Asperger-Syndrom

Autor: Onmeda-Ärzteteam  

Überblick

Mit anderen zu kommunizieren ist für sie wie ein Buch mit sieben Siegeln: Menschen mit Asperger-Syndrom sind kaum in der Lage, Beziehungen zu knüpfen, geschweige denn, Freundschaften zu schliessen.

Bei einem Asperger-Syndrom können die Betroffenen Signale wie Gestik, Mimik, Tonfall und Blickkontakt ihres Gegenübers nicht einordnen und auch die dahinter stehenden Gefühle nicht nachempfinden. Ein Lachen, Zornesfalten oder Tränen der Trauer: All dies können Betroffene mit Asperger-Syndrom nicht richtig interpretieren.

Wann spricht man laut, wann leise – und wann lieber gar nicht? Woran erkenne ich, dass jemand verärgert ist? Und warum sollte man manchmal mit seiner Meinung lieber hinter dem Berg halten? Für Menschen mit Asperger-Syndrom ist es nicht leicht, diese Fragen zu beantworten – trotz normaler oder sogar überdurchschnittlicher Intelligenz. Sie können sich von klein auf nicht in andere Menschen hineinversetzen und wissen nicht, wie man sich in sozialen Situationen angemessen verhält.

Bereits als Kind verhalten sich Asperger-Betroffene häufig sehr introvertiert.
Bereits als Kind verhalten sich Asperger-Betroffene häufig sehr introvertiert.

Ironie oder Sarkasmus können Betroffene mit Asperger-Syndrom in der Regel ebenso wenig richtig deuten wie Redewendungen oder Sprichwörter. So kann es vorkommen, dass der Betroffene zu seinem Kühlschrank eilt, wenn er gebeten wird, «seinen Senf dazuzugeben» – denn anders als andere Menschen hat er den bildhaften Charakter dieser Redewendung wörtlich genommen.

Auf Aussenstehende wirken viele Kinder und auch Erwachsene mit Asperger-Syndrom wie Sonderlinge. Sie erscheinen bisweilen unhöflich und ruppig. Da es ihnen an Mitgefühl fehlt, sind sie stets direkt – sie merken nicht, dass sie andere damit verletzen könnten. Sie sagen, was sie denken, und das teilweise in sehr unangemessenen Situationen.

Von einem Asperger-Syndrom betroffene Menschen beschäftigen sich intensiv mit sehr speziellen, bisweilen skurrilen Themen: Manche lernen Fahrpläne auswendig, andere lieben mathematische Formeln und wieder andere sind von geschichtlichen Daten geradezu fasziniert. Allerdings können sie ihr Wissen nicht in einen grösseren Zusammenhang einordnen: Manche Menschen mit Asperger-Syndrom sind zum Beispiel in der Lage, in einem Satz Schreibfehler zu finden – den Satz als Ganzes in seiner Bedeutung zu verstehen, gelingt ihnen jedoch nicht.

Immer gleiche Tagesabläufe sind Menschen mit Asperger-Syndrom am liebsten – Abweichungen verunsichern sie, sie brauchen einen geregelten Alltag: Sie stehen um die gleiche Uhrzeit auf, ziehen sich nach einer bestimmten Reihenfolge an und mögen feste Rituale. Manche essen sogar immer die gleichen Sachen zum Mittagessen.

Wie ein Asperger-Syndrom verläuft, ist sehr unterschiedlich: Einige Personen mit Asperger-Syndrom können trotz ihrer Beeinträchtigungen im Erwachsenenleben einer Arbeit nachgehen und ein eigenständiges Leben führen. Sie wirken auf andere Menschen lediglich etwas schüchtern. Andere können sich gar nicht in eine Gemeinschaft integrieren und sind ein Leben lang auf Hilfe angewiesen.

Definition

Das Asperger-Syndrom ist eine Störung aus dem autistischen Formenkreis. Menschen mit Asperger-Syndrom leiden – ähnlich wie beim frühkindlichen Autismus – an einer ausgeprägten Kommunikations- und Kontaktstörung.

