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Arbeitsforum

Hier ist Platz für Fragen, Tipps und Diskussionen rund um das Arbeitsleben.
Was darf man eigentlich, wenn man krankgeschrieben ist?
Verfasst am: 31.08.2010 – 11:02
Hallo zusammen

Meine Arbeitskollegin und ich hatten gestern eine Diskussion darüber, was man darf und nicht darf, wenn man krankgeschrieben ist nach Unfall oder Krankheit.

Ich meine, dass ich mit Migräne nicht in die Disco gehe oder mit einer Knieverletzung nicht auf die Ski stehe, ist ja wohl klar. Aber einem Bauarbeiter mit gebrochenem Handgelenk kann man ja wohl schlecht verbieten, in den Ausgang (was trinken gehn, Kino usw.) zu gehen oder an den Strand zu liegen und zu "sünnele". Meist heisst es ja immer: "wenn dich jemand sieht von der Arbeit, du bist ja schliesslich krankgeschrieben"... Aber man kann sich doch nicht daheim einsperren..!?

Dann kamen wir noch auf das „Problem“ einer Bekannten von mir. Sie muss sich einer Operation an der Hand unterziehen, der Termin ist unverrückbar und sie ist danach 3 Wochen krankgeschrieben, weil sie die Hand nicht benutzen kann/darf und im Büro arbeitet, es ist auch ausgerechnet die Schreibhand. Nun ist es aber so, dass sie mit ihrer Schwester genau zu der Zeit ein paar Tage nach Nürnberg reisen wollte. Die Schwester kann leider die Ferien geschäftsbedingt auch nicht mehr verschieben.

Nun meine Fragen:
1. Muss meine Bekannte denn jetzt daheim bleiben oder darf sie verreisen? Meiner Ansicht nach, steht so ein Trip der Heilung ja nicht im Weg und darum geht’s doch oder? Meine Arbeitskollegin meint jedoch, dass man, wenn man krankgeschrieben ist, nicht wegfahren darf und schon gar nicht ins Ausland. Wer hat denn recht?
2. Eben, was darf man denn nun, wenn man krankgeschrieben ist? Ich habe mal gehört, dass es z.B. in Deutschland so ist, dass du rechtlich gesehen grundsätzlich alles tun darfst, was die Heilung resp. Genesung nicht gefährdet. Ist das bei uns auch so oder muss man sich zu Hause verkriechen und darf maximal Einkaufen gehen?

Mich würde das generell mal interessieren, was ich so -ohne schlechtes Gewissen oder ohne Angst haben zu müssen, von Kollegen gesehen zu werden- tun dürfte. Zumal habe ich auch eine Personalausbildung gemacht, kann mich aber nicht daran erinnern, dass wir das in irgendeiner Form mal hatten, es würde mich also auch fachlich interessieren.

Danke schon mal für eure Antworten.
 
Verfasst am: 31.08.2010 – 11:14
Man darf das machen, was der Arzt zulässt. Das hat man mir selber gesagt, als ich vor ein paar Jahren ein Meniskus-OP hatte und 2 Monate nicht gehen konnte.

Also wenn der Arzt sagt, man darf in die Ferien gehen, darf man das.

 
Verfasst am: 31.08.2010 – 22:51
Hallo PC

Aber auch das was der Arzt sagt muss nicht immer so sein.

Wir hatten einen Mitarbeiter, welcher wochen-/monatelang aus psychischen Gründen krank geschrieben war. Man sah ihn jeweils gut gelaunt mittags in der Stadt rumhängen. Soweit so gut - was seinen Linienvorgesetzten aber störte war, dass man ihm sagte sein MA würde am Wochenende nachts als DJ in angesagten Clubs Platten auflegen.
Der Chef ging also Freitag nachts 2 Uhr mal in den Club und erkundigte sich beim MA nach seinem Ergehen. Dieser meinte die Musik und das Dabeisein unter Menschen seien gemäss seinem Psychiater die beste Therapie für ihn.
Als ihn sein Chef fragte ob und wann er denn wieder gedenke zur Arbeit zu kommen meinte er nur er wisse es noch nicht, vielleicht ja gar nicht mehr.

Es dauerte noch mehrere Woche bis man ihn zum kündigen bewegen konnte.
 
