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Erziehung

Der Compi und das reale Leben

Text:
  • Sarah Renold
Bild:
  • Daniel Müller
Ausgabe:
16/09

Kinder und Jugendliche verbringen Tage und Nächte mit Computerspielen. Das bringt Risiken mit sich. Wie Eltern am besten damit umgehen.

Höchstens eine Stunde Bildschirmkonsum pro Tag – das ist die von Fachleuten empfohlene Dauer für Kinder und Jugendliche. Viele überschreiten diese Zeit aber massiv. Die Faszination für Computerspiele rührt meist daher, dass den Spielern Aufgaben gestellt werden – oft auch mit kämpferischen Elementen – und sie belohnt werden, wenn sie sie richtig lösen. Besonders Jungen identifizieren sich gern mit den Figuren solcher Spiele, da es darum geht, sich zu behaupten, sich durchzusetzen. Neben reinen Kampfspielen gibt es Rollen-, Sport- oder Strategiespiele – darunter durchaus solche, die kurzzeitig Konzentration und Koordination oder vernetztes und logisches Denken und Handeln fördern. Den Spielern machen sie vor allem Spass. Ein Spass, der gewisse Risiken birgt.

Machen die Games aggressiv?

Ein Risiko, das wissenschaftlich kontrovers diskutiert wird, ist die Auswirkung von Gewalt in Computerspielen. Macht die dargestellte Brutalität auch im realen Leben aggressiver und gewaltbereiter? Die wissenschaftlichen Befunde geben keine klare Antwort. Beobachtungen im Alltag lassen aber zumindest den Verdacht zu, dass häufiges Spielen von Gewaltgames die Reizschwelle gegenüber Gewalthandlungen im richtigen Leben senken kann. Wird etwa ein anderes Kind gequält, wird das nicht mehr als schlimm empfunden, die Gefühle stumpfen ab. Die Packungsangaben zur Altersempfehlung ermöglichen eine gewisse Kontrolle, sollten aber kritisch hinterfragt werden.

Ein weiteres Problem ist die Suchtgefahr. Besonders Online-Rollenspiele, bei denen Tausende gleichzeitig mitmachen, haben grosses Suchtpotential. Eltern sollten bedenken, dass Filtersoftware und Zeitkontrollen die persönliche Kontrolle nicht ersetzen.

Ernsthaft gefährdet ist ein Kind dann, wenn es täglich mehrere Stunden vor dem Monitor verbringt. Oder wenn es nachts stundenlang weiterspielt, statt zu schlafen. Mit der Folge, dass es sich für nichts anderes mehr interessiert, dauernd müde und unkonzentriert ist. Alarmzeichen sind auch schlechtere schulische Leistungen – oder wenn es seine Freunde vernachlässigt, ständig gereizt oder teilnahmslos ist.

Wenn sich die Hinweise auf eine Spiel- oder Internetsucht verdichten, sollten Sie:

  • das Kind darauf ansprechen, die beobachteten Verhaltensänderungen benennen;
  • mit dem Kind klare Regeln zu Dauer und Inhalt der Computerspiele aufstellen;
  • Konsequenzen bei Regelmissbrauch abmachen, zum Beispiel den Computer für einen Tag wegsperren;
  • das Kind loben, wenn es die Regeln eingehalten hat;
  • gemeinsam nach alternativen Freizeitaktivitäten suchen;
  • eine Beratungsstelle kontaktieren.

Eltern sollten auch mal mitspielen

Wenn Kinder lernen sollen, verantwortungsvoll mit dem Computer umzugehen, sind auch die Eltern gefordert. Sie sollten sich dafür interessieren, was dem Kind an den Spielen so gut gefällt, über gute und schlechte Spiele sprechen. Und auch einmal selber mitspielen. Oder aber Lernsoftware als Abwechslung zu anderen Spielen anbieten.

Die drei W sollten nicht nur für World Wide Web stehen, sondern für Eltern bedeuten: «Ich weiss und bestimme, was mein Kind am Computer macht, ebenso, wann und wie lange es sich damit beschäftigt.»

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© Beobachter Ausgabe 16 vom 06. Aug 2009 - Alle Rechte vorbehalten

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