Altersvorsorge Wo ist mein Pensionskassengeld?

Wird Ihr Arbeitsverhältnis aufgelöst, muss der Arbeitgeber das der Vorsorgeeinrichtung melden. Daraufhin erstellt diese eine Abrechnung über die Freizügigkeitsleistung und will wissen, wohin das Geld zu überweisen ist.

Wenn Sie den Arbeitgeber wechseln, zieht auch Ihr Pensionskassenguthaben um. Selbst wenn Sie keine neue Stelle annehmen, ist Ihnen Ihr Guthaben sicher – es begleitet Sie ein Leben lang. Sofern Sie es nicht irgendwo achtlos liegen lassen.

aktualisiert am 04. Feb 2015 14:28

Nur noch wenige Angestellte verbringen ihr ganzes Erwerbsleben beim gleichen Arbeitgeber. Die grosse Mehrheit wechselt mehrmals, vielleicht sogar die Erwerbsform: angestellt, selbständig oder eine Kombination davon. Und viele müssen sogar damit rechnen, irgendwann im Lauf des Berufslebens einmal arbeitslos zu werden.

Was bei alledem bleibt, ist der Anspruch auf die eigenen PK-Beiträge wie auch jene des Arbeitgebers. Damit soll der erworbene Vorsorgeschutz der Versicherten aufrechterhalten werden. So steht es im Freizügigkeitsgesetz, das seit 1995 in Kraft ist. Wie hoch diese Austritts- oder Freizügigkeitsleistung genau ist, hängt von der jeweiligen Berechnungsmethode ab. Diese wiederum richtet sich nach der Art der Kasse und dem jeweiligen Reglement.

Was geschieht mit Ihrem Guthaben?

Wird Ihr Arbeitsverhältnis aufgelöst, muss der Arbeitgeber das der Vorsorgeeinrichtung melden. Daraufhin erstellt diese eine Abrechnung über die Freizügigkeitsleistung und will wissen, wohin das Geld zu überweisen ist. Falls kein Eintritt in eine andere Pensionskasse vorgesehen ist, muss die Pensionskasse Sie auf die Möglichkeiten aufmerksam machen, wie der Vorsorgeschutz aufrechterhalten bleibt:

  • Wenn Sie die Erwerbstätigkeit unterbrechen oder künftig weniger verdienen als der versicherbare Mindestlohn: Sie sind verpflichtet, das Geld auf eine Freizügigkeitspolice, ein Freizügigkeitskonto oder in eine Auffangeinrichtung zu überweisen (in einer Auffangeinrichtung ist jedoch nur das BVG-Obligatorium versichert). Auf jeden Fall bleibt das Geld für Ihre Altersvorsorge und allenfalls auch für die Absicherung bei Invalidität und Tod gebunden; eine Auszahlung ist nicht möglich.

  • Wenn Sie arbeitslos werden: Auch in diesem Fall können Sie das Geld auf eine Freizügigkeitspolice oder auf ein Freizügigkeitskonto überweisen lassen. Bei der Arbeitslosenversicherung sind Sie zudem gegen Invalidität und Tod versichert, falls Ihr Tageslohn über Fr. 81.20 beträgt. Das ist der sogenannte Tagesgrenzbetrag; er entspricht dem BVG-Mindestjahreslohn von aktuell 21'150 Franken, umgerechnet auf einen Arbeitstag. Wie bei einer Pensionskasse wird nur jener Teil Ihres Taggelds versichert, der über dem Koordinationsabzug liegt. Die Prämien zahlen Sie und die Arbeitslosenkasse je zur Hälfte; Ihr Anteil wird direkt vom Taggeld abgezogen.


Erhält die Pensionskasse keine Information, was mit dem Guthaben geschehen soll, muss sie die Freizügigkeitsleistung spätestens zwei Jahre nach dem Austritt des Arbeitnehmers an die Stiftung Auffangeinrichtung BVG überweisen. Diese Stiftung verwaltet die Freizügigkeitsleistung, bis sich der rechtmässige Besitzer meldet und das Geld wieder in seine Vorsorgeplanung integriert.

Vergessene Guthaben suchen

Wenn Sie gar nicht wissen, ob irgendwo noch Vorsorgegelder «parkiert» sind, können Sie die Zentralstelle 2. Säule mit einer Suche beauftragen, sie meldet Ihnen dann, falls sie tatsächlich auf vergessene oder verlorene Gelder stösst. Die Zentralstelle 2. Säule ist die Verbindung zwischen den Einrichtungen der zweiten Säule und den Versicherten: Die Vorsorgeeinrichtungen müssen der Zentralstelle regelmässig Guthaben melden, die vergessen gegangen sind oder bei denen kein Kontakt mehr zum Versicherten besteht. Die Zentralstelle verwaltet selbst keine Guthaben und entscheidet auch nicht über Ansprüche.