Die meisten Betroffenen sind normal oder auch überdurchschnittlich intelligent, können sich aber nicht in andere Menschen hineinversetzen und nonverbale Signale nicht deuten. Somit verhalten sie sich in sozialen Situationen oft unangemessen. Zudem fällt es ihnen schwer, mit anderen Menschen zu kommunizieren. Während sie nur selten Kontakte knüpfen, haben viele Asperger-Betroffene sehr intensive Spezialinteressen, die Aussenstehenden oft inhaltlich oder hinsichtlich ihrer Intensität ungewöhnlich erscheinen. So beschäftigen sie sich im Übermass beispielsweise mit geschichtlichen Daten oder aber sie lernen Telefonnummern auswendig.

Das Asperger-Syndrom gehört zur Gruppe der sogenannten tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen zählen neben dem Asperger-Syndrom insbesondere:

  • frühkindlicher Autismus (Kanner-Syndrom): Wenn man allgemein von Autismus spricht, ist meist der frühkindliche Autismus gemeint. Er macht sich bei den Betroffenen schon als Baby bemerkbar und zeichnet sich durch schwerere Beeinträchtigungen als beim Asperger-Syndrom aus. Viele Menschen mit frühkindlichem Autismus sind geistig eingeschränkt und benötigen lebenslange Unterstützung.
  • Rett-Syndrom: Bei dieser nur bei Mädchen auftretenden Erkrankung bilden sich bereits erworbene Fähigkeiten wieder zurück.
  • atypischer Autismus: Der atypische Autismus ähnelt dem frühkindlichen Autismus. Menschen mit atypischem Autismus zeigen jedoch nicht alle Symptome des frühkindlichen Autismus oder aber die Erkrankung tritt erst nach dem dritten Lebensjahr auf.

 

Alle tiefgreifenden Entwicklungsstörungen – so auch das Asperger-Syndrom – zeichnen sich durch Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion und eingeschränkte, sich wiederholende Interessen und Verhaltensmuster der Betroffenen aus.

Die Symptome beim Asperger-Syndrom ähneln zum Teil dem frühkindlichen Autismus, sind jedoch schwächer ausgeprägt.

Das Asperger-Syndrom trägt seinen Namen nach dem österreichischen Kinderarzt Hans Asperger. Asperger beschrieb 1943 das Syndrom zum ersten Mal.

Häufigkeit

Das Asperger-Syndrom tritt vorwiegend beim männlichen Geschlecht auf. Jungen beziehungsweise Männer sind vom Asperger-Syndrom achtmal häufiger betroffen als Mädchen und Frauen. Schätzungen zufolge sind etwa 0,02 bis 0,03 Prozent aller Kinder betroffen, dies entspricht 2 bis 3 von 10'000 Kindern.

Ursachen

Man nimmt an, dass mehrere Faktoren ein Asperger-Syndrom begünstigen. Die genauen Ursachen sind jedoch bislang nicht abschliessend geklärt.

Eine grosse Rolle spielt eine genetische Komponente: Das Asperger-Syndrom tritt in einigen Familien gehäuft auf. Wissenschaftler vermuten, dass bis zu 20 Gene an der Entstehung von tiefgreifenden Entwicklungsstörungen wie das Asperger-Syndrom beteiligt sind. Darüber hinaus haben wahrscheinlich noch andere Faktoren Einfluss an der Entstehung des Asperger-Syndroms, so insbesondere neurologische und biochemische Auffälligkeiten, die das Verhalten von Asperger-Betroffenen teilweise erklären.

Woher kommt das mangelnde Einfühlungsvermögen?

Die Fähigkeit, jemandem eigene Bedürfnisse und Gefühle zu vermitteln, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und deren Gedanken und Gefühle nachvollziehen zu können, wird von Neurowissenschaftlern auch als Theory of Mind bezeichnet.

Personen, die von einem Asperger-Syndrom betroffen sind, weisen hier erhebliche Defizite auf. So können sie beispielsweise Mimik, Gestik oder Tonfall einer anderen Person nur schwer oder gar nicht deuten. Es fehlt ihnen die Fähigkeit, sich vorzustellen, dass andere Personen eigene Gedanken und Gefühle haben. Zudem können sie die Gedanken und Gefühle anderer nicht nachvollziehen (mangelnde Empathiefähigkeit). Offenbar spielen hier verschiedene Hirnareale eine Rolle. So ist die Aktivität in bestimmten Bereichen des präfrontalen Cortex, die für die Empathiefähigkeit wichtig sind, bei Asperger-Patienten vermindert.

