Hygiene
Es liegt was in der Luft
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- 4/10
Zu viel Sauberkeit schadet der Gesundheit – zu wenig aber auch. Wie sollen Eltern reagieren, wenn das Verhalten ihres Kindes in die eine oder andere Richtung ausschlägt?
Wer hat mein Deo geklaut?», brüllt Lukas durch den Flur. «Immer nimmt Hanna mein Gel. Es ist schon wieder leer», meckert Josef aus der Dusche. Jeden Morgen das gleiche Theater. Das Gedränge im Bad und der Streit um Deo, Gel oder Parfüm nerven. Nicht nur die Jugendlichen, sondern auch deren Eltern. Mindestens dreimal täglich wird geduscht, gesalbt und Deo versprüht, bis der Blick fürs Wesentliche vernebelt ist.
Die junge Generation von heute nimmt es sehr ernst mit Hygiene und äusserer Schönheit. Wer muffelt, wird schnell zum Aussenseiter, und wer nicht gestylt daherkommt, gilt als Sonderling. Das war unter uns Jugendlichen in den sechziger Jahren ganz anders. Duschen stand einmal die Woche auf dem Programm, in die Badewanne stieg man mit Jeans, und wer zur Schminke griff, galt als Angeberin. Täglich die gleichen Klamotten war ein Muss, Hygiene ein Schimpfwort.
Vielleicht folgen die heutigen Jugendlichen den Vorstellungen früherer Jahrhunderte. Regelmässiges Waschen war damals ein Privileg der Oberschicht. Schmutz, Dreck und Gestank Synonyme für Armut. Wer peinliche Reinlichkeit an den Tag legt, hat auch saubere Gedanken und einen makellosen Charakter – so die gängigen Moralvorstellungen. Eine Erklärung für den teils übertriebenen Sauberkeitswahn von heute?
Aber auch das andere Extrem ist für Erziehende eine Herausforderung. Der allabendliche Kampf ums Zähneputzen und Waschen ist vor allem bei jüngeren Kindern sehr aufreibend. Da scheint es oft, als wäre die Sauberkeitserziehung für die Katz. Hygieia, die griechische Göttin der Gesundheit, sähe das nicht gern.
Wie können Eltern ihren Kindern ein angemessenes Verhältnis zu Sauberkeit und Hygiene vermitteln?
Erste Schritte bei Duschorgien sind:
- klare Regeln definieren, den Heranwachsenden Eigenständigkeit zugestehen und das eigene Verhalten überdenken;
- für Umweltaspekte und die Kostenfrage sind Jugendliche durchaus zugänglich – spätestens wenn sie ihre Duftwässerchen vom Taschengeld bezahlen müssen;
- Jugendliche an den Warmwasserkosten zu beteiligen ist eine Überlegung wert.
Und wenn sich Kinder nicht waschen wollen? Mit Zwang erreicht man gar nichts:Akzeptieren Sie mit einem Augenzwinkern eine vorübergehende Aversion gegen Wasser; ändern Sie auch einmal bewusst Regeln ab oder setzen Sie sie kurzfristig ausser Kraft. Auch unerwartete paradoxe Reaktionen wie «Super, wenn du dich nicht wäschst, sparen wir Wasser» oder «Da wird sich der Zahnarzt aber freuen, wenn er so viel an dir verdienen kann» können das Verhalten der Kinder ändern.
Humor und Gelassenheit helfen. Vieles wächst sich aus, wissen erfahrene Grosseltern: Vertrauen Sie also auf die gesunde Entwicklung Ihrer Kinder.
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© Beobachter Ausgabe 4 vom 17. Feb 2010 - Alle Rechte vorbehalten
Hygiene
Es liegt was in der Luft
Zu viel Sauberkeit schadet der Gesundheit – zu wenig aber auch. Wie sollen Eltern reagieren, wenn das Verhalten ihres Kindes in die eine oder andere Richtung ausschlägt?
Wer hat mein Deo geklaut?», brüllt Lukas durch den Flur. «Immer nimmt Hanna mein Gel. Es ist schon wieder leer», meckert Josef aus der Dusche. Jeden Morgen das gleiche Theater. Das Gedränge im Bad und der Streit um Deo, Gel oder Parfüm nerven. Nicht nur die Jugendlichen, sondern auch deren Eltern. Mindestens dreimal täglich wird geduscht, gesalbt und Deo versprüht, bis der Blick fürs Wesentliche vernebelt ist.
Die junge Generation von heute nimmt es sehr ernst mit Hygiene und äusserer Schönheit. Wer muffelt, wird schnell zum Aussenseiter, und wer nicht gestylt daherkommt, gilt als Sonderling. Das war unter uns Jugendlichen in den sechziger Jahren ganz anders. Duschen stand einmal die Woche auf dem Programm, in die Badewanne stieg man mit Jeans, und wer zur Schminke griff, galt als Angeberin. Täglich die gleichen Klamotten war ein Muss, Hygiene ein Schimpfwort.
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Vielleicht folgen die heutigen Jugendlichen den Vorstellungen früherer Jahrhunderte. Regelmässiges Waschen war damals ein Privileg der Oberschicht. Schmutz, Dreck und Gestank Synonyme für Armut. Wer peinliche Reinlichkeit an den Tag legt, hat auch saubere Gedanken und einen makellosen Charakter – so die gängigen Moralvorstellungen. Eine Erklärung für den teils übertriebenen Sauberkeitswahn von heute?
Aber auch das andere Extrem ist für Erziehende eine Herausforderung. Der allabendliche Kampf ums Zähneputzen und Waschen ist vor allem bei jüngeren Kindern sehr aufreibend. Da scheint es oft, als wäre die Sauberkeitserziehung für die Katz. Hygieia, die griechische Göttin der Gesundheit, sähe das nicht gern.
Wie können Eltern ihren Kindern ein angemessenes Verhältnis zu Sauberkeit und Hygiene vermitteln?
Erste Schritte bei Duschorgien sind:
Und wenn sich Kinder nicht waschen wollen? Mit Zwang erreicht man gar nichts:Akzeptieren Sie mit einem Augenzwinkern eine vorübergehende Aversion gegen Wasser; ändern Sie auch einmal bewusst Regeln ab oder setzen Sie sie kurzfristig ausser Kraft. Auch unerwartete paradoxe Reaktionen wie «Super, wenn du dich nicht wäschst, sparen wir Wasser» oder «Da wird sich der Zahnarzt aber freuen, wenn er so viel an dir verdienen kann» können das Verhalten der Kinder ändern.
Humor und Gelassenheit helfen. Vieles wächst sich aus, wissen erfahrene Grosseltern: Vertrauen Sie also auf die gesunde Entwicklung Ihrer Kinder.
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