Ehe-Abc Von Antrag bis Zerrüttung

Liebespaar
Die Heirat aus Liebe hat ihre Wurzeln in der Romantik des 18. Jahrhunderts. Vorher war die Ehe meistens eine Zweckgemeinschaft.

Heiraten liegt in der Luft: Mit unserem Ehe-Abc sind Verliebte bestens gerüstet.

aktualisiert am 08. Jan 2016 12:01

A wie Antrag: Wer muss den Heiratsantrag machen – der Mann oder die Frau?

Das Gesetz sagt dazu natürlich nichts. Aber machen Sie doch mal eine kleine Umfrage im Bekanntenkreis, am besten nach Geschlechtern getrennt. Wetten, dass es dann so abläuft: Die Männer sagen wie aus der Pistole geschossen «der Mann». Die Frauen murmeln etwas von modernen Zeiten und Gleichberechtigung. Dann heisst es, es sei heutzutage egal, wer zuerst fragt. Und schliesslich nicken alle, sobald eine zu 
sagen wagt, «aber eigentlich ist das schon Sache des Mannes». Alles klar?

B wie Bürgerrecht: Was ändert sich 
mit der Heirat?

Jeder Ehegatte behält sein Bürgerrecht.

Für den ausländischen Bräutigam oder die Braut ändert die Heirat mit einem Schweizer oder einer Schweizerin nichts. Frühestens nach drei Jahren Ehe und fünf Jahren Wohnsitz in der Schweiz ist eine erleichterte Einbürgerung möglich.

C wie Cousin und Cousine: Dürfen sie 
heiraten?

Sie galten als Traumpaar des 19. Jahrhunderts: Elisabeth, Kaiserin von Österreich – besser bekannt als Sissi –, und Kaiser Franz Joseph. Obwohl Cousin und Cousine, durften die beiden heiraten.

Auch in der Schweiz darf man das. Verboten ist die Ehe nur zwischen Verwandten in gerader Linie: Eltern dürfen nicht mit Kindern, Grosseltern nicht mit Enkeln, Geschwister nicht mit Halbgeschwistern. Das gilt übrigens auch für adoptierte Kinder. Nicht verboten ist dagegen die Heirat unter Stiefgeschwistern.

D wie Diamantene Hochzeit: Wie schafft 
man das?

Dafür sollten Sie jung heiraten! Die diamantene Hochzeit feiern Ehepaare am 
60. Hochzeitstag.

Guider – der digitale Berater des Beobachters

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Nicht nur der Name kann sich ändern, wenn Paare entscheiden, den Bund der Ehe einzugehen. Guider erläutert seinen Mitglieder unter anderem, welcher Güterstand sich anbietet, zeigt anhand von konkreten Fallbeispielen, wie das eheliche Vermögen aufgeteilt wird und liefert eine Vorlage für einen Ehevertrag.

Rechte und Pflichten der Eheleute
Vertretungsrecht der Eheleute
Ehevertrag
Was heisst Gütergemeinschaft?
Namensänderung während der Ehe
Eheschutz bei Problemen

E wie Ehebruch: Wie wird dieser bestraft?

Auf juristischer Ebene gilt er als aus­gerottet: Der Seitensprung ist nicht mehr strafbar. Und auch im Scheidungsverfahren spielt der Treuebruch keine Rolle mehr. So kann auch der Ehebrecher spätestens nach zwei Jahren Trennung die Scheidung erzwingen, und auch die Ehebrecherin kann Alimente erhalten.

F wie Familienwohnung: Wer darf darüber verfügen?

Verheiratete dürfen nur mit Zustimmung des Ehepartners das eheliche Heim verkaufen oder den Mietvertrag kündigen. Dabei spielt es keine Rolle, wem das Eigenheim gehört oder wer den Mietvertrag unterzeichnet hat. Können sich Ehepartner nicht einigen, müssen sie vor Gericht.

G wie Güterstand: Was ist das?

Hier geht es um das Vermögen von Mann und Frau. Eheleute können unter drei sogenannten Güterständen wählen: Errungenschaftsbeteiligung, Gütergemeinschaft sowie Gütertrennung. Wenn die Brautleute nichts unternehmen, gilt ab der Heirat automatisch die Errungenschaftsbeteiligung – alles während der Ehe erwirtschaftete Vermögen wird bei Scheidung hälftig geteilt. Vor oder auch noch Jahre nach der Heirat kann man zur Gütertrennung oder Gütergemeinschaft wechseln. Das kostet allerdings, weil ein öffentlich zu beurkundender Ehevertrag nötig ist.

H wie Haftung der Eheleute: Wer zahlt 
die Schulden?


Entgegen einem weitverbreiteten Irrglauben müssen Sie keine Gütertrennung machen, wenn Ihr Schatz Schulden hat. Der Güterstand hat da keinen Einfluss, so oder so haftet man nicht für voreheliche Schulden des andern. Für während der Ehe entstandene Schulden haften nur beide, wenn beide den betreffenden Vertrag unterzeichnet haben – oder wenn es sich um geschuldete Summen für tägliche Bedürfnisse der Familie handelt.