Aber auch eine andere Region im Gehirn scheint für das mangelnde Einfühlungsvermögen von Asperger-Betroffenen mitverantwortlich zu sein: der Mandelkern (Amygdala). Der Mandelkern befindet sich im sogenannten limbischen System des Gehirns und reguliert unter anderem emotionale Reaktionen. Der Mandelkern zeigt bei Menschen mit Asperger-Syndrom Auffälligkeiten, ebenso ein Bereich im Temporallappen, der die Wahrnehmung und Erkennung von Gesichtern steuert («Fusiform Face Area»).

Darüber hinaus sind die sogenannten Spiegelneuronen von Bedeutung: Spiegelneuronen werden spontan aktiv, wenn eine Person eine andere bei einer Tätigkeit beobachtet. Im Hirn des Beobachters werden Nervenzellen (Neuronen) erregt, die die gleichen Reize auslösen, als würde der Beobachter selbst die Tätigkeit ausüben. Vermutlich ist das Spiegelneuronen-System bei Personen mit Asperger-Syndrom beeinträchtigt.

Warum können Betroffene nur schwer Zusammenhänge herstellen?

Die Fähigkeit, Dinge in einen Gesamtzusammenhang einzubetten, bezeichnen Psychologen auch als zentrale Kohärenz. Menschen mit Asperger-Syndrom haben Probleme damit: Sie können die Umwelt nicht als Ganzes wahrnehmen. Bildlich gesprochen sehen sie lauter einzelne Bäume, können darin aber keinen Wald erkennen. Vielmehr neigen die Betroffenen zu einer selektiven, detaillierten Wahrnehmung, das heisst, sie interessieren sich sehr für Details und fokussieren sich auf einzelne Objekte oder Situationen – können aber keinen Zusammenhang herstellen. Sie sehen sprichwörtlich «den Wald vor lauter Bäumen nicht». Die genauen Ursachen für dieses Phänomen sind bisher allerdings unbekannt.

Warum sind Betroffene so wenig flexibel?

Viele Menschen mit Asperger-Syndrom haben Probleme damit, Handlungen zu planen und umzusetzen (sog. exekutive Funktionen). Sie sind nicht flexibel, das heisst: Passiert etwas Unvorhergesehenes, können sie darauf nicht angemessen reagieren und spontan nach einer anderen Lösung suchen, sondern halten stur an ihren Regeln fest. Möglicherweise liegt die Ursache in Veränderungen im präfrontalen Cortex im Gehirn.

Symptome

Das Asperger-Syndrom äussert sich schon bei Kindern durch charakteristische Symptome, jedoch in sehr unterschiedlicher Ausprägung. Während einige Betroffene kaum auffällig sind und auf Aussenstehende allenfalls ein wenig skurril oder sonderlich wirken, sind andere in ihrem Alltag stark eingeschränkt und später nicht in der Lage, einem Beruf nachzugehen.

Bei sehr kleinen Kindern sind häufig noch keine Symptome sichtbar – lediglich eine verzögerte motorische Entwicklung kann einen ersten Hinweis auf das Asperger-Syndrom geben. In der Regel zeigen sich die ersten Symptome bei Kindern nach dem dritten Lebensjahr.

Die Kinder sind meist normal oder sogar überdurchschnittlich intelligent, sie können häufig gut logisch denken und abstrahieren. Sie weisen jedoch in bestimmten anderen Bereichen Defizite und spezifische Symptome auf.

Menschen mit Asperger-Syndrom sind nur eingeschränkt beziehungsfähig und nicht bzw. schwer in der Lage, sich in andere Menschen und Situationen hineinzuversetzen – dadurch können sie sich nicht angepasst verhalten. Trotz ihres oftmals grossen Wortschatzes können sie nicht gut mit anderen kommunizieren. Zudem stehen beim Asperger-Syndrom häufig sehr spezielle Interessen im Vordergrund, mit denen sich die Personen intensiv beschäftigen.

