Pensionskassen Riskanter Vorbezug

Beim Immobilienkauf greifen Schweizer gern auf ihre Ersparnisse in der zweiten Säule zurück. Doch das kann gründlich schief gehen.

Verlockung Eigenheim: Es kann sich lohnen, den Immobilienkauf zu vertagen.

Der Weg zum Eigenheim führt vor allem junge Familien oft nicht zuerst zur Bank, sondern zur Pensionskasse. Weil das Ersparte für den Kauf eines Hauses oder einer Wohnung nicht reicht, ist die Versuchung gross, sich den Traum von den eigenen vier Wänden mit dem Vorbezug von Pensionskassengeldern zu erfüllen.

Per Unterschrift plötzlich über Eigenkapital in fünf- oder sechsstelliger Höhe zu verfügen, ist verlockend - und birgt Gefahren. Stefan Rohner, Notar des Grundbuchamts Niederglatt: «Oft muss eine Liegenschaft wegen Scheidung oder Wohnortwechsels zu einem ungünstigen Preis verkauft werden. Der Erlös reicht dann häufig nicht aus, um die vorbezogene Summe wieder in die Pensionskasse zurückzuzahlen, obwohl das Gesetz das verlangt.» Die schwerwiegenden Folgen sind, dass sich die Alters-, Invaliden- und Hinterlassenenleistungen innerhalb der zweiten Säule reduzieren.

Über diese Konsequenzen seien sich viele künftige Hausbesitzer nicht im Klaren, sagt Stefan Rohner und spricht von einer «Zeitbombe». Als weniger problematisch erachtet er eine Verpfändung des Pensionskassen-Guthabens, weil sich dadurch die Leistungen nicht reduzieren würden: «In vielen Fällen lohnt es sich jedoch, einen Immobilienkauf um zwei bis drei Jahre hinauszuschieben. In dieser Zeit kann nochmals gezielt freies Kapital gespart und somit auf einen PK-Vorbezug oder eine Verpfändung verzichtet werden. Das ist allemal die bessere Lösung.»

Wer es trotzdem eilig hat, kann sich gegen Leistungskürzungen bei Tod und Invalidität absichern. Die Pensionskassen bieten solche Zusatzversicherungen selber an oder vermitteln sie.

Text:
  • Hansjürg Reber
Bild:
  • Agentur Gettyimages
25. Oktober 2006, Beobachter 22/2006