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Ein Ort, eine Frage

Früh übt sich die Discoqueen

Text:
  • Conny Schmid
Bild:
  • Andreas Eggenberger
Ausgabe:
25/09

Lillibiggs-Familiendisco, Club Mascotte, Zürich: «Liebe Eltern, kommt ihr den Kindern zuliebe oder wollt ihr nur den Babysitter sparen?»

Ein Ort, eine Frage: Früh übt sich die Discoqueen

Einlass ab drei Jahren: In der Kinderdisco am Sonntagnachmittag tanzt nicht nur der Bär.

Eigene Kinder stellen das bisherige Leben auf den Kopf, heisst es. Stimmt, bestätigt ein Blick ins Zürcher «Mascotte» an einem Sonntagnachmittag. Zu einer Uhrzeit, zu der sie einst matt nach Hause torkelten, schieben die neuen Eltern heute beschwingt den Kinderwagen zur Party. Ü3 statt U30 lautet das Motto: Disco für alle über drei. Drinnen erleben die Kleinen, wie es ist, gross zu sein. Und die Grossen tun, was sie an solchen Orten immer tun: Sie sitzen am Rand der Tanzfläche, nippen am Glas und wippen mit dem Fuss.

Es regt sich der leise Verdacht, manche seien nicht hier, um mit dem Nachwuchs einen draufzumachen, sondern um im Freundeskreis ungestört ein paar Drinks zu kippen. Stillt da etwa jemand bloss die Sehnsucht nach alten Partyzeiten und spart sich nebenbei den Babysitter? «Nein, nein», winkt eine junge Mutter ab, die sich mit drei Mama-Freundinnen auf dem Sofa fläzt. Erinnerungen kämen zwar schon hoch, vor allem sei so ein Anlass aber einfach praktisch. «Da weiss man wenigstens gleich, wo man die Kleine rausholen muss, wenn sie später allein unterwegs ist», meint sie scherzhaft.

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Wer wird hier müde?

Eine andere setzt ganz auf den pädagogischen Gehalt des gemeinsamen Discobesuchs: «So sieht meine Tochter mal, wo ich mich so rumtreibe, wenn ich ausgehe.» Dazu habe sie auch ohne Babysitter genug Gelegenheit: «Die Kleine verbringt jedes zweite Wochenende bei ihrem Vater.»

Aus den Boxen dröhnt Hitparadensound oder Kindermusik, zwischendurch übt eine Animatorin mit den Kids den Lillibiggs-Tanz, Clown Pepe macht Faxen, und die Migros-Maskottchen zetteln eine Polonaise an. An der Bar gibts gratis Sirup und Äpfel gegen den kleinen Hunger.

Wen immer man fragt, alle wollen nur eines: dem Nachwuchs ein tolles Erlebnis bieten. Ein Vater am Rand des Geschehens, laut eigener Aussage «nicht so der Ausgangstyp», findet die Veranstaltung lässig. «Aber nach zwei Stunden reicht es dann auch, die Kleine wird langsam müde.» Ob er da nicht eher sich selber meint? Die angeblich Ausgepowerte nämlich tanzt noch immer wie ein Lumpen am Stecken unter der Discokugel.

© Beobachter Ausgabe 25 vom 09. Dez 2009 - Alle Rechte vorbehalten

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