I wie Inventar: Wem gehört was?

Der beste Ehevertrag versagt, wenn man im Ernstfall nicht beweisen kann, wem welche Sachen gehören. Wenn Sie wert­volle Gegenstände in die Ehe mitbringen, können Sie vom Ehepartner ruhig die Aufnahme eines Inventars verlangen. Wird dieses in einer öffentlichen Urkunde – also von einer Notarin oder einer anderen Urkundsperson – erstellt, hat es sogar besondere Beweiskraft. Natürlich sollte man das Inventar dann regelmässig aktualisieren.

J wie Ja sagen: Wann gilt es ernst?

Bei der Trauung gilt das gesprochene Wort. Die Zivilstandsbeamtin fragt Braut und Bräutigam im Beisein der beiden Trauzeugen je einzeln, ob sie die Ehe mit dem anderen eingehen wollen. Sagen beide Ja, gilt die Ehe bereits als geschlossen.


K wie Kapitän: Darf er Passagiere trauen?

Auch wenn sich das Gerücht hart­näckig hält: Flug- oder Schiffskapitäne können ihre Passagiere nicht rechtlich verbindlich trauen. Symbolische Trauungen sind erlaubt. Wollen Sie unbedingt richtig vor einem Kapitän heiraten, ist das auch auf einem Kreuzfahrtschiff eines deutschen Reiseanbieters möglich. Der 
Kapitän dort darf gültige Trauungen nach maltesischem Recht vornehmen. Sprechen Sie sich aber vorher mit dem Zivilstandsamt ab, auf welche Weise Sie diese Heirat dann in der Schweiz melden müssen.


L wie Liebe: Ein Muss?


Die Heirat aus Liebe hat ihre Wurzeln in der Romantik des 18. Jahrhunderts. Vorher war die Ehe meistens eine Zweckgemeinschaft, die aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen wurde. Es ist auch heute nicht verboten, eine solche Vernunftehe einzugehen. Manche behaupten sogar, solche Verbindungen würden länger halten als 
eine «Amour fou». Verboten ist nur die Scheinehe – wenn es also nur darum geht, der Braut oder dem Bräutigam eine Aufenthaltsbewilligung zu verschaffen.


M wie Mitgift: Ein alter Zopf? 


Diese Tradition ist im Ikea-Zeitalter kaum noch lebendig. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war es üblich, dass die Braut eine Mitgift, auch Aussteuer genannt, in die Ehe mitbringt. Dazu gehörten vor allem Tisch- und Bettwäsche, Essgeschirr und andere Haushaltsgegenstände. Üblich ist es dagegen immer noch, dem Paar etwas Schönes zur Hochzeit zu schenken. Am besten geben Brautleute in der Hochzeitsanzeige an, was sie sich wünschen. Es darf auch einfach nur Geld sein – für die Flitterwochen zum Beispiel.

N wie Name: Wie will ich heissen?


In der Schweiz wurde 2013 ein neues Namens- und Bürgerrecht eingeführt, das die Gleichstellung der Ehegatten im Bereich der Namens- und Bürgerrechtsregelung gewährleisten soll: Künftig behalten Braut wie Bräutigam nach der Heirat ihren Ledignamen. Die Brautleute können jedoch erklären, dass sie einen gemeinsamen Familiennamen tragen wollen - den Ledignamen der Braut oder jenen des Bräutigams.

O wie Oberhaupt der Familie

Wer ist hier 
der Boss? 
Bis 1988 war es – juristisch gesehen – der Ehemann. Seither gelten sowohl die Ehefrau wie auch der Ehemann als Oberhaupt der Familie. Von rechtlicher Bedeutung ist das nur noch, wenn im Haushalt minderjährige Kinder wohnen. Richten die Kinder Schaden an, müssen beide Eltern dafür auf­kommen. Das gilt aber nur, wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Geht zum Beispiel beim Rangeln unter Drittklässlern auf dem Pausenplatz eine Brille kaputt, müssen sie nicht zahlen. Entgegen einem verbreiteten Irrtum gilt also nicht einfach generell «Eltern haften für ihre Kinder».


P wie Pensionskasse: Was ist anders 
als im Konkubinat? 


Bei einer Scheidung wird das während der Ehe angesparte Altersguthaben hälftig zwischen Mann und Frau geteilt. Im Todesfall erhalten über 45-jährige Witwer respektive Witwen eine Rente, wenn sie mindestens fünf Jahre verheiratet waren. Das gilt unabhängig vom Alter und der Ehedauer auch, solange die Witwe/der Witwer für den Unterhalt eines Kindes aufkommen muss.


Q wie «Quick Wedding» im Las-Vegas-Stil: 
Und wie schnell geht es in der Schweiz?


