Heirat Die Rechtslage im Hafen der Ehe

Rechtsfragen in der Ehe
«Das Leben miteinander teilen» – was schön klingt, kann juristisch betrachtet eine komplizierte Sache sein.

Testen Sie Ihr Wissen zu den häufigsten rechtlichen Fragen, die sich im Eheleben stellen.

aktualisiert am 06. Jan 2016 16:38

Viele Leute unterliegen tückischen Halbwahrheiten oder gar blanken Irrtümern, wenn es um rechtliche Angelegenheiten zur Ehe geht. Finden Sie die richtige Antwort zu den häufigsten Fragen, die das Beobachter-Beratungszentrum erreichen. Nur jeweils eine der vorgeschlagenen Antworten ist korrekt.

Frage 1: Mein Bräutigam hat Schulden. Wie lässt sich verhindern, dass ich nach der Heirat dafür aufkommen muss?

a) Sie müssen vor der Ehe einen Vertrag auf Gütertrennung abschliessen.
b) Sie müssen gar nichts unternehmen. Eheleute haften nie für die vorehe­lichen Schulden des Partners.
c) Leider können Sie nichts vorkehren. Nach der Heirat haften Eheleute als Wirtschaftsgemeinschaft solidarisch für alle Schulden.

Frage 2: Meine Frau behauptet, sie müsse mir nicht sagen, was sie verdient. Stimmt das?

a) Nein. Sie muss Ihnen jederzeit Auskunft geben. Das gilt punkto Einkommen, Vermögen und Schulden.
b) Das stimmt, solange Sie zusammen­leben. Sollte es zu einer Trennung oder gar Scheidung kommen, muss sie umfassend Auskunft erteilen.
c) Ihre Frau darf die Auskunft nur verweigern, wenn Sie beide in einem Ehevertrag die Gütertrennung vereinbart haben.

Frage 3: Wir wohnen im Haus meines Mannes. Stimmt es, dass ich ausziehen müsste, wenn es mal zur Trennung käme?

a) Ja, sicher. Wenn Ihr Mann allein im Grundbuch als Eigentümer eingetragen ist, bestimmt er auch allein, wer in seinem Haus wohnt.
b) Im Streitfall bestimmt das Gericht, wer während der Trennung in der Familienwohnung bleiben darf. Die Eigentumsverhältnisse spielen keine Rolle.
c) Bei einer kurzen Ehe, die noch nicht länger als fünf Jahre dauert, sind Sie leider überhaupt nicht geschützt. Danach müsste Ihr Mann wenigstens die Mietkosten für eine Ersatzwohnung übernehmen.

Frage 4: Meine Freundin plant, ihren Partner in den Ferien in Las Vegas zu heiraten. Würde eine solche Blitzheirat in der Schweiz anerkannt?

a) Das ist nur Show. Die beiden erhalten zwar ein hübsches Ehezertifikat, aber rechtlich verbindlich ist die Ehe nicht.
b) In Las Vegas kann man gültig eine ­solche Blitzheirat vollziehen. Die Schweiz anerkennt diese Zeremonie aber nicht. Ihre Freundin und ihr Partner würden daher in den USA als verheiratet und in der Schweiz als ledig gelten.
c) Wenn die beiden in einer vom US-Bundesstaat Nevada anerkannten Hochzeitskapelle heiraten, wovon es in Las Vegas einige gibt, würden die beiden auch nach Schweizer Recht als verheiratet gelten.

Frage 5: Unser gesamtes Vermögen haben wir während der Ehe aus unseren Löhnen gespart. Meine Freundin behauptet, wir könnten in einem Ehevertrag regeln, dass diese Ersparnisse beim Tod eines Ehepartners ganz dem überlebenden anderen zukommen. Könnte unsere Tochter wirklich keinen Pflichtteil fordern?

a) Den Pflichtteil der Tochter können Sie mit einem Ehevertrag legal umgehen. Das klappt aber nur gegenüber gemeinsamen Kindern und nur für Vermögen, das wie in Ihrem Fall zur Errungenschaft gehört.
b) Nachkommen haben immer einen Pflichtteil zugut. Müssen sie mit dem überlebenden Ehepartner teilen, sind das im Minimum drei Achtel des ehelichen Vermögens.
c) Wenn die Tochter nach dem Tod eines Elternteils den Ehevertrag innert eines Jahres anficht, kann sie ihren Pflichtteil fordern. Verpasst sie diese Frist, gilt der Ehevertrag.

