicht lustig. Der morgendliche Kampf führt meist auf beiden Seiten zu Geschrei.

Szenenwechsel: Bei Müllers kommt Moritz von der Schule und wirft seinen Thek wie immer in die Flurecke. Erst wenn Vater oder Mutter den Neunjährigen entsprechend laut auffordern, ihn wegzuräumen, lenkt er ein. Statt zu schimpfen und zu drohen, könnten die Eltern Meier und Müller es einmal mit witzigen Einfällen oder einem Lächeln versuchen.

Mit Humor nehmen wir vieles aus einer ganz anderen Perspektive wahr und finden zu einer Haltung, die den Ernst des Lebens relativiert. Humor wirkt befreiend und hilft uns, über uns selber zu lachen. Mit Erfolg: Der Perfektionismus lässt nach, und der Drang, alles richtig machen zu müssen, verliert sich. Lachforscher (ja, die gibts!) haben nachgewiesen, dass Kinder täglich bis zu 400-mal lachen. Mit den Jahren vergeht es uns aber offenbar. Erwachsene bringen es durchschnittlich nur noch auf 15-mal. So verwundert es nicht, dass wir dazu neigen, mit ernsten Mienen durchs Leben zu gehen. Auf diese Weise machen wir vieles schwerer, als es ohnehin schon ist.

Kinder wollen aber keinesfalls, dass die Erwachsenen plötzlich alles auf die leichte Schulter nehmen. Sie fühlen sich dann in ihren Problemen schnell einmal unverstanden. Eltern können ihren Kindern jedoch klarmachen, dass es bei Schwierigkeiten unterschiedliche Lösungsansätze gibt. Mal hilft Strenge, mal eine gewisse Lockerheit. Sich mit humorvoller Gelassenheit dem Ernst des Lebens zu stellen wäre die ideale Mischung. In der Erziehung klare Grenzen setzen schliesst nicht aus, dass man es auch mit Witz und Heiterkeit versucht.

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Kinder lieben Überraschungen

Zurück zu unseren Beispielen: Mutter Meier könnte das nächste Mal anders reagieren, als es die Tochter von ihr erwartet. Sie könnte zum Beispiel verschiedene Kleidungsstücke zweckentfremden: die Hose auf den Kopf setzen, den Pulli über die Füsse streifen und lachen: «Hoppla, jetzt habe ich einen neuen Hut und dazu erst noch Hosen.» Vermutlich würde Lisa kichern, die Mutter zurechtweisen und ihr demonstrieren, wie man Hose und Pulli richtig anzieht – und schon wäre sie angezogen. Und Moritz? Seine Eltern könnten ihn mit einem Gedicht oder einem Lied über den ordentlichen Umgang mit seiner Schultasche überraschen. Er würde wohl grinsen und mit Aufräumen beginnen.

Selbstverständlich gibt es auch andere Motivationsmöglichkeiten: aus Bilderbüchern zitieren, die eigene Stimme verstellen, die Situation verharmlosen oder schamlos übertreiben. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Humor sorgt in der Erziehung für Zuversicht und eine positive Lebenseinstellung. Mit einem Augenzwinkern lassen die Eltern das Kind spüren: Ich nehme dich an, wie du bist, auch mit deinen Unzulänglichkeiten. Und das macht Kinder stark und selbstbewusst. Kinder freuen sich über Witz und Humor. Wenn immer möglich: Lachen Sie zusammen!

Weitere Infos

Buchtipp
Alfred Kirchmayr: «Rettet die Purzelbäume. Kinderwitz und Lebenskunst»; Edition Va Bene, August 2009, 252 Seiten, Fr. 39.90

Internet
www.humorcare.com
www.humor.ch

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