Es gibt auch Firmen, die damit werben, Guthaben aus der zweiten Säule für Sie zu suchen. Für die Vermittlung des Guthabens erhält die Firma eine Provision. Statt jedoch eine Firma mit der Suche zu beauftragen und dafür Geld bezahlen, können Sie selbst ein Gesuch bei der Zentralstelle einreichen. Das ist mit keinem grossen Aufwand verbunden. Alle notwendigen Informationen sowie ein Formular für Ihr Gesuch finden Sie unter «Anfrage bei der Zentralstelle 2. Säule».

Sie erleichtern der Zentralstelle die Suche, wenn Sie Kopien von Dokumenten beilegen, die Ihre damaligen Arbeitsverhältnisse belegen (zum Beispiel AHV-Ausweis, Versichertenausweis zweite Säule, Lohnausweis oder Arbeitsvertrag). Nicht nötig sind Wohnsitzbestätigungen, Zivilstandsnachweise oder Familienbescheinigungen.

Wenn die Zentralstelle vergessene Guthaben von Ihnen findet, werden Sie und die zuständige Vorsorgeeinrichtung informiert. Wenn Sie sich bei dieser melden, wird sie über eine allfällige Auszahlung an Sie entscheiden.

 

Was ist beim Antritt einer neuen Stelle zu tun?

Verlangen Sie bei einem neuen Arbeitgeber das Reglement der neuen Pensionskasse und prüfen Sie, ob und was sich an den Vorsorgeleistungen ändern wird. Wenden Sie sich dafür an die Geschäftsstelle der PK, an einen der Arbeitnehmervertreter im Stiftungsrat oder die Personalabteilung.

  • Falls die Leistungen schlechter sind als in der letzten Pensionskasse, werden Sie nicht das ganze Freizügigkeitsguthaben brauchen, um sich in der neuen Kasse zu versichern. Das restliche Geld können Sie auf ein Freizügigkeitskonto oder eine Freizügigkeitspolice einzahlen.

  • Falls die Leistungen gleich gut oder besser sind, können Sie die Möglichkeit prüfen, freiwillige Beiträge in die neue Vorsorgeeinrichtung zu zahlen, um Ihr Altersguthaben aufzustocken.

Freizügigkeitsleistung auszahlen lassen?

Die Austrittsleistung wird nur in wenigen Fällen ausgezahlt:

  • beim endgültigen Verlassen der Schweiz (mit Abmeldebestätigung der Wohnsitzgemeinde). Eine längere Reise gilt nicht als Auszahlungsgrund. Die Pensionskasse kann mit der Auszahlung auch einige Monate zuwarten, bis die Auswanderungsabsicht glaubhaft gemacht ist;

  • wenn Sie sich selbständig machen und Ihr Einkommen aus dieser Tätigkeit Ihren Haupterwerb darstellt (mit Bestätigung der AHV-Ausgleichskasse);

  • wenn die Austrittsleistung weniger als einen Jahresbeitrag des Arbeitnehmers ausmacht.


Falls Sie verheiratet sind, muss Ihr Ehegatte oder Ihre Ehegattin der Auszahlung zustimmen.

Konto oder Police: Der Unterschied

  • Freizügigkeitskonten werden von Banken geführt. Hier wird lediglich das Alterskapital deponiert und verzinst zu einem Satz, der in der Regel über dem von Spareinlagen liegt. Die Risiken Invalidität und Tod sind nicht versichert. Statt auf ein Konto mit festem Zinssatz können Sie das Geld auch auf ein Wertschriftenkonto einzahlen; dieses muss aber die gesetzlichen Bestimmungen für BVG-Anlagen erfüllen. Solche Wertschriften enthalten unterschiedliche Aktienanteile – je höher der Aktienanteil, desto besser die längerfristige Renditeerwartung, desto grösser aber auch das Verlustrisiko.

  • Freizügigkeitspolicen werden von Versicherungsgesellschaften angeboten. Für die Altersvorsorge können Sie wählen zwischen einem Alterskapital – das beim Tod beziehungsweise bei Erreichen des AHV-Rentenalters ausbezahlt wird – und einer Altersrente ab AHV-Rentenalter bis zum Tod. Wahlweise können Sie dazu andere Risiken versichern: Invalidenrente, Witwenrente, Waisenrente. Prüfen Sie aber genau, welche Leistungen Sie erhalten; in aller Regel sind diese bescheiden. Zudem wird das angelegte Kapital nur minimal verzinst. Prämien werden für diese Versicherungen nicht verlangt; Basis für die Leistungen bildet die Freizügigkeitssumme.


Wichtig: Prüfen Sie die Möglichkeit, nicht benötigte Austrittsleistungen auf zwei Freizügigkeitseinrichtungen zu verteilen. Dann können Sie die Guthaben im Alter gestaffelt beziehen und so die Steuerprogression senken.

Autor:
  • Christian Kaiser
  •  und Fritz Keller
Bild:
  • Thinkstock Kollektion