 

Trotz ihrer Intelligenz sind viele Asperger-Kinder eher schlechte Schüler, denn ihre Aufmerksamkeit ist gestört. Sie sind vor allem mit sich selbst beschäftigt und werden sozusagen durch sich selbst abgelenkt.

Bei Kindern mit Asperger-Syndrom fällt auf, dass diese häufig introvertiert, humorlos und egozentrisch wirken. Sie haben meist schon in der Schule Probleme, sich zu integrieren. Auch im Erwachsenenalter bleiben die Symptome von Asperger bestehen, allerdings häufig weniger ausgeprägt als noch im Kindesalter. Im Wesentlichen ist das Asperger-Syndrom durch Symptome in verschiedenen Bereichen gekennzeichnet. Die Betroffenen zeigen:

  • Auffälligkeiten in der sozialen Interaktion
  • Auffälligkeiten in Kommunikation und Sprache
  • eingeschränkte Verhaltensmuster und Interessen

 

Manche – jedoch nicht alle – Menschen mit Asperger-Syndrom fallen durch Symptome wie motorische Ungeschicktheit und mangelnde Koordinationsfähigkeit auf.

Auf einen Blick: Menschen mit Asperger-Syndrom …

  • … sind meist durchschnittlich oder sogar überdurchschnittlich intelligent
  • … können sich nur schwer oder gar nicht in andere Menschen hineinversetzen
  • … können Gestik, Mimik und Tonfall anderer Menschen nicht intuitiv richtig deuten
  • … sprechen monoton und zeigen nur wenig Mimik, sind aber oft sehr wortgewandt
  • … entwickeln oft sehr spezielle oder seltsam erscheinende Interessen, mit denen sie sich intensiv und lange befassen
  • … bevorzugen regelmässige, starre Abläufe und Tagesgewohnheiten
  • … haben häufig motorische Probleme

Einige Menschen mit Asperger-Syndrom leiden als Erwachsene unter psychotischen Episoden. Das Asperger-Syndrom tritt häufig zusammen mit Zwängen, ADHS oder Tics auf.

Auffälligkeiten in der sozialen Interaktion

Menschen mit Asperger-Syndrom fällt es schwer, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Sie zeigen deutlich weniger Mimik und Gestik als andere Menschen und nehmen selten Blickkontakt auf.

Auch, wenn es für Aussenstehende so wirkt: Menschen mit Asperger-Syndrom wollen nicht unbedingt zurückgezogen leben – sie sind aber nicht in der Lage, soziale Situationen und Signale einschätzen zu können und sich entsprechend zu verhalten, so dass sie nur schwer Beziehungen aufbauen. Allerdings haben sie nur wenig Freude daran, ihre Interessen mit anderen zu teilen. Asperger-Betroffene können sich nicht in andere Menschen hineinversetzen. Die Emotionen anderer – zum Beispiel Wut, Trauer, Ärger – können sie nicht nachvollziehen. Es fehlt ihnen die Fähigkeit, die Gefühle anderer zu erfassen, also Empathie zu zeigen und Mitgefühl zu entwickeln. Dadurch machen sie oft einen rücksichts- und distanzlosen Eindruck und verhalten sich unangepasst.

Personen mit Asperger-Syndrom versuchen – im Gegensatz zu Autisten – durchaus, Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen. Allerdings können sie nicht einschätzen, ob sie sich einer Situation angemessen verhalten oder wie jemand auf eine Äusserung reagieren wird. Tiefe Freundschaften entwickeln sie in der Regel nicht.

Auffälligkeiten in Kommunikation und Sprache

Während beim frühkindlichen Autismus – einer Entwicklungsstörung, die dem Asperger-Syndrom ähnelt – die Sprachentwicklung stark verzögert ist, fangen Kinder mit Asperger-Syndrom häufig schon sehr früh an zu sprechen. Oft ertönen bereits die ersten Worte, bevor das Kind laufen kann. Asperger-Betroffene verfügen häufig über einen grossen Wortschatz und eine wandlungsfähige Sprache. Die Stimme wirkt dabei allerdings eher monoton. Das Sprechen ist nicht an die Situation angepasst: Die Betroffenen können die Reaktionen ihrer Mitmenschen nicht deuten und wissen auch nicht, in welchen Situationen sie laut, leise, ruhig oder zum Beispiel gar nicht sprechen sollten. Vielmehr reden sie, wenn sie gerade dazu Lust haben, anstatt sich nach ihrem Gegenüber zu richten. Häufig führen sie auch Selbstgespräche. Nonverbale Signale können sie nicht richtig interpretieren: Die Mimik und Gestik oder der Tonfall ihres Gegenübers ist für sie ein Buch mit sieben Siegeln.

