Marc-Andrea
Wenn ich ein Tennisschläger wäre,
sähe ich glänzend aus: am liebsten silbrig mit dunkelblauen Streifen. Mein Zuhause wäre eine Thermo-Tennistasche, weil es drin gemütlich ist.

Einmal würde ich hören, dass bald ein «Grand Slam»-Turnier anfinge, also müsste ich bereit sein, Grosses zu vollbringen. Ich würde mich von oben bis unten genau betrachten und mit Schrecken feststellen, wie dreckig ich wäre - voller Sand, Schweiss und zudem klebrig, weil jemand Eistee ausgeleert hätte. Roger, mein Tennisspieler, nähme mich sorgfältig aus der Tasche, um mir ein neues Griffband anzulegen. Das glatte, schwarze Band würde wunderbar zu mir passen.
Dann müsste ich auf die Bespannungsmaschine. Das wäre wie eine Massage. Ich würde mich wohlig strecken und recken. Zwischen Schläger und Bespannung gibt es so etwas wie Freundschaft. Wir arbeiten nämlich zusammen.
Endlich ginge die Reise nach Paris los. Ich würde bald im Finale gegen Nadal stehen, der berühmt ist für seine harten Schläge. Wir gäben den Bällen so viel Drall, dass ihnen schwindlig würde. Der Gegner würde Roger unter Druck setzen, bis er wütend wäre und mich wegwerfen würde. Das könnte weh tun, und Roger würde verwarnt werden, das sollte er auch!
Nach einem langen Kampf hiesse es Matchball für uns. Roger würde noch einmal richtig auf den Ball dreschen, der knapp über die Netzkante fliegen und auf der Linie unerreichbar abspringen würde. Das Stadium würde beben. Roger würde mich in der Luft schwenken, und alle würden uns zujubeln.
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© Beobachter Ausgabe 25 vom 05. Dez 2007 - Alle Rechte vorbehalten
