Diebe und Betrüger
Halten Sie Ihr Geld fest!
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- 14/09
Seniorinnen und Senioren werden häufig Opfer von Betrügern und Dieben. Wie man die Tricks erkennt und sich schützt.
Die ältere Dame reagierte auf den seltsamen Telefonanruf so, wie sich das die Betrugsspezialisten bei der Polizei wünschen: Die 74-jährige Frieda M. (Name der Redaktion bekannt) erklärte sich vordergründig bereit, dem Anrufer 60'000 Franken als «Überbrückungskredit» persönlich auszuhändigen. Und der versprach, er werde die Summe «selbstverständlich am nächsten Tag» zurückzahlen.
Am nächsten Tag fand sich der Mann – zusammen mit zwei Komplizen – jedoch nicht im Besitz von 60'000 Franken wieder, sondern im Gewahrsam der Basler Kantonspolizei. Denn das potentielle Opfer hatte gleich nach dem Anruf die Polizei eingeschaltet. Die Strafbehörden klären nun ab, ob auf das Konto der Betrüger – drei polnische Staatsangehörige zwischen 17 und 53 Jahren – noch weitere Delikte gehen.
So glimpflich enden leider die wenigsten Betrugsfälle. «Immer häufiger sind Seniorinnen und Senioren die Opfer», sagt Peter Giger, Chef der Abteilung Prävention bei der Kantonspolizei Bern (siehe nachfolgendes Interview). Es gebe mittlerweile ganze «Berufszweige», die sich auf die Altersgruppe 60 plus spezialisiert hätten. Und oft stehen nicht etwa Einzeltäter, sondern ganze Banden hinter den Betrügereien.
Den Trend bestätigen auch die vorliegenden Zahlen: Zwischen August 2008 und April 2009 wurden in der Schweiz 70 Delikte allein in der Kategorie «Enkeltrick» registriert – und mehr als 360 Versuche. Die Deliktsumme beläuft sich für diesen Zeitraum auf über drei Millionen Franken. Allein der Kanton Bern verzeichnete letztes Jahr 214 Fälle von Trickdiebstählen, ein Drittel der Opfer war älter als 60 Jahre.
Dies sind die Tricks, denen vorwiegend ältere Leute zum Opfer fallen:
Die derzeit häufigste Betrugsart appelliert auf perfide Art an die Hilfsbereitschaft. Die Betrüger geben sich am Telefon als Bekannte oder Verwandte aus (deshalb der Name «Enkeltrick»): «Ich bin in einer Notlage und brauche dringend Geld. Selbstverständlich werde ich es umgehend zurückzahlen.» So oder ähnlich klingts aus dem Hörer. Geht man darauf ein, wird man zu einem Treffpunkt bestellt, wo das Geld übergeben werden soll – und auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Die Beträge sind oft vier- oder gar fünfstellig, nicht selten geht das ganze Ersparte der Opfer verloren.
Die Masche ist ebenso simpel wie häufig: Die Opfer werden auf stark belebten Strassen oder Plätzen um Klein- oder Wechselgeld gebeten. Wenn sie dann zum Portemonnaie greifen, ziehen die Täter unbemerkt die Banknoten heraus und tauchen sofort in der Menschenmenge unter.
Unbekannte verwickeln ältere Menschen – meist an der Haustür – in ein Gespräch, bitten um ein Darlehen und versuchen, ihnen minderwertige Teppiche oder Lederjacken als Sicherheit aufzuschwatzen. Zum Teil wird diese Variante mit Geschichten von Verwandten angereichert, die angeblich dringend Geld für eine Operation oder medizinische Behandlung benötigen.
Ein Unbekannter klingelt an der Haustür und bittet um Geld, etwa für ein dringend benötigtes Bahnbillett. Angeblich sei der Nachbar, ein Freund oder Verwandter, der für die Auslage hätte aufkommen wollen, nicht zu Hause. Er werde das Geld aber selbstverständlich so schnell wie möglich zurückbezahlen. Natürlich ist das Geld dann unwiderruflich weg.
Die Open-Air-Variante: Ein Unbekannter spricht Sie auf der Strasse an und bittet um Geld, damit er eine Verkehrsbusse bezahlen und so «sein Auto wieder auslösen» kann.
Briefe oder Mails von Unbekannten versprechen hohe Gewinne bei einer spanischen Lotterie – vorausgesetzt, man überweist vorher einen grösseren, bis zu sechsstelligen Betrag an eine bestimmte Adresse. Einen Gewinn gibt es natürlich nie.