Eingeschränkte Interessen und stereotype Verhaltensmuster

Viele Menschen mit Asperger-Syndrom entwickeln Interessen, mit denen sie sich sehr intensiv, nahezu besessen beschäftigen oder die besonders aussergewöhnlich und speziell sind. Manche lernen zum Beispiel Fahrpläne auswendig, andere beschäftigen sich mit mathematischen Aufgaben, wieder andere faszinieren geschichtliche Fragen oder Daten. Asperger-Kinder beschäftigen sich möglicherweise durchaus auch mit Dingen, die Gleichaltrige interessieren – etwa Dinosaurier oder eine Zeichentrickfigur –, jedoch in einem viel stärkerem Ausmass als andere Kinder. Oder sie spezialisieren sich auf einzelne Details.

Durch diese Spezialisierung und ihren Drang, ihrem Hobby in besonderem Ausmass nachzugehen, können Personen mit Asperger-Syndrom bisweilen herausragende Leistungen auf ihrem Gebiet hervorbringen. Die Kehrseite: Trotz manchmal erstaunlicher Fähigkeiten oder Wissenspotenziale können Asperger-Betroffene ihre Fertigkeiten nicht in einem sozialen Kontext nutzen, also nicht in grössere Zusammenhänge einbetten. So können einige Betroffene zwar grosse Datenmengen abrufen, diese aber nicht sinnvoll verwenden. Ihre Interessen nehmen einen so grossen Raum ein, dass Alltagsaktivitäten bisweilen unmöglich werden.

Manche Menschen mit Asperger-Syndrom fasziniert Mathematik …
Manche Menschen mit Asperger-Syndrom fasziniert Mathematik …

Asperger-Betroffene neigen zu Stereotypien, das heisst, sie verspüren den Drang, bestimmte Tätigkeiten immer nach dem gleichen Muster auszuführen. So halten sie etwa schon als Kind an bestimmten Ritualen fest, richten sich nach festgelegten Abläufen oder Uhrzeiten oder fahren stets denselben Weg. Plötzliche Veränderungen überfordern sie und werfen ihren Alltag aus der Bahn – sie brauchen Routine.

… andere lernen gerne bestimmte Daten auswendig.
… andere lernen gerne bestimmte Daten auswendig.

Unterschied zum frühkindlichen Autismus

Die Symptome beim Asperger-Syndrom ähneln zum Teil dem frühkindlichen Autismus, sind jedoch schwächer ausgeprägt. Während sich der frühkindliche Autismus bereits in der frühesten Kindheit bemerkbar macht, fallen Kinder mit Asperger-Syndrom meist erst im Kindergarten- oder Schulalter auf. Ihr nonverbales Verhalten gleicht dem frühkindlicher Autisten, auch sie fallen durch stereotypes Verhalten und eingeschränkte Aktivitäten und Interessen auf.

Auch wenn Asperger-Betroffene einige Ähnlichkeiten zu Autisten aufweisen, gibt es doch deutliche Unterschiede zwischen den beiden Erkrankungen.

Unterschiede zwischen Asperger-Syndrom und frühkindlichem Autismus

 

Menschen mit Asperger-Syndrom …Menschen mit frühkindlichem Autismus …
… sind durchschnittlich bis überdurchschnittlich intelligent… sind unterdurchschnittlich intelligent
… fallen meist erst im Kindergarten oder Schulalter auf… fallen schon in der frühesten Kindheit auf
… lernen schon früh das Sprechen und verfügen oft über eine besonders wandlungsfähige Sprache… haben erhebliche sprachliche Defizite und können oft gar nicht sprechen
… empfinden ihre Umgebung als störend… empfinden die Umgebung als nicht existent