Frage 6: Meine künftige Frau und ich wollen verhindern, dass unser Pensionskassenkapital bei einer Scheidung hälftig geteilt wird. Was ist zu tun?

a) Sie müssen mit Ihrer Braut zum Notar gehen und dort in einem Ehevertrag Gütertrennung vereinbaren.
b) Leider können Sie nichts vorkehren. Sollte es zur Scheidung kommen, ­können Sie immerhin in der Scheidungskonvention gegenseitig auf die Teilung verzichten. Sie haben aber keine Garantie, dass das Gericht den Verzicht zulässt.
c) Sie können bei einem Anwalt eine vorsorgliche Scheidungskonvention ausarbeiten und darin die Teilung der Pensionskassenguthaben verbindlich ausschliessen.

Frage 7: Wir wollen auch nach der Heirat beide unsere bisherigen Namen behalten. Das ist doch kein Problem, oder?

a) Doch. Das Zivilgesetzbuch verlangt, dass sich die Eheleute auf einen Familiennamen einigen. Im Normalfall ist dies der Name des Mannes. Die Frau darf immerhin ihren bisherigen Namen voranstellen. Oder die Eheleute machen es umgekehrt.
b) Seit 2013 sind die Eheleute gleichberechtigt: Sie können deshalb entweder beide ihren bisherigen Namen behalten oder einen gemeinsamen Familiennamen wählen.
c) Das Brautpaar kann vor der Heirat bei der Regierung des Wohnsitzkantons ein Gesuch stellen, dass beide nach der Heirat ihren bisherigen Namen weiterführen dürfen. Dafür müssen aber achtenswerte Gründe vorliegen.

Frage 8: Meine Tochter hat keinen Ehevertrag. ­Müsste sie einen Erbvorbezug bei einer ­allfälligen Scheidung mit dem Ehemann teilen?

a) Ja, ausser die beiden vereinbaren in einem Ehevertrag Gütertrennung.
b) Der Erbvorbezug gilt güterrechtlich als Eigengut. Ihre Tochter müsste ihn deshalb bei einer Scheidung nicht mit dem Ehemann teilen.
c) Ihr Schwiegersohn kann Ihnen gegenüber auf die Teilung verzichten. Das muss aber schriftlich sein, und Ihre Tochter muss auch unterschreiben.

Frage 9: Seit die Kinder älter sind, arbeite ich wieder in Teilzeit. Wie viel muss ich von meinem Lohn in die Haushaltskasse einzahlen?

a) Sie und Ihr Mann müssen die Haushaltskosten proportional zum Ein­kommen tragen. Verdient Ihr Mann 6000 und Sie 2000 Franken, muss er drei Viertel und Sie einen Viertel der Haushaltskosten übernehmen.
b)
Solange Sie neben dem Teilzeitjob den Haushalt führen und die Kinder betreuen, dürfen Sie Ihren ganzen Lohn für Ihre eigenen Bedürfnisse verwenden.
c) Es gibt keine gesetzlichen Vorgaben. Das Zivilgesetzbuch überlässt es den Eheleuten, eine gerechte Lösung zu finden. Unterstützung erhalten Sie bei der Budgetberatung Schweiz oder im Streitfall durch das Gericht.

Frage 10: Nach drei Jahren Ehe möchte ich meine 17-jährige Stieftochter adoptieren. Alle ­Beteiligten wären damit einverstanden. Die Adoptionsbehörde sagt, das geht nicht, weil ich schon eine leibliche Tochter habe. Das kann doch nicht sein!

a) Wenn Ihre eigene Tochter mit der ­Adoption einverstanden ist, muss die Behörde der Adoption zustimmen.
b) Im Moment ist die Adoption noch nicht möglich. Sie müssen nämlich mit der Mutter Ihres Stiefkinds fünf Jahre verheiratet sein. Erst danach können Sie sie adoptieren.
c) Die Behörde hat recht. Die Adoption ist erst nach fünf Jahren Ehe möglich. Es fehlen noch zwei Jahre. Dann ist Ihre Stieftochter bereits volljährig. Und die Adoption von Erwachsenen ist nur Kinderlosen erlaubt.

Buchtipp

EherechtWas wir beim Heiraten wissen müssenMehr InfosIn den WarenkorbE-Book
Autor:
  • Karin von Flüe
Bild:
  • Thinkstock Kollektion