Boris Becker
Liebe ist...
Boris Becker hat sich von seiner Verlobten getrennt und fragt sich, was denn eigentlich Liebe ist. Wir sagen es ihm, soweit wir das können.
Da war er jung, erfolgreich und noch nicht für Skandale bekannt: Boris Becker 1994 an den Thriftway Championships, Cincinnati, Ohio
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Lieber Boris Becker
In schöner Regelmässigkeit scheinen Ihnen schöne Frauen den Verstand zu rauben. Wenns dumm geht, nicht nur den. Wir wissen alle noch, was vor ein paar Jahren in einer Londoner Besenkammer geschah: «Samenraub» nannte es die Boulevardpresse. Doch diesen Sommer sollte Schluss sein mit dem Lotterleben: Mit der Tochter Ihres ehemaligen Managers wollten Sie sich binden und wieder eine Familie gründen. Leider bliebs beim Wollen. Das Eheversprechen hielt nur 83 Tage. Also etwa so lange, wie in der Regel die Hormone verrücktspielen.
«Boris und die Frauen», schrieb die Regenbogenpresse hämisch, «das klappt nicht.» Und Sie selber liessen sich von der Zeitschrift «Bunte» zitieren, dass Sie froh wären, wenn Ihnen mal jemand die Liebe erklären könnte. Als ob Sie sich damit nicht auskennen würden. Was war denn das mit Ihrer Babs, mit der Sie lange verheiratet waren? Was anderes als die schnellen Nummern, mit denen Sie in den letzten Jahren Schlagzeilen machten, oder?
Wie Sie wissen, braucht es für eine Affäre bloss ein paar blubbernde Hormone und manchmal eine rosa Brille. Liebe verlangt aber nebst Erotik die Bereitschaft, sich auf Freundschaft einzulassen: Erst Respekt, Vertrauen, Verständnis, Zuneigung, Verlässlichkeit und Interesse am Leben des anderen lässt die Liebe wachsen und hält sie am Leben. Deshalb mein Rat: Verwechseln Sie einen Flirt oder eine Liebelei nicht mit der grossen Liebe. Ansonsten werden Sie enttäuscht und frustriert von einer zur andern hetzen.
Das wünsche ich Ihnen nicht. Stattdessen Glück in der Liebe und alles Gute.
Herzlich, Ihr Walter Noser
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© Beobachter Ausgabe 26 vom 23. Dez 2008 - Alle Rechte vorbehalten