Diagnose

Bei Verdacht auf Asperger-Syndrom muss der Arzt bei der Diagnose auch andere Erkrankungen ausschliessen, so zum Beispiel den frühkindlichen Autismus. In der Regel treten die ersten Symptome etwa nach dem dritten Lebensjahr auf – meist dann, wenn es darum geht, dass sich das Kind sozial integrieren muss, etwa im Kindergarten oder in der Schule

Häufig ist es ein Kinder- und Jugendpsychiater, der das Kind anhand bestimmter Kriterien untersucht, um eine Diagnose zu stellen. Insbesondere die Vorgeschichte, aber auch die Beobachtung des Kindes in verschiedenen Situationen dienen als Grundlage, um eine Diagnose stellen zu können. Es gibt keine körperlichen Auffälligkeiten, die dabei helfen könnten, ein Asperger-Syndrom nachzuweisen.

Der Arzt ermittelt – unter anderem mithilfe von Beurteilungsskalen (z.B. Marburger Beurteilungsskala, MBAS) –, auf welchem Entwicklungsstand sich das Kind befindet und welche intellektuellen Fähigkeiten es aufweist. Das auffällige Verhalten des Kindes ist beim Asperger-Syndrom nicht an bestimmte Situationen gebunden, sondern in der gesamten Entwicklung verankert.

Andere Erkrankungen können mit ähnlichen Symptomen einhergehen, so zum Beispiel Zwangsstörungen, Bindungsstörungen, Schizophrenie, ADHS, aber auch andere tiefgreifende Entwicklungsstörungen wie der atypische Autismus. Daher ist es wichtig, dass der Arzt bei der Diagnose andere Krankheiten ausschliesst.

Manchmal sind es auch Erwachsene, bei denen der Arzt die Diagnose Asperger-Syndrom stellt. Auch bei ihnen bestehen die Symptome schon seit der Kindheit. Neben einer ausführlichen Untersuchung und Befragung nach der Krankheitsgeschichte gibt es spezielle Fragebögen für Erwachsene (z.B. «Adult Asperger Assessment», AAA), die ermitteln, inwieweit ein Asperger-Syndrom vorliegen könnte. Auch Geschwister und Eltern können Auskunft über die Kindheit des Betroffenen geben, denn häufig kann sich dieser nur lückenhaft an diese Zeit erinnern. Der Arzt kann unter anderem auch anhand des Verhaltens auf eine mögliche Asperger-Erkrankung schliessen: Asperger-Patienten meiden meist den Blickkontakt und haben in ihren Erzählungen Probleme damit, Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen. Humor oder ein Lächeln erwidern sie meist nicht.

Therapie

Nicht jede Person mit der Diagnose Asperger-Syndrom muss auch in Therapie. Viele Betroffene sind in der Lage, später einem Beruf nachzugehen und sich sozial anzupassen. Sie mögen für Aussenstehende vielleicht sonderbar erscheinen, haben jedoch keine Probleme damit, ihren Alltag zu meistern.

Sind die Symptome jedoch sehr ausgeprägt, ist eine frühe Therapie im Kindesalter besonders wichtig. In der Regel handelt es sich dabei um eine Langzeittherapie. Das Asperger-Syndrom ist zwar nicht heilbar, jedoch kann man mithilfe eines ganzheitlichen Behandlungsansatzes versuchen, die Symptome zu lindern und das Kind besser zu integrieren, um ihm zu einem weitgehend selbstständigen Leben zu verhelfen.

Das Asperger-Syndrom ist nicht heilbar, jedoch können Betroffene in der Therapie ihre Defizite verringern.

Wichtig bei einer Therapie ist, dass die Eltern mit einbezogen werden.
Wichtig bei einer Therapie ist, dass die Eltern mit einbezogen werden.

Eine verhaltenstherapeutische Massnahme bietet die Möglichkeit, die individuellen Fähigkeiten des Kindes gezielt zu fördern und bestehende Defizite zu verringern. Der Therapeut berücksichtigt bei seiner Arbeit den Entwicklungsstand und die bereits vorhandenen Kompetenzen des Kindes und baut darauf auf. So lernt das Kind in der Therapie Schritt für Schritt, seine sozialen, kommunikativen und lebenspraktischen Fähigkeiten zu verbessern und die soziale Wahrnehmung zu trainieren. Ein Bestandteil der Therapie könnte beispielsweise sein, dass ein Kind auf Fotos erkennen lernt, wie sich die dort abgebildete Person wohl fühlt. Wichtiger Bestandteil der Therapie ist, dass das Kind oder der Jugendliche lernt, sich an soziale Situationen anzupassen – beispielsweise, um einen Schulbesuch zu ermöglichen oder eine Ausbildung machen zu können. Meist ist eine länger andauernde sozialpädagogische Betreuung erforderlich.

