Diego Maradona
Schmucklos glücklich
Die italienischen Steuerbehörden liessen Diego Maradonas Ohrringe pfänden. Wir sagen ihm, wie er das in Zukunft vermeiden kann.
Das ist tatsächlich recht ärgerlich, Diego Maradona. Da hockt man zum Abspecken in einer voralpinen Rehabilitationsklinik, bekommt weder etwas Vernünftiges zu essen noch zu trinken. Und plötzlich stehen ein paar Uniformierte im Zimmer und schrauben einem die Diamanten aus den Ohrläppchen.
Offenbar haben Sie in der Hektik des Alltags übersehen, dass aus Ihrer Zeit als Fussballer beim italienischen Fiskus noch eine Steuerrechnung offengeblieben ist (die Rede ist von lächerlichen 31 Millionen Euro). Wenn Sie nicht zahlen, werden die Behörden Ihre Klunker demnächst an den Meistbietenden versteigern und dafür geschätzte 4000 Euro erhalten. Das ist doch immerhin schon etwas. Wie Sie sicher wissen, ist es für einen Gläubiger schampar schwer, einen im Ausland wohnenden Schuldner zu betreiben. Deshalb kennen die Gesetzbücher vieler europäischer Länder das Prinzip des «Taschenarrests». Hält sich ein Schuldner wieder im Land auf, darf man pfänden, was er in den Taschen trägt – oder auch ums Handgelenk respektive an den Ohren.
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Die Sache mit den Neidern
Da Sie ja immer mal wieder in Italien weilen, sollten Sie diesem unwürdigen Spektakel ein Ende bereiten und sich mit den Steuerbehörden auf eine Abzahlung einigen. Vielleicht können Sie ja einen Teilerlass erwirken. Sollten Sie jedoch weiter auf dem Standpunkt beharren, Ihr ehemaliger Arbeitgeber müsse diese Steuerausstände für Sie bezahlen, so legen Sie bei Ihren Italienbesuchen weniger protzig auf. Schweissperlen zum Beispiel sind nicht pfändbar.
Am besten verzichten Sie ganz auf Schmuck. Schliesslich diente der ursprünglich nicht der Verzierung, sondern der Ablenkung – das wenigstens behauptet das Handbuch des Aberglaubens: Bräute wurden mit Edelsteinen geschmückt, um den Neid der Hochzeitsgäste von der Frau auf das Schmuckstück zu lenken. Und genau so etwas haben Sie doch gar nicht nötig. Denn Neider haben Sie wohl in Ihrer heutigen Lage nur wenige.
© Beobachter Ausgabe 21 vom 15. Okt 2009 - Alle Rechte vorbehalten