Verfasst am: 01.09.2010 – 08:13
Hallo Peter

Ok.Da geb ich dir recht. Wenn jemand das so ausnutzt. Ob der Arzt das wirklich so gemeint hat, bezweifle ich (Ok ev auch nicht. Ich kenne auch Aerzte die das machen würden)

Aber trotzdem gilt im Prinzip, das was der Arzt sagt. Aber eben, nicht übertreiben.
 
Verfasst am: 01.09.2010 – 13:15
Nicht zu vergessen: was hat der Patient dem Arzt erzählt, über seine Erkrankung, seine Symptome, sein Durchhaltevermögen - und über seine Tätigkeit, wie ist er dort belastet und muss geschont werden. Ich weiss dies aufgrund des Beispiels einer früheren Kollegin, welches ich hier bereits erwähnt habe: um für mehrere Wochen krank geschrieben zu werden und trotzdem während dieser Zeit einen Kurs besuchen zu können, hatte sie dem Arzt von ihrer schweren körperlichen Tätigkeit erzählt (interne Postverteilung) und nicht davon, dass sie während dieser 7 Wochen an die Telefonzentrale hätte wechseln können icon_smile.gif)). Wohl eher auch kein Einzelfall.
Gruss
Ellen
 
Verfasst am: 01.09.2010 – 22:24
@PC
Klingt eigentlich logisch, so weit hab ich gar nicht gedacht.

@Ellen
An und für sich clever gemacht, von der Kollegin, auch wenns natürlich nicht okay ist.

@Peter
Theoretisch kann das natürlich schon stimmen, was der Psychiater gesagt hat, war aber wohl nicht so gedacht, wie dieser Mitarbeiter es umgesetzt hat. In dem Fall ist die Krankschreibung in der Tat mehr als fraglich...

Psychische Erkrankungen sind bezüglich meiner Frage, natürlich schon etwas delikater. Gerade wenn es auch um Mobbing geht, gibt es ja dann eigentlich nichts, was man nicht machen kann, ausser eben zur Arbeit zu gehen.
 
Verfasst am: 02.09.2010 – 00:59
Gesundheitsforum:

Ausgang bei Unfall (März 2010)

Dort findet sich eine ausführliche Darlegung des Problems.

Ich wiederhole mich nicht gerne...

p.s. Arbeitsunfähig heisst nicht notwendigerweise reiseunfähig!

Je nach Art der Krankheit bzw. des Unfalls kann man durchaus krankgeschrieben bzw. arbeitsunfähig sein, man kann aber durchaus "reisen". Falls Rückfragen von Seiten des Arbeitgebers zu befürchten sind, allenfalls ein detailiertes Arztzeugnis verlangen, wo genau drin steht, ob neben der Arbeitsunfähigkeit auch eine Reiseunfähigkeit besteht.

Praktisch alle Versicherungen haben irgendwo den Passus drin "...hat alles zu unterlassen, was die Heilung verzögern könnte."

und übrigens @ Dahlia: Sie haben sich in ihrem Posting die korrekte Antwort praktisch schon selber gegeben...


Wobei zu sagen ist, so ganz schwarz/weiss kann man das ganze Problemfeld eben nicht sehen. Je nach dem bedeutet arbeitsunfähig eben auch, dass man an seinem gewohnten Arbeitsplatz arbeitsunfähig ist, für eine andere Tätigkeit aber durchaus arbeitsfähig sein könnte. Der Arbeitnehmer ist also gut beraten, wenn er dem Arzt seine gewohnte Tätigkeit genau schildert und der Arzt dann das Zeugnis entsprechend abfasst: "kein Heben von Lasten >5kg, kein Leiternsteigen, keine Bildschirmarbeit" oder was auch immer.

Ein Beispiel: Ein Dachdecker leidet unter leichtem Drehschwindel infolge einer Ohrenerkrankung. Aufs Dach steigen und Ziegel verlegen kommt also überhaupt nicht in Frage. Für eine sitzende Tätigkeit im Magazin der Firma zum Teile einsortieren könnte er aber durchaus arbeitsfähig sein.

In der Praxis wird der Mann aber zu Hause sitzen bis sein Gleichgewichtsystem wieder ok ist, weil er mit Drehschwindel auch nicht autofahren kann.

Bei kurz dauernden Erkrankungen ist das auch nicht so relevant, aber bei Abklärungen für die Invalidenversicherung betreffend Wiedereingliederung bei lange andaurnden Einschränkungen schaut man heute sehr genau hin.

Gruss

Rolf.