Geschwister
Wenn zwei sich streiten...
Ständige Streitereien unter Geschwistern können ganz schön nerven. Eltern tun sich und ihren Kindern aber keinen Gefallen, wenn sie sich einmischen. Denn Kinder müssen lernen, sich im Streit zu erleben.
Zwei Kinder, ein Spielzimmer - und plötzlich lautes Geschrei. Unter Tränen kommt Nicole zu ihrer Mutter gelaufen. «Louis hat mich geschlagen.» Schon wieder. Ob beim Spielen, beim gemeinsamen Einkaufen oder beim Mithelfen im Haushalt: Ständig liegen sich die beiden in der Wolle. Welche Strategie ist richtig, um Geschwisterzwist zu lösen?
Sicher falsch ist, wenn Eltern dauernd in die Schlichterrolle schlüpfen, denn Kinder müssen lernen, Konflikte auszutragen und sich im Streit zu erleben.
Sicher richtig ist, wenn Mütter und Väter zusehen, dass sie sich nicht persönlich involvieren. Natürlich gibt es Ausnahmen: Wenn Provokationen darauf angelegt sind, dass Eltern reagieren, oder wenn ernsthafte Verletzungen drohen, ist ein Machtwort sinnvoll. Ansonsten sollten die Erwachsenen alles daransetzen, dass ihre Kinder Streitereien gemeinsam ausdiskutieren - etwa indem sie ihnen eine Redeplattform bieten mit Fragen wie «Wie fühlst du dich?» oder «Wie geht es wohl deinem Bruder, deiner Schwester dabei?».
So lassen sich Eskalationen vermeiden
Eskaliert ein Streit, hilft Strafen oder Drohen wenig. Denn meist merken die Kinder selbst, wenn sie Grenzen überschreiten. Manchmal erschrecken sie gar ob der eigenen Aggressionen. Das allerdings kann auch Erwachsenen passieren - und sie dürfen es ruhig zugeben. Geständnisse wie «Manchmal geht die Wut mit dir durch, auch wenn du es nicht willst - das geht mir genauso» helfen, emotionale Erfahrungen einzuordnen.
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Die Vorbildfunktion der Eltern besteht in diesem Fall darin, eigene Unzulänglichkeiten offenzulegen. Nichtsdestotrotz: So sehr Streit zu den Erfahrungen des Lebens gehört, so sehr kann er auch Nerven kosten. Die allerbeste Strategie ist darum, eine friedliche Atmosphäre zu schaffen. So lassen sich Eskalationen vermeiden:
- Fördern und erlauben Sie den Rückzug ins eigene Zimmer oder ins Freie. Auch Kinder möchten mal in Ruhe gelassen werden.
- Fördern Sie eigene Aktivitäten. Trennen Sie die Streithähne. Geben Sie jedem die Möglichkeit, allein mit Vater oder Mutter oder mit Freunden zusammen zu sein.
- Beachten Sie kritische Zeiten im Tagesablauf. Müdigkeit, Hunger und Enttäuschung bieten oft den Nährboden für Streit und Aggression.
- Seien Sie immer sich selber. Sagen Sie klar, wenn Sie nicht in der Verfassung sind, heute einen Streit auszuhalten. Kinder verstehen klare Ich-Botschaften.
- Wirken Sie Langeweile entgegen, denn sie ist manchmal Grund für Streitigkeiten. Geben Sie den Kindern Aufgaben.
- Legen Sie verbindliche schriftliche Streitregeln fest. Klare Abmachungen, formuliert in Ich-Form wie «Ich trete nicht, ich schlage nicht, ich schreie nicht», werden am besten von allen unterschrieben.
- Machen Sie ein gemeinsames «Zauberwort» aus, zum Beispiel «Halt» oder «Stopp». Reagieren die Kinder nicht darauf, vereinbaren Sie eine kurze Auszeit (höchstens fünf Minuten) in einem separaten Raum. So können die Kinder zur Ruhe kommen. Die gegenseitige Entschuldigung nach einem Streit ist selbstverständlich
Buchtipp
Christine Kaniak-Urban, Andrea Lex-Kachel: «Wenn Geschwister streiten. Lösungswege, die funktionieren»; Kösel-Verlag, 2005, 176 Seiten, CHF 27.30
© Beobachter Ausgabe 11 vom 23. Mai 2007 - Alle Rechte vorbehalten







Nein sagen
Wie man sein Nein so formuliert, dass Kinder es verstehen und gehorchen.