Rauchen
Jetzt ist Schluss
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Endlich frei vom Drang zur Zigarette: Es gibt viele Methoden, dem Rauchen abzuschwören – mit unterschiedlichen Erfolgsaussichten. Eine Übersicht.
Es wirkt im Gehirn wie Heroin oder Kokain. Das Nikotin macht das Aufhören so schwierig. Es dockt im Belohnungszentrum an einem Rezeptor an, der für die Ausschüttung des Glückshormons Dopamin zuständig ist, und fährt dessen Produktion hoch. Das vermittelt dem Raucher das ersehnte Entspannungs- und Glücksgefühl. Sinkt der Nikotinspiegel im Blut, wandelt sich die Stimmung ins Gegenteil. Der Griff zur nächsten Zigarette ist programmiert.
Die meisten brauchen viele Versuche, um vom Nikotin loszukommen. Rund zwei Millionen Raucher gibt es in der Schweiz. Jeder zweite versucht Jahr für Jahr davon loszukommen. Aber es gelingt nur jeder zehnte Versuch, dauerhaft vom Glimmstängel wegzukommen.
Wer nicht raucht, erspart sich vieles: Tabakkonsum ist nicht nur mit einem häufigen Auftreten von Krebs, Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden, sondern kann auch zu Atemwegskrankheiten, Infekten, Osteoporose, Zahn- und Zahnfleischerkrankungen führen. Auch Geschmacks-, Geruchs- und Sehsinn werden beeinträchtigt.
Zudem altern Raucher schneller, sind im Vergleich zu Gleichaltrigen weniger leistungsfähig, sterben im Schnitt zehn Jahre früher als Nichtraucher und geben in zehn Jahren rund 20'000 Franken für Zigaretten aus. Gemäss Bundesamt für Statistik sterben in der Schweiz jährlich rund 9000 Personen an den Folgen des Rauchens.
Wie schwer das Aufhören fällt, hängt wesentlich davon ab, wie abhängig und gesund man ist: Gute Aussichten haben leichte Raucher, die keine schwereren Krankheiten haben und gut motiviert sind. Wenn dazu erste unangenehme Nebenwirkungen den Alltag stören, der Arzt zum Aufhören rät und man eine effiziente Aufhörmethode wählt, sind die Chancen noch besser.
Ein Drittel schafft es irgendwann nach einem von etlichen Spontanentschlüssen, ein weiteres Drittel mit Entwöhnungsmethoden. Die höchste Erfolgsquote hat die professionelle Verhaltenstherapie in Verbindung mit einem Ersatzpräparat oder einem Medikament. Das zeigen weltweite Studien. Jeder Dritte ist ein Jahr nach einem solchen Aufhörversuch noch rauchfrei. Etwa die Hälfte davon bleibt es dauerhaft.
Nikotinersatzpräparate, die in Apotheken erhältlich sind, mildern den Entzug. Ob Pflaster oder Pastille ist egal, die Wirksamkeit ist ähnlich. Viele Rauchstopp-Willige sind jedoch zu ungeduldig und brechen zu früh ab oder reduzieren die Dosis, um zu sparen.
Etwas besser funktionieren verschreibungspflichtige Medikamente. Champix verfolgt eine doppelte Strategie: Es setzt sich auf die vom Nikotin bevorzugten Rezeptoren und überrumpelt so das Gehirn. Gleichzeitig blockiert es die Rezeptoren gegenüber Nikotinmolekülen. Deshalb bleibt der erhoffte Effekt aus, wenn man trotzdem eine Zigarette raucht. Das zweite Mittel ist Zyban, eigentlich ein Antidepressivum, das in den Dopaminhaushalt eingreift. Es verursacht stärkere Nebenwirkungen wie Schlafstörungen, Mundtrockenheit oder Schweissausbrüche. Zyban lässt sich aber gut mit einem Nikotinersatzmittel kombinieren.
Die Einnahmedauer ist bei allen Präparaten gleich. Sie müssen drei Monate lang in der vorgeschriebenen Dosierung eingenommen werden, sonst tritt die Wirkung nicht ein und die Entzugserscheinungen sind so stark, dass der Patient die Therapie abbricht. Abhängig machen sie nicht. Nach rund sechs Wochen verschwinden die Entzugserscheinungen langsam.
Die Verhaltenstherapie wirkt gegen die psychische Komponente der Tabaksucht und hält die Motivation hoch. Denn wie das Gehirn «gelernt» hat, in gewissen Situationen Lust auf eine Zigarette zu bekommen, so «verlernt» es diese Einstellung mit der Zeit wieder. In Therapien an Spitälern gibt es meist individuelle Gespräche, während das Programm «Nicht mehr rauchen» der Krebsliga Zürich auf Gruppentherapien setzt.
Ein Rest von Sucht bleibt praktisch immer zurück. In allen Verhaltenstherapien daher ein zentrales Thema: Wie bewältige ich Krisen – privat, gesundheitlich oder bei der Arbeit?
