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Selbsthilfeforum

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Erbengemeinschaft
Verfasst am: 20.04.2013 – 23:14
Wir sind eine Erbengemeinschaft, bestehend aus unserer Mutter und drei erwachsenen Kindern. Die Erbengemeinschaft besteht nun schon seit mehr als zehn Jahre.
In der Erbmasse befindet sich ein Haus, das von meinem verstorbenen Vater geerbt wurde. Nun muss unsere Mutter ins Altersheim. Geht nun der uns Kindern zustehende Erbteil verloren ?

Freundliche Grüsse
 
Verfasst am: 21.04.2013 – 13:54
Nein das den Kindern zustehende Erbeil geht nicht verloren.

Es ist wichtig, dass Ihre Mutter oder eines der Kinder in Vertretung Ihrer Mutter (eine schriftliche Vollmacht ist nicht nötig) bei der kantonalen Sozialversicherungsanstalt bzw. deren Zweigstelle in der Wohnsitzgemeinde (im Kanton Zürich auf jeden Fall bei der Gemeinde) einen Antrag auf Ergänzungsleistungen zur AHV stellt. Sie können diesen Antrag innerhalb von sechs Monaten nach dem Eintritt ins Altersheim stellen. Wenn Sie den Antrag später stellen, werden die Ergänzungsleistungen zur AHV nicht mehr rückwirkend ab dem Anfang des Monats, in dem der Heimeintritt erfolgte bezahlt.

Der Anspruch auf Ergänzungsleistungen zur AHV hängt vom Einkommen, von den gesetzlich anerkannten Ausgaben, vom Vermögen und von den Schulden Ihrer Mutter ab. Sie können eine ungefähre (aber nicht 100% exakte) Berechnung auf der Website der Pro Senectute machen ( http://www.pro-senectute.ch/ergaenzungsleistungsberechnung.h... ).

In manchen Kantonen und Gemeinden gibt es zusätzlich noch kantonale Beihilfen, kantonale Zuschüsse und Gemeindezuschüsse, die ebenfalls vom Einkommen, von den Ausgaben vom Vermögen und den Schulden Ihrer Mutter abhängen. Zusätzlich können Sie bei der kantonalen Sozialversicherungsanstalt eine Hilflosenentschädigung zur AHV beantragen, falls Ihre Mutter pflegebedürftig ist. Die Hilflosenentschädigung hängt nur vom Ausmass der Pflegebedürftigkeit, aber nicht vom Einkommen und Vermögen Ihrer Mutter ab.

Sobald Ihre Mutter aus dem Haus auszieht, wird das Haus zum Verkehrswert (ein geschätzter Marktwert) und in manchen kantonen zum Repartitionswert bewertet. Allerdings wird Ihrer Mutter nicht der ganze Wert des Hauses angrechnet. Ihrer Mutter wird der Wert zugerechnet, den Sie nach dem Eherecht und dem Testament (falls es eines gibt) oder sonst nach dem Erbrecht erhält. Wenn für die Ehe kein spezieller Güterstand wie Gütertrennung vereinbart war und das Haus gemeinsam von Vater und Mutter gekauft war, würde Ihre Mutter auf Grund des Eherechts die Hälfte des Hauses erhalten und auf Grund des Erbrechts noch einmal die Hälfte von der anderen Hälfte erhalten (also insgesamt drei Viertel des Werts des Hauses). Das restliche Viertel des Werts des Hauses gehört zu gleichen Teilen den Kindern.

