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Spielplatzgestaltung

Neue Strickmuster finden

Text:
  • Üsé Meyer
Bild:
  • Archiv
Ausgabe:
8/04

Rutschbahn und Schaukel reichen nicht, um Kinder glücklich zu machen. Gefragt ist Fantasie – schon bei der Planung des Spielgeländes.

Toni Anderfuhren muss nicht lange überlegen auf die Frage, welche Fehler am häufigsten gemacht werden beim Gestalten von Spielplätzen. «Man vergisst, dass Kinder überall spielen – nicht nur auf dem offiziellen Spielplatz», sagt der ausgebildete Spielraumberater. Jahrelang leitete er den Robinsonspielplatz im zürcherischen Uster und arbeitet heute freiberuflich als «Spielträumer», wie er sich nennt. Er konzipiert Spielräume: in Schulhöfen genauso wie in privaten Gärten.

Auf einem Rundgang durch ein Wohnquartier in Uster macht er vor der grossen Wiese eines Wohnblocks Halt. Die Spielwiese ist mit einem Holzzaun von der Umgebung abgeschottet. Am Rand der Wiese steht eine angerostete Kinderschaukel. «Trostlos», urteilt Anderfuhren.

Kreativ sein, entdecken und bauen


Spielplatz gleich Schaukel und Rutschbahn – «dieses Klischee ist tief in unserem Denken drin», sagt Experte Toni Anderfuhren. Doch Kinder haben andere Ansprüche. Sie wollen klettern, kreativ sein, bauen, graben, entdecken, sich bewegen und verstecken. Und die Kleinen spielen nicht auf einer begrenzten Fläche. Anderfuhren achtet deshalb bei der Planung eines Spielraums darauf, die Umgebung eines Hauses oder einer Siedlung mit einzubeziehen. Findet sich eine Hauswand, an die ein paar Klettergriffe montiert werden können? Gibt es einen geeigneten Ort für eine Feuerstelle?

Mulden, Hügel und Kletterspass


Zufriedener blickt Anderfuhren auf einen frisch gestalteten Garten eines Einfamilienhauses im Ustermer Quartier: An einem Ast eines alten Baumes hängt eine Schaukel. Im Schatten des Baumes findet sich ein Sandhügel, daneben ein kleines Steinbecken, wo sich Regenwasser aus der Dachrinne sammelt. Drum herum stehen einige Felsbrocken. Der Boden besteht aus Steinplatten, Erde und Kies. Ein vorbildlicher Spielplatz, denn er nutzt den ganzen Raum mit Mulden, Hügeln und Klettermöglichkeiten. Für zusätzliche Abwechslung sorgen verschiedene Pflanzen.

Ein Spielplatz sollte möglichst viele Spielvarianten offen lassen, um die Fantasie anzuregen. Kinder müssen den Spielraum umgestalten können: Mauern bauen, Steinwege errichten, Löcher graben. Dazu brauchen sie Werkzeuge in Kindergrösse wie Besen, Schaufel, Eimer und Material wie Ziegelsteine, Bretter, Stangen, Tücher. Sand soll nicht in einen Kasten gezwängt werden. Besser sind Mulden ohne klare Aussengrenzen. Sandspiele mit Wasser wünschten sich Kinder am häufigsten, sagt der Spielplatzexperte. Spielgeräte wie Rutschbahnen und Schaukeln sind zwar sinnvoll, doch sie sollten das Angebot nicht bestimmen, sondern lediglich ergänzen.

Wer Kindern einen inspirierenden Spielraum bieten will, muss auf den gehegten japanischen Steingarten oder den gepflegten englischen Rasen verzichten. Kinder erfreuen sich an Wiesen, die Käfer und Schmetterlinge anziehen, Höhlen aus Weidenbüschen, wetterfesten Holzhütten oder Sträuchern, hinter denen sie sich auch einmal dem Blick der Eltern entziehen können. Kinder brauchen Freiraum, fern der erwachsenen Normen, um sich entfalten zu können.

Hinfallen gehört zum Laufenlernen


Am Ende des Rundgangs in Uster bleibt Anderfuhren auf dem Spielgelände einer Wohnsiedlung stehen: Dort, wo Kinder von der Schaukel fallen könnten, ist eine Steintreppe. Die müsste verschoben werden, sonst könne es Unfälle geben, sagt Anderfuhren. Doch eigentlich findet er, Kinder müssten eine begrenzte Gefahr auch erleben können. Unebenes Gelände oder Hindernisse sorgten dafür, dass die Kinder aufmerksam seien. «Wer nirgends stolpern kann, lernt nie zu fallen», sagt der Fachmann.

Adressen

  • Weitere Auskünfte bei Pro Juventute, Seehofstrasse 15, 8032 Zürich, Telefon 01 256 77 77, www.projuventute.ch
  • Schweizerische Beratungsstelle für Unfallverhütung, Laupenstrasse 11, 3008 Bern, Telefon 031 390 22 22, www.bfu.ch



Buchtipps

  • Alex Oberholzer, Lore Lässer: «Gärten für Kinder. Naturnahe Gestaltung von Spielbereichen mit konkreten Anleitungen». Eugen-Ulmer-Verlag, 4. Auflage 2003, Fr. 50.20

  • Udo Lange, Thomas Stadelmann: «Spiel-Platz ist überall. Lebendige Erfahrungswelten mit Kindern planen und gestalten». Beltz-Verlag, Weinheim, 4. Auflage 2001, Fr. 44.50

© Beobachter Ausgabe 8 vom 15. Apr 2004 - Alle Rechte vorbehalten

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