Die ältere Dame reagierte auf den seltsamen Telefonanruf so, wie sich das die Betrugsspezialisten bei der Polizei wünschen: Die 74-jährige Frieda M. (Name der Redaktion bekannt) erklärte sich vordergründig bereit, dem Anrufer 60'000 Franken als «Überbrückungskredit» persönlich auszuhändigen. Und der versprach, er werde die Summe «selbstverständlich am nächsten Tag» zurückzahlen.
Am nächsten Tag fand sich der Mann – zusammen mit zwei Komplizen – jedoch nicht im Besitz von 60'000 Franken wieder, sondern im Gewahrsam der Basler Kantonspolizei. Denn das potentielle Opfer hatte gleich nach dem Anruf die Polizei eingeschaltet. Die Strafbehörden klären nun ab, ob auf das Konto der Betrüger – drei polnische Staatsangehörige zwischen 17 und 53 Jahren – noch weitere Delikte gehen.
So glimpflich enden leider die wenigsten Betrugsfälle. «Immer häufiger sind Seniorinnen und Senioren die Opfer», sagt Peter Giger, Chef der Abteilung Prävention bei der Kantonspolizei Bern (siehe nachfolgendes Interview). Es gebe mittlerweile ganze «Berufszweige», die sich auf die Altersgruppe 60 plus spezialisiert hätten. Und oft stehen nicht etwa Einzeltäter, sondern ganze Banden hinter den Betrügereien.
Enkeltrick
- Seien Sie misstrauisch gegenüber Personen, die sich als Verwandte oder Bekannte ausgeben und die Sie selbst nach längerem Gespräch nicht identifizieren können.
- Geben Sie niemals Details zu familiären oder finanziellen Verhältnissen bekannt.
- Sagen Sie den Anrufenden, dass Sie kein Bargeld zu Hause haben.
- Nehmen Sie nach einem Anruf mit finanziellen Forderungen oder Bitten sofort Rücksprache mit Ihren Familienangehörigen oder Vertrauenspersonen.
- Übergeben Sie nie Geld an Unbekannte.
- Informieren Sie bei Verdacht sofort die Polizei (Telefonnummer 117/112).
Trick- oder Taschendiebstahl
- Tragen Sie die Handtasche immer auf der verkehrsabgewandten Seite.
- Bewahren Sie Ihre Schlüssel separat auf.
- Im Laden: Taschen gehören nicht auf den Einkaufswagen. Lassen Sie sich an der Kasse nicht durch nachdrängende Personen aus der Ruhe bringen. Versorgen Sie Ihr Portemonnaie an einem sicheren Ort, bevor Sie die Waren einpacken.
- Im Gedränge: Vorsicht in Zug oder Bus, in Warteschlangen oder auf Rolltreppen.
- An der Haustür: Lassen Sie sich von Unbekannten nicht ablenken und lassen Sie nach Möglichkeit keine fremden Personen in Ihre Wohnung.
Beobachter: Wieso fallen gerade ältere Leute auf den Enkeltrick herein?
Peter Giger*: Es ist nun einmal so, dass die Reaktionsfähigkeit im Alter abnimmt und die Bewegungsmöglichkeiten oft eingeschränkt sind. Betrüger erzeugen mit ihren Anrufen mit Absicht eine Stresssituation, der die Opfer oft nicht gewachsen sind. Zudem appellieren sie an das schlechte Gewissen respektive die Vergesslichkeit und Höflichkeit von Betagten: «Hatte ich da nicht irgendwo tatsächlich noch einen entfernten Verwandten…?»
Beobachter: Im Winterhalbjahr wurden mit dem Enkeltrick drei Millionen Franken ertrogen. Ist das eine realistische Schätzung?
Giger: Wir glauben, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist. Viele Opfer dürften sich zu sehr schämen und gehen nicht zur Polizei – und erzählen auch niemandem, was passiert ist. Wer steht schon gern dumm da?
Beobachter: Wie kommen die Täter an die Adressen?
Giger: Sie können anhand altertümlicher, nicht mehr gebräuchlicher Vornamen wie Berta, Heinrich und so weiter feststellen, dass es sich um ältere Telefonabonnenten handeln muss. Zudem lässt sich heute im Internet gut Ahnenforschung betreiben.
Beobachter: Beim Enkeltrick ist ja in der Regel noch eine dritte Instanz involviert – die Bank.