Es wird ausserdem nicht der gesamte Wert des Liegenschaft, sodern nur der Teil angerechnet, der einen Freibetrag von 112'500 Franken übersteigt und vom Ergebnis dürfen noch die Hypothekarschulden oder sonstige Schulden abgezogen werden. Zudem wird vom gesamten Vermögen Ihrer Mutter (inklusive des Anteils Ihrer Mutter am Haus) noch eine Freibetrag von 37'500 Franken abgezogen. Vom verbleibenden Reinvermögen (Vermögen abzüglich Schulden) wird ein Zehntel bzw. je nach Kanton bis zu einem Zwangzigstel als fiktive Einnahme Ihrer Mutter angerechnet, die Ihre Mutter theoretisch zu Finanzierung der Ausgaben (einschliesslich der Kosten für das Altersheim) verwenden muss. Oft geht das nur, indem man eine Hypothek auf das Haus aufnimmt (wenn Ihre Mutter nicht über genug Ersparnisse verfügt), in dem man das Haus verkauft oder in dem Sie Ihrer Mutter ein Darlehen geben mit dem Ihre Mutter die Ausgaben bezahlen kann.

Sie sollten unbedingt Akteneinsicht verlangen, wie der Verkehrswert berechnet wurde und dies durch einen im Ergänzungsleistungsrecht und im Steuerrecht versierten Profi anschauen lassen. Es werden oft Fehler gemacht und dann besteht die Gefahr, dass Sie viel weniger Leistungen erhalten, als Ihrer Mutter zustehen würden.

Wenn das Vermögen abzüglich der Schulden zum Zeitpunkt des Anfangs des Monats, in dem Ihre Mutter in das Pflegeheim eingetreten ist tiefer ist als am 31. Dezember 2012, sollten Sie dies bei der Anmeldung sagen und die entsprechenden Bankbelege einreichen, auf denen man den Saldo (das Vermögen) am Anfang des Monats des Heimeintritts sieht.

Wenn es Fragen oder Probleme gibt, melden Sie sich einfach.
 
Verfasst am: 21.04.2013 – 16:48
Herzlichen Dank an Sozialversicherungsberater für die Antwort.
Jetzt habe ich noch eine Frage:
Wenn das Haus gemeinsam erworben wurde, dann erhält die Mutter 3/4.

In unserem Fall ist das Haus Eigengut unseres verstorbenen Vaters, er hat es von seiner Mutter geerbt.

Besten Dank für die Mühe !

 
Verfasst am: 22.04.2013 – 09:04
schirm schrieb:

In unserem Fall ist das Haus Eigengut unseres verstorbenen Vaters, er hat es von seiner Mutter geerbt.

Wenn Ihre Eltern keinen anderen Güterstand für Ihre Ehe vereinbart haben, dann untersteht die Ehe automatisch dem Güterstand der Errungenschaftsbeteiligung. Wenn Ihr Vater vor oder während der Ehe von seiner Mutter ein Haus erbt und die Ehe dem Güterstand der Errungeschaftsbeteiligung unterstand, dann ist das Haus das Eigengut Ihres Vaters.

Beim Tod Ihres Vaters kam es zur Auflösung der Ehe kraft Gesetz und in der eherechtlichen güterrechtlichen Auseinandersetzung des Vermögens der beiden Ehepartner, erhielt Ihre Mutter nicht die Hälfte des Hauses, weil das Haus nicht in der Errungenschaft sondern im Eigengut Ihres Vaters war. Beim Tod Ihres Vaters ging das gesamte Haus in die Erbschaft. Wenn es kein Testament gibt, in dem etwas Abweichendes geregelt ist, erhält Ihre Mutter gemäss Erbschaftsrecht die Hälfte der Erbschaft (somit auch die Hälfte des Hauses) und die andere Hälfte der Erbschaft wird zu gleichen Teilen unter den Kindern verteilt.

Sie sollten sich überlegen, ob Sie die Erbengemeinschaft nicht auflösen möchten oder sich zumindest eine Generalvollmacht für die Vertretung Ihrer Mutter organisieren, da es Ihrer Mutter plötzlich schlechter gehen könnte und es dann mühsam sein wird eine Zustimmung Ihrer Mutter für irgendwelche Geschäfte betreffend des Vermögens in der Erbengemeinschaft zu erhalten, falls Ihre Mutter daraus dringend Geld benötigt. Für die Beglaubidung der Generalvollmacht müssen Sie mit Ihrer Mutter auf das Notariat gehen.