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Freizeit

Mittwoch, 16 Uhr: Süsses Nichtstun

Text:
  • Gabriele Herfort
Ausgabe:
13/08

Leistungsdruck in der Schule, Stress in der Freizeit: Immer mehr Kinder sind durch einen zu straffen Terminplan überfordert. Es ist hilfreich, wenn Eltern die Aktivitäten koordinieren.

Montags Kinderchor, dienstags Reiten, mittwochs Saxophonunterricht, donnerstags Handballtraining, freitags Tanzen und am Wochenende Handballspiel, Konzert oder Chatten mit den Freundinnen. Mir wurde ganz schwindlig, als mir die zwölfjährige Hanna ihre Hobbys aufzählte. «Ja, und wie steht es mit der Schule und den Hausaufgaben?», fragte ich. «Das ist ja gerade der Stress», ereiferte sie sich. «Hätte ich nicht so viel Schule und so viele Hausaufgaben, könnte ich in der Freizeit noch viel mehr unternehmen.»

 

Tatsächlich zeigt eine Studie der Universität Basel, dass sich die Mehrzahl der 11- bis 13-Jährigen wie Hanna nicht etwa durch ein volles Freizeitprogramm überfordert fühlt, sondern durch den strengen Stundenplan der Schule, der ihnen wenig Gestaltungsspielraum lässt. Umso wichtiger jedoch ist, dass die Freizeitplanung nicht auch noch Zwängen unterliegt - sonst kann die Freizeitlust schnell in Freizeitfrust kippen. Etwa wenn ein Kind getrieben vom eigenen Ehrgeiz oder jenem der Eltern glaubt, noch ein Musikinstrument erlernen zu müssen, darüber hinaus alles gibt, um im Turnverein zu glänzen, und zwischendurch versucht, die Schule mit Bravour zu meistern.


Langeweile ist wichtig

So unter Druck gesetzt, wird ein Kind schnell lustlos oder reagiert gar mit körperlichen Symptomen wie Bauchweh, Kopfschmerzen oder anderen psychosomatischen Beschwerden. Hier sind Eltern gefordert, auf die nötige Balance zwischen Fördern und Fordern einerseits sowie süssem Nichtstun anderseits zu achten. Auch spontane Aktivitäten müssen Platz haben. Der deutsche Erziehungswissenschaftler Peter Struck dazu: «Eltern, die ihrem Kind jede Minute verplanen, meinen es in der Regel gut, aber sie machen das Kind abhängig von sich und den Programmen.» Deshalb ist es sinnvoll, nach einem gesunden Mittelweg zwischen planmässiger und improvisierter Freizeit zu suchen:

 

  • Achten Sie darauf, was Ihr Kind an Aktivitäten braucht. Manche träumen am liebsten stundenlang allein in ihrem Zimmer vor sich hin, andere verlangen einen Kick nach dem anderen.

  • Entschlacken Sie den Terminkalender Ihres Kindes. Erstellen Sie eine Liste und überlegen Sie gemeinsam, welche Daten und Themen Priorität haben.

  • Mindestens zwei Nachmittage pro Woche sollten nach der Schule terminfrei sein. Kinder brauchen spontane Treffen mit Freunden. Freizeit sollte auch als freie Zeit genutzt werden können.

  • Auch wenn es Erwachsenen nutzlos scheint: Kinder wollen ohne Zwang und Ziel spielen können. Klagen über Langeweile müssen Sie aushalten, denn Langeweile ist eine wichtige Quelle für Kreativität und Eigeninitiative.

  • Achten Sie auf genügend Bewegung. Toben, Rennen, Springen helfen Stress abzubauen oder erst gar nicht aufkommen zu lassen.

  • Will Ihr Kind noch ein weiteres Hobby in Angriff nehmen, sagen Sie allenfalls klar, dass das jetzt zu viel wird. Es sei denn, etwas anderes werde dafür gestrichen.

  • Darüber hinaus helfen Entspannungstechniken wie Yoga auch Kindern dabei, Ruhe zu finden. Zudem empfiehlt sich ein eingeschränkter, vernünftiger Medienkonsum.

 

Übrigens: Hanna hat sich vor kurzem entschlossen, Handball und Kinderchor aus ihrem Freizeitprogramm zu streichen: «Ich hatte einfach keine Zeit mehr, mit Freundinnen rumzuhängen, und das ist eben doch cool und macht mega Spass.»

 

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© Beobachter Ausgabe 13 vom 25. Jun 2008 - Alle Rechte vorbehalten

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