Giger: Oft würde es schon helfen, wenn man ältere Kunden an einen Diskretschalter bittet, konkrete Fragen über den Bezug grösserer Geldmengen stellt und auf die Gefahr von Enkeltricks hinweist. Doch die hohe Fluktuation beim Bankpersonal hat Folgen: Angestellte, die für das Thema sensibilisiert wurden, sind vielleicht nicht mehr am Schalter, wenn es um so einen Fall geht.
Peter Giger ist Chef Prävention bei der Kantonspolizei Bern.
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© Beobachter Ausgabe 14 vom 08. Jul 2009 - Alle Rechte vorbehalten
Diebe und Betrüger
Halten Sie Ihr Geld fest!
Seniorinnen und Senioren werden häufig Opfer von Betrügern und Dieben. Wie man die Tricks erkennt und sich schützt.
Die ältere Dame reagierte auf den seltsamen Telefonanruf so, wie sich das die Betrugsspezialisten bei der Polizei wünschen: Die 74-jährige Frieda M. (Name der Redaktion bekannt) erklärte sich vordergründig bereit, dem Anrufer 60'000 Franken als «Überbrückungskredit» persönlich auszuhändigen. Und der versprach, er werde die Summe «selbstverständlich am nächsten Tag» zurückzahlen.
Am nächsten Tag fand sich der Mann – zusammen mit zwei Komplizen – jedoch nicht im Besitz von 60'000 Franken wieder, sondern im Gewahrsam der Basler Kantonspolizei. Denn das potentielle Opfer hatte gleich nach dem Anruf die Polizei eingeschaltet. Die Strafbehörden klären nun ab, ob auf das Konto der Betrüger – drei polnische Staatsangehörige zwischen 17 und 53 Jahren – noch weitere Delikte gehen.
So glimpflich enden leider die wenigsten Betrugsfälle. «Immer häufiger sind Seniorinnen und Senioren die Opfer», sagt Peter Giger, Chef der Abteilung Prävention bei der Kantonspolizei Bern (siehe nachfolgendes Interview). Es gebe mittlerweile ganze «Berufszweige», die sich auf die Altersgruppe 60 plus spezialisiert hätten. Und oft stehen nicht etwa Einzeltäter, sondern ganze Banden hinter den Betrügereien.
Es werden Millionen ergaunert
Den Trend bestätigen auch die vorliegenden Zahlen: Zwischen August 2008 und April 2009 wurden in der Schweiz 70 Delikte allein in der Kategorie «Enkeltrick» registriert – und mehr als 360 Versuche. Die Deliktsumme beläuft sich für diesen Zeitraum auf über drei Millionen Franken. Allein der Kanton Bern verzeichnete letztes Jahr 214 Fälle von Trickdiebstählen, ein Drittel der Opfer war älter als 60 Jahre.
Dies sind die Tricks, denen vorwiegend ältere Leute zum Opfer fallen:
Enkeltrick
Die derzeit häufigste Betrugsart appelliert auf perfide Art an die Hilfsbereitschaft. Die Betrüger geben sich am Telefon als Bekannte oder Verwandte aus (deshalb der Name «Enkeltrick»): «Ich bin in einer Notlage und brauche dringend Geld. Selbstverständlich werde ich es umgehend zurückzahlen.» So oder ähnlich klingts aus dem Hörer. Geht man darauf ein, wird man zu einem Treffpunkt bestellt, wo das Geld übergeben werden soll – und auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Die Beträge sind oft vier- oder gar fünfstellig, nicht selten geht das ganze Ersparte der Opfer verloren.
Trickdiebstahl
Die Masche ist ebenso simpel wie häufig: Die Opfer werden auf stark belebten Strassen oder Plätzen um Klein- oder Wechselgeld gebeten. Wenn sie dann zum Portemonnaie greifen, ziehen die Täter unbemerkt die Banknoten heraus und tauchen sofort in der Menschenmenge unter.
Teppich- oder Lederjackenverkäufer
Unbekannte verwickeln ältere Menschen – meist an der Haustür – in ein Gespräch, bitten um ein Darlehen und versuchen, ihnen minderwertige Teppiche oder Lederjacken als Sicherheit aufzuschwatzen. Zum Teil wird diese Variante mit Geschichten von Verwandten angereichert, die angeblich dringend Geld für eine Operation oder medizinische Behandlung benötigen.