Ein paar Wochen sollten Sie schon ein­planen. Vor der Trauung müssen Sie beim Zivilstandsamt der Wohngemeinde von Braut oder Bräutigam den Heiratswunsch persönlich anmelden und einigen Papierkram erledigen. Die Heirat kann dann frühestens zehn Tage nach Abschluss dieses Vorbereitungsverfahrens stattfinden.



R wie Ring: Gehört er an die linke 
oder an die rechte Hand?

In der Schweiz trägt man den Ehering eher links. Ebenso in Italien und Frankreich. Die Nachbarn in Deutschland und Österreich tragen ihn dagegen eher rechts. Warum, weiss niemand so genau. Für Linksträger geistert die Erklärung von der Nähe zum Herzen rum. Die Rechtsträger mögen sich auf den sprichwörtlichen Handschlag berufen, mit dem man Abmachungen bekräftigt. Machen Sie es einfach, wie es Ihnen am besten gefällt.

S wie Stiefeltern: Welche Verantwortung tragen sie?

Stiefeltern haben kein Sorgerecht für «ihre» Kinder. Sie müssen den Ehepartner bei der Erziehung aber unterstützen und ihn notfalls auch vertreten. Stiefeltern haben auch nicht direkt für den Unterhalt ihrer Stiefkinder aufzukommen. Treffen die Kinder­alimente nicht ein oder reicht das Kindergeld aus anderen Gründen nicht, müssen aber auch sie finanziell aushelfen. Eine Adoption des Stiefkinds ist frühestens nach fünfjähriger Ehe möglich. Stiefeltern und Stiefkinder haben kein gegenseitiges gesetzliches Erbrecht. Soll das Kind des Ehepartners erben, braucht es eine entsprechende Anordnung im Testament.


T wie Traulokal: Darf man einfach 
irgendwo heiraten?


Offiziell kann eine zivile Heirat nur in 
einem amtlich anerkannten Traulokal stattfinden. Das muss nicht in der Wohn­gemeinde und auch nicht im Amtshaus sein. Viele Gemeinden stellen als amtliche Traulokale stilvolle Lokalitäten zur Verfügung. Geben Sie im Internet das Suchwort «Traulokale» ein. Sie werden staunen.


U wie Umstandskleid: Heirat mit Babybauch?

Ja, unbedingt. Damit ersparen sich künftige Eltern einiges an Papierkram und Behördengängen. Bei unverheirateten Eltern muss der Mann sein Kind beim Zivilstandsamt anerkennen und auf der Vormundschaftsbehörde einen Unterhaltsvertrag unterzeichnen. Auch das gemeinsame Sorgerecht gibt es noch nicht automatisch. Zudem ist die künftige Mutter als Ehefrau auch finanziell besser abgesichert.


V wie Verlobung: Ein alter Zopf?

Nicht aus rechtlicher Sicht. Nimmt der Mann oder die Frau den Heiratsantrag an, gilt das Paar als verlobt. Die Heirat kann man damit aber nicht erzwingen. Wird das Verlöbnis gelöst, darf jeder seine Verlobungsgeschenke zurückfordern. An allfällig schon getätigten Auslagen für die geplante Hochzeit müssen sich in der Regel beide beteiligen.

W wie Wohnsitz: Wie kann man/frau den bisherigen Wohnsitz behalten?

In der Regel geht das nicht. Den Wohnsitz kann man nämlich nicht frei wählen: Er ist dort, wo man seinen Lebensmittelpunkt hat. Leben Sie zusammen, haben Sie beide Wohnsitz an dieser Adresse. Denkbar ist ein getrennter Wohnsitz, wenn jeder Ehegatte an seinem Wohnort arbeitet und das Paar abwechselnd die Wochenenden in der Wohnung des anderen verbringt.


X wie X-Chromosom: Wann wird 
das erste Kind ein Bub?

Lange gab man den Frauen die Schuld, wenn sie ihrem Mann keinen Stammhalter schenkten. Heute wissen wir, dass es gewissermassen am Mann liegt. Menschen haben zwei geschlechterbestimmende Chromosomen, die mit X und Y bezeichnet werden. Frauen haben nur X-Chromosomen, Männer haben X- und Y-Chromosomen. Einen Jungen gibt es nur, wenn das Y-Chromosom vom Vater auf ein X-Chromosom der Mutter trifft.


Y wie Yorkshireterrier: Wer bekommt 
bei einer Trennung den Hund?

Streiten Sie sich um ein gemeinsam angeschafftes Haustier, muss sich das Gericht für jenen Ehepartner entscheiden, der in tierschützerischer Hinsicht die bessere 
Unterbringung gewährleistet. Ein allfälliges Besuchsrecht müssten Sie selber aushandeln. Das Gericht hat dafür keine Entscheidungskompetenz.

Z wie Zerrüttung: Möge es bei Ihnen nie so weit kommen.

Buchtipp

EherechtWas wir beim Heiraten wissen müssenMehr InfosIn den WarenkorbE-Book
Autor:
  • Karin von Flüe
Bild:
  • Thinkstock Kollektion