Sexualität
Wie sag ichs meinem Kinde?
Wenn es darum geht, mit Kindern über Sexualität zu sprechen, bewegen sich viele Erwachsene zwischen Verklemmtheit und Unwissen. Eine neue Broschüre soll das ändern.
Der vierjährige Leo möchte mit seiner gleichaltrigen Freundin Doktorspiele spielen, aber die Eltern verbieten es. Beim Waschen auf dem Wickeltisch benennt die Mutter von Paul all seine Körperteile, nur die Geschlechtsorgane überspringt sie verschämt. Wenn der fünfjährige Samuel nackt durch die Wohnung flitzt und mit seinem Penis spielt, finden die Eltern das unanständig.
Beim Umgang mit kindlicher Sexualität steht Erwachsenen oft einiges im Weg: Unwissen, Unsicherheiten, Scham, Sprachlosigkeit, unangenehme Erfahrungen mit der eigenen Aufklärungsgeschichte. Wie sieht eine altersgerechte Sexualerziehung aus? Was darf man sagen? Wie fängt man an? Und wann? Antworten auf solche Fragen gibt die neue Broschüre «Sexualerziehung bei Kleinkindern und Prävention von sexueller Gewalt», gemeinsam herausgegeben von der Stiftung Kinderschutz Schweiz und der Mütter- und Väterberatung. Sie ist kostenlos, richtet sich an Eltern von Kindern zwischen null und sechs – und ist das Gegenteil von einem starren Regelwerk. Sehr differenziert und offen, mit vielen alltagsnahen Beispielen informiert das 106-seitige Büchlein über die psychosexuelle Entwicklung des Kindes. «Ist im Alltag von Sexualität die Rede, geht man automatisch von Erwachsenen aus, die miteinander Sex haben», erklärt Bruno Wermuth, Sozialpädagoge und Co-Autor der Broschüre. «Aber Sexualität ist doch weit mehr als Kopulieren.» Es gehe um Sinnlichkeit in allen Variationen. «Und so gesehen beginnt Sexualität auch nicht erst mit der Pubertät.»
Die Autoren lassen kein Thema aus: von der Selbstbefriedigung bei Zweijährigen über die sexuelle Erregung, die eine Mutter beim Stillen empfinden kann, bis zur Panik der Eltern, wenn das Kind sie in flagranti erwischt.
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Offenheit kann Kinder schützen
Nicht zuletzt hat die Broschüre auch das Ziel, Kinder vor sexueller Gewalt zu schützen. Im letzten Kapitel geht es deshalb auch um den Zusammenhang zwischen Sexualerziehung und Kindesschutz. Dabei ist Offenheit ein zentraler Faktor: «Je offener der Umgang mit dem Thema Sexualität, umso selbstbewusster bestimmen Kinder über ihren Körper», sagt Andrea Hauri von der Stiftung Kinderschutz Schweiz.
Weitere Infos
Die Broschüre «Sexualerziehung bei Kleinkindern und Prävention von sexueller Gewalt» erhalten Eltern kostenlos von den Mütter- und Väterberatungsstellen in ihrer Region oder bei der Stiftung Kinderschutz Schweiz.
Radio-Sendung zum Thema
Radio DRS1, Sendung «Doppelpunkt» vom 10. November 2009:
«Sexualerziehung: Zwischen Porno und Bienchen».
Es diskutieren: Andrea Hauri, Stiftung Kinderschutz Schweiz; Bruno Wermuth, Sexualpädagoge und Sexualberater, Mitautor Broschüre «Sexualerziehung bei Kleinkindern und Prävention von sexueller Gewalt»; Karoline Bischof, Gynäkologin und Sexologin sowie Cyril Lüdin, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Moderation: Bernhard Siegmann; Redaktion: Christine Schulthess.
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© Beobachter Ausgabe 23 vom 12. Nov 2009 - Alle Rechte vorbehalten