Anzeige:
Erschleichen von Bargeld
Ein Unbekannter klingelt an der Haustür und bittet um Geld, etwa für ein dringend benötigtes Bahnbillett. Angeblich sei der Nachbar, ein Freund oder Verwandter, der für die Auslage hätte aufkommen wollen, nicht zu Hause. Er werde das Geld aber selbstverständlich so schnell wie möglich zurückbezahlen. Natürlich ist das Geld dann unwiderruflich weg.
Die Open-Air-Variante: Ein Unbekannter spricht Sie auf der Strasse an und bittet um Geld, damit er eine Verkehrsbusse bezahlen und so «sein Auto wieder auslösen» kann.
Spanische Lotterie
Briefe oder Mails von Unbekannten versprechen hohe Gewinne bei einer spanischen Lotterie – vorausgesetzt, man überweist vorher einen grösseren, bis zu sechsstelligen Betrag an eine bestimmte Adresse. Einen Gewinn gibt es natürlich nie.
Die ältere Dame reagierte auf den seltsamen Telefonanruf so, wie sich das die Betrugsspezialisten bei der Polizei wünschen: Die 74-jährige Frieda M. (Name der Redaktion bekannt) erklärte sich vordergründig bereit, dem Anrufer 60'000 Franken als «Überbrückungskredit» persönlich auszuhändigen. Und der versprach, er werde die Summe «selbstverständlich am nächsten Tag» zurückzahlen.
Am nächsten Tag fand sich der Mann – zusammen mit zwei Komplizen – jedoch nicht im Besitz von 60'000 Franken wieder, sondern im Gewahrsam der Basler Kantonspolizei. Denn das potentielle Opfer hatte gleich nach dem Anruf die Polizei eingeschaltet. Die Strafbehörden klären nun ab, ob auf das Konto der Betrüger – drei polnische Staatsangehörige zwischen 17 und 53 Jahren – noch weitere Delikte gehen.
So glimpflich enden leider die wenigsten Betrugsfälle. «Immer häufiger sind Seniorinnen und Senioren die Opfer», sagt Peter Giger, Chef der Abteilung Prävention bei der Kantonspolizei Bern (siehe nachfolgendes Interview). Es gebe mittlerweile ganze «Berufszweige», die sich auf die Altersgruppe 60 plus spezialisiert hätten. Und oft stehen nicht etwa Einzeltäter, sondern ganze Banden hinter den Betrügereien.
So machen Sie es Betrügern schwer
Enkeltrick
Trick- oder Taschendiebstahl
Polizei-Experte Peter Giger
«Täter suchen altertümliche Namen»
Beobachter: Wieso fallen gerade ältere Leute auf den Enkeltrick herein?
Peter Giger*: Es ist nun einmal so, dass die Reaktionsfähigkeit im Alter abnimmt und die Bewegungsmöglichkeiten oft eingeschränkt sind. Betrüger erzeugen mit ihren Anrufen mit Absicht eine Stresssituation, der die Opfer oft nicht gewachsen sind. Zudem appellieren sie an das schlechte Gewissen respektive die Vergesslichkeit und Höflichkeit von Betagten: «Hatte ich da nicht irgendwo tatsächlich noch einen entfernten Verwandten…?»
Beobachter: Im Winterhalbjahr wurden mit dem Enkeltrick drei Millionen Franken ertrogen. Ist das eine realistische Schätzung?
Giger: Wir glauben, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist. Viele Opfer dürften sich zu sehr schämen und gehen nicht zur Polizei – und erzählen auch niemandem, was passiert ist. Wer steht schon gern dumm da?
Beobachter: Wie kommen die Täter an die Adressen?
Giger: Sie können anhand altertümlicher, nicht mehr gebräuchlicher Vornamen wie Berta, Heinrich und so weiter feststellen, dass es sich um ältere Telefonabonnenten handeln muss. Zudem lässt sich heute im Internet gut Ahnenforschung betreiben.
Beobachter: Beim Enkeltrick ist ja in der Regel noch eine dritte Instanz involviert – die Bank.
Giger: Oft würde es schon helfen, wenn man ältere Kunden an einen Diskretschalter bittet, konkrete Fragen über den Bezug grösserer Geldmengen stellt und auf die Gefahr von Enkeltricks hinweist. Doch die hohe Fluktuation beim Bankpersonal hat Folgen: Angestellte, die für das Thema sensibilisiert wurden, sind vielleicht nicht mehr am Schalter, wenn es um so einen Fall geht.
Peter Giger ist Chef Prävention bei der Kantonspolizei Bern.
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© Beobachter Ausgabe 14 vom 08. Jul 2009 - Alle Rechte vorbehalten