Sehr wichtig ist auch, dass man aktiv etwas gegen den natürlichen Reflex unternimmt, mehr essen zu wollen. Denn der Körper fordert statt der Zigarette andere Belohnungen. Die Gewichtszunahme von etwa vier Kilo, die oft angegeben wird, ist nur ein Durchschnittswert. Es ist ratsam, mit dem Rauchstopp auch ein Bewegungstraining zu beginnen.
Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, nur mit professioneller Beratung oder mit Hilfe der entsprechenden Ratgeberliteratur allein vom Rauchen loszukommen. Manche Aufhörwillige suchen Hilfe in alternativen Methoden wie Hypnose oder Akupunktur, weil sie damit gegen andere Beschwerden schon Erfolg hatten oder weil andere Raucherentwöhnungsmethoden bei ihnen versagten. Rauchstopp-Methoden im Überblick:
| Methode | So funktionierts | Vor- und Nachteile | Erfolgsquote* |
|---|
Professionelle Verhaltens-therapie und Medikamente | Ein Vierteljahr lang wöchentliche Verhaltens-therapie beim Arzt (individuell oder Gruppe), dazu Nikotinersatz-präparate oder Medikamente | | + | ärztliche Kontrolle | | + | Motivationshelfer und Ansprechperson für Medikamente vorhanden | | + | wird von der Krankenkasse bezahlt | | - | hoher Aufwand an Zeit und Disziplin |
| zirka 33 Prozent |
Nur professionelle Verhaltens- therapie | Ein Vierteljahr lang wöchentliche Verhaltenstherapie beim Arzt (individuell oder Gruppe) | | + | Motivationshelfer vorhanden | | + | wird meist von der Krankenkasse bezahlt | | - | eventuell keine direkte Ansprechperson für Medikamente |
| zirka 25 Prozent |
Verhaltens- therapie in Eigenregie | Kauf und Lektüre von Fachliteratur und Rauchentwöhnungs-ratgebern | | - | kein professioneller Motivationshelfer | | - | kein direkter Ansprechpartner bei Wunsch nach Medikamenten | | - | Krankenkasse zahlt nicht |
| 15 bis 20 Prozent |
Nikotinersatz- präparate in Eigenregie | Ein Vierteljahr lang Nikotinersatzpräparate aus der Apotheke gegen die Entzugserscheinungen einnehmen | | - | viel Disziplin erforderlich: Therapie muss ohne professionelle Motivationshilfe durchgezogen werden | | - | Krankenkasse zahlt nicht |
| 10 bis 15 Prozent |
Spontan- entschluss | Aufhören von heute auf morgen | | + | keine finanziellen und zeitlichen Aufwendungen für die Therapie | | - | sehr hohe Motivation und geringe Abhängigkeit vom Rauchen nötig | | - | meist mehrere Anläufe nötig |
| 1 bis 5 Prozent |
Alternative Therapien | Akupunktur, Hypnose | | - | bislang kein wissenschaftlicher Wirkungsnachweis vorhanden | | - | wird nicht von der Krankenkasse bezahlt |
| keine Angaben |
*Anteil der Aufhörwilligen, die ein Jahr nach einem Rauchstoppversuch noch rauchfrei sind
Diverse Rauchentwöhnungsprogramme: www.gesundheitspass.ch
Raucherberatung des Universitätsspitals Zürich:
Rauchstoppzentrum Zürich:
Krebsliga «Nicht mehr rauchen»-Kurse in Zürich und Winterthur:
Rauchstopp-Tipps der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz: www.at-schweiz.ch
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© Beobachter Online 23. Dez 2011 - Alle Rechte vorbehalten
Rauchen
Jetzt ist Schluss
Endlich frei vom Drang zur Zigarette: Es gibt viele Methoden, dem Rauchen abzuschwören – mit unterschiedlichen Erfolgsaussichten. Eine Übersicht.
Es wirkt im Gehirn wie Heroin oder Kokain. Das Nikotin macht das Aufhören so schwierig. Es dockt im Belohnungszentrum an einem Rezeptor an, der für die Ausschüttung des Glückshormons Dopamin zuständig ist, und fährt dessen Produktion hoch. Das vermittelt dem Raucher das ersehnte Entspannungs- und Glücksgefühl. Sinkt der Nikotinspiegel im Blut, wandelt sich die Stimmung ins Gegenteil. Der Griff zur nächsten Zigarette ist programmiert.
Die meisten brauchen viele Versuche, um vom Nikotin loszukommen. Rund zwei Millionen Raucher gibt es in der Schweiz. Jeder zweite versucht Jahr für Jahr davon loszukommen. Aber es gelingt nur jeder zehnte Versuch, dauerhaft vom Glimmstängel wegzukommen.
Wer nicht raucht, erspart sich vieles: Tabakkonsum ist nicht nur mit einem häufigen Auftreten von Krebs, Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden, sondern kann auch zu Atemwegskrankheiten, Infekten, Osteoporose, Zahn- und Zahnfleischerkrankungen führen. Auch Geschmacks-, Geruchs- und Sehsinn werden beeinträchtigt.
