Verlustscheine Verjährungsfrist unterbrechen – geht das?

Alte Schulden bezahlen
Liegt ein Verlustschein nicht länger als 20 Jahre zurück, können alte Schulden einen wieder einholen.

2017 verjähren in der Schweiz Millionen von Verlustscheinen. Es sei denn, die Gläubiger unterbrechen die Verjährungsfrist. Wie das geht und was Schuldner machen können.

aktualisiert am 28. Okt 2016 11:46

Am 1. Januar 2017 verjähren alle Verlustscheine, die vor 1997 ausgestellt wurden. Es sind Millionen. Allein die Steuerverwaltung des Kantons Bern sass damals auf 300'000 alten Verlustscheinen.

«Forderungen im Umfang von 15 Milliarden Franken sind von der Verjährung bedroht», rechnete Marcel Schmidlin von der Creditreform Egeli Basel Anfang Jahr hoch. Diese Verlustscheine – umgangssprachlich auch Schuldscheine genannt – verjähren nun. Es sei denn, die Gläubiger unternehmen vorher etwas dagegen. Wie das geht und wie Schuldner sich wehren können, erfahren Sie im Folgenden:

Was ist ein Verlustschein?

Mit dem Verlustschein wird dem Gläubiger amtlich bestätigt, dass er in einem Pfändungs- oder Konkursverfahren ganz oder teilweise zu Verlust gekommen ist.

Wie unterscheidet sich der Pfändungs- vom Konkursverlustschein?

Mit dem Pfändungsverlustschein kann der Gläubiger innert sechs Monaten nach Erhalt und ohne neuen Zahlungsbefehl die Pfändung verlangen. Mit dem Konkursverlustschein muss er ein neues Betreibungsverfahren einleiten. Wenn der Schuldner nicht zu neuem Vermögen gekommen ist, kann er sich mit dem entsprechenden Rechtsvorschlag dagegen wehren.

Was gehört zur Verlustschein­forderung?

Nur der im Verlustschein vermerkte «ungedeckt gebliebene Betrag». Die Verlustscheinforderung ist unverzinslich, und der Gläubiger darf später auch keinen sogenannten Verzugsschaden verlangen.

Wann verjährt ein Verlustschein?

Verlustscheine verjähren 20 Jahre nach der Ausstellung. Das gilt seit der Revision des Gesetzes über Schuld­betreibung und Konkurs (SchKG), die am 1. Januar 1997 in Kraft trat. Zuvor waren Verlustscheine unverjährbar. Diese älteren Papiere verjähren am 
1. Januar 2017 – 20 Jahre nach Inkrafttreten der SchKG-Revision. Anders ist es, wenn der Schuldner stirbt: Der Verlustschein verjährt dann bereits ein Jahr nach dem Tod.

Kann der Gläubiger die Verjährungsfrist unterbrechen?

Ja, das ist bei einer erneuten Betreibung oder einer Gerichtsklage der Fall. Des Weiteren wird die Frist unterbrochen, wenn der Schuldner die Forderung des Gläubigers anerkennt oder einen Teil davon bezahlt. Mit jeder Unterbrechung beginnt eine neue Frist von 20 Jahren zu laufen.

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Betreibungen können einstweilen sehr mühsam und das Verfahren harzig sein. Mitglieder von Guider können sich mit Checklisten und Merkblättern ein genaues Bild über den Ablauf von Betreibungen machen. Sie erfahren, wie Gläubiger zu ihrem Geld kommen und welche Schutzmechanismen Schuldner zur Verfügung stehen.

Betreibung: Die wichtigsten Schritte
Betreibungskosten: Kostenbemessung für Zahlungsbefehle und Rechtsöffnung
Rechtsöffnungsverfahren: Wie funktioniert das?
Rechtsöffnungstitel: Provisorisch oder definitiv?
Schuldner: Erneut betrieben - Einrede kein neues Vermögen
Gläubiger: Der Arrest als Sicherungsmittel

Muss der Schuldner Auskunft über seine Einkommens- und Vermögens­verhältnisse geben, wenn ihm der Gläubiger mit einer neuen Betreibung droht?

Nein, der Schuldner ist dazu nicht verpflichtet. Ebenso wenig muss er dem Gläubiger Unterlagen wie eine Steuerrechnung oder den Pensionskassen­bescheid offenlegen.

Bringt der Verlustschein in einer neuen Betreibung einen Vorteil?

Ja, denn der Verlustschein gilt als ­Schuldanerkennung. Er berechtigt den Gläubiger zur provisorischen Rechtsöffnung, falls der Schuldner eine neue Betreibung mit einem Rechtsvorschlag stoppt. Ausserdem ist der Verlustschein ein sogenannter Arrestgrund: Wenn der Gläubiger erfährt, dass der Schuldner über Vermögenswerte verfügt, kann er sie auf dem Konto einfrieren lassen. Mehr zum Arrest als Sicherungsmittel in der Box «Checklisten und Merkblätter zu Betreibung» (exklusiv für Guider-Mitglieder).

Darf der Gläubiger den Verlustschein durch eine Inkassofirma eintreiben lassen?

Ja. Aber die Kosten dafür muss der Gläubiger selber tragen.

Hat der Schuldner bei einem alten Verlustschein Anspruch auf einen Teilerlass?

Nein. Aber manchmal sind Gläubiger dazu bereit, auf einen Teil der Forderung zu verzichten. Als Faustregel gilt: Je älter der Verlustschein, umso höher sollte der Erlass sein.

Was muss der Gläubiger tun, wenn der Schuldner die ganze Schuld bezahlt?

Dann muss der Gläubiger den Verlustschein dem Schuldner oder dem Betreibungsamt herausgeben, damit das Amt den Eintrag im Betreibungsregister löschen kann.

Wie lange bleibt ein Verlustschein 
im Betreibungsregister eingetragen?

So lange, bis die Schuld bezahlt oder verjährt ist.

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Autor:
  • Michael Krampf
Bild:
  • Getty Images