Zudem altern Raucher schneller, sind im Vergleich zu Gleichaltrigen weniger leistungsfähig, sterben im Schnitt zehn Jahre früher als Nichtraucher und geben in zehn Jahren rund 20'000 Franken für Zigaretten aus. Gemäss Bundesamt für Statistik sterben in der Schweiz jährlich rund 9000 Personen an den Folgen des Rauchens.
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Wer gesund ist, kommt leichter davon los
Wie schwer das Aufhören fällt, hängt wesentlich davon ab, wie abhängig und gesund man ist: Gute Aussichten haben leichte Raucher, die keine schwereren Krankheiten haben und gut motiviert sind. Wenn dazu erste unangenehme Nebenwirkungen den Alltag stören, der Arzt zum Aufhören rät und man eine effiziente Aufhörmethode wählt, sind die Chancen noch besser.
Ein Drittel schafft es irgendwann nach einem von etlichen Spontanentschlüssen, ein weiteres Drittel mit Entwöhnungsmethoden. Die höchste Erfolgsquote hat die professionelle Verhaltenstherapie in Verbindung mit einem Ersatzpräparat oder einem Medikament. Das zeigen weltweite Studien. Jeder Dritte ist ein Jahr nach einem solchen Aufhörversuch noch rauchfrei. Etwa die Hälfte davon bleibt es dauerhaft.
Wie man das Verlangen abschwächt
Nikotinersatzpräparate, die in Apotheken erhältlich sind, mildern den Entzug. Ob Pflaster oder Pastille ist egal, die Wirksamkeit ist ähnlich. Viele Rauchstopp-Willige sind jedoch zu ungeduldig und brechen zu früh ab oder reduzieren die Dosis, um zu sparen.
Etwas besser funktionieren verschreibungspflichtige Medikamente. Champix verfolgt eine doppelte Strategie: Es setzt sich auf die vom Nikotin bevorzugten Rezeptoren und überrumpelt so das Gehirn. Gleichzeitig blockiert es die Rezeptoren gegenüber Nikotinmolekülen. Deshalb bleibt der erhoffte Effekt aus, wenn man trotzdem eine Zigarette raucht. Das zweite Mittel ist Zyban, eigentlich ein Antidepressivum, das in den Dopaminhaushalt eingreift. Es verursacht stärkere Nebenwirkungen wie Schlafstörungen, Mundtrockenheit oder Schweissausbrüche. Zyban lässt sich aber gut mit einem Nikotinersatzmittel kombinieren.
Die Einnahmedauer ist bei allen Präparaten gleich. Sie müssen drei Monate lang in der vorgeschriebenen Dosierung eingenommen werden, sonst tritt die Wirkung nicht ein und die Entzugserscheinungen sind so stark, dass der Patient die Therapie abbricht. Abhängig machen sie nicht. Nach rund sechs Wochen verschwinden die Entzugserscheinungen langsam.
Die Verhaltenstherapie wirkt gegen die psychische Komponente der Tabaksucht und hält die Motivation hoch. Denn wie das Gehirn «gelernt» hat, in gewissen Situationen Lust auf eine Zigarette zu bekommen, so «verlernt» es diese Einstellung mit der Zeit wieder. In Therapien an Spitälern gibt es meist individuelle Gespräche, während das Programm «Nicht mehr rauchen» der Krebsliga Zürich auf Gruppentherapien setzt.
Ein Rest von Sucht bleibt praktisch immer zurück. In allen Verhaltenstherapien daher ein zentrales Thema: Wie bewältige ich Krisen – privat, gesundheitlich oder bei der Arbeit?
Sehr wichtig ist auch, dass man aktiv etwas gegen den natürlichen Reflex unternimmt, mehr essen zu wollen. Denn der Körper fordert statt der Zigarette andere Belohnungen. Die Gewichtszunahme von etwa vier Kilo, die oft angegeben wird, ist nur ein Durchschnittswert. Es ist ratsam, mit dem Rauchstopp auch ein Bewegungstraining zu beginnen.
Alleingang und alternative Methoden
Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, nur mit professioneller Beratung oder mit Hilfe der entsprechenden Ratgeberliteratur allein vom Rauchen loszukommen. Manche Aufhörwillige suchen Hilfe in alternativen Methoden wie Hypnose oder Akupunktur, weil sie damit gegen andere Beschwerden schon Erfolg hatten oder weil andere Raucherentwöhnungsmethoden bei ihnen versagten. Rauchstopp-Methoden im Überblick:
Sechs Methoden, die Nikotinsucht loszuwerden
Verhaltens-therapie und
Medikamente
Prozent
professionelle
Verhaltens-
therapie
Prozent
therapie
in Eigenregie
Prozent
präparate
in Eigenregie
Prozent
entschluss
auf morgen
Prozent
Therapien
Angaben
*Anteil der Aufhörwilligen, die ein Jahr nach einem Rauchstoppversuch noch rauchfrei sind
Hilfe bei der Rauchentwöhnung
Diverse Rauchentwöhnungsprogramme: www.gesundheitspass.ch
Raucherberatung des Universitätsspitals Zürich:
Rauchstoppzentrum Zürich:
Krebsliga «Nicht mehr rauchen»-Kurse in Zürich und Winterthur:
Rauchstopp-Tipps der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz: www.at-schweiz.ch
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