Medikamente kommen zur Therapie des Asperger-Syndroms nur seltenen Fällen zum Einsatz. Da einige Kinder im Rahmen des Asperger-Syndroms auch an Störungen der Aufmerksamkeit leiden (ADHS), kann der Arzt hier beispielsweise entsprechende Medikamente verordnen.

Nicht zuletzt spielt es eine grosse Rolle, auch die Eltern beziehungsweise Betreuungspersonen des Kindes entsprechend in der Therapie zu begleiten.

Verlauf

Beim Asperger-Syndrom ist der Verlauf sehr unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren ab, so zum Beispiel davon,

  • wie ausgeprägt das Syndrom ist,
  • wie gut sich die Personen trotz ihrer Defizite sozial integrieren können,
  • welche Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen,
  • wie intelligent der Betroffene ist.

 

Aber auch die Bereitschaft des Umfelds, die Betroffenen zu integrieren, spielt eine Rolle. In der Regel sind Asperger-Betroffene deutlich weniger eingeschränkt als Menschen mit frühkindlichem Autismus.

Einige Menschen mit Asperger-Syndrom schaffen es, als Erwachsener eine berufliche Nische zu finden, in der sie ihre speziellen Interessen anwenden können und lernen, wie man Kontakt zu anderen Menschen aufbaut. Insbesondere bei hoher Intelligenz können Betroffene ihre Defizite gut kompensieren. So lesen sie beispielsweise Bücher über Mimik und versuchen, einzelne Gesichtsausdrücke auswendig zu lernen, um diese richtig deuten zu können. Manche hingegen haben am Arbeitsplatz Probleme, weil sie beim Kontakt mit Kollegen oder Kunden nicht angemessen reagieren können und bisweilen unhöflich wirken. Wieder andere sind nicht in der Lage, einer Arbeit nachzugehen.

Der Verlauf ist in der Regel chronisch – heilbar ist das Asperger-Syndrom nicht, dennoch können sich vorhandene Defizite mithilfe einer Therapie etwas reduzieren. Die ersten Symptome zeigen sich meist im Kindergarten- oder Schulalter. Viele Kinder können trotz normaler oder überdurchschnittlicher Intelligenz an normalen Schulen nicht lernen, schaffen es aber, sich in kleinen, strukturierten Gruppen zu integrieren.

Im weiteren Verlauf können sich die Symptome in Grenzen etwas reduzieren, denn mit dem Alter lernen die Betroffenen, sich besser an Situationen anzupassen. Dennoch bleiben die Kommunikationsprobleme, die eingeschränkte Kontaktfähigkeit und die eingeschränkten Interessen lebenslang bestehen. Die meisten Menschen mit Asperger-Syndrom haben weniger soziale Kontakte als andere Menschen und gehen auch seltener eine Partnerbeziehung ein. Häufig schaffen sie es nicht, einen Partner zu finden, da sie nicht in der Lage sind, in angemessener Weise Kontakte zu knüpfen. Viele von ihnen leben zurückgezogen. In einer Partnerschaft haben die Betroffenen häufig Probleme, da es ihnen schwerfällt, sich in ihr Gegenüber hineinzuversetzen. Zudem empfinden sie es häufig als anstrengend, sich intensiv mit einer Person auseinanderzusetzen und Anteilnahme zu zeigen. Sie wirken auf den Partner bisweilen egoistisch und distanziert.

Das Risiko für psychotische Störungen, Zwangsstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen oder das Tourette-Syndrom ist bei Asperger-Betroffenen leicht erhöht. Im Jugendlichen- und Erwachsenenalter können sich im Verlauf auch Depressionen entwickeln. Insbesondere während der Pubertät wird sich der Betroffene darüber bewusst, dass er anders ist als andere Menschen, was zu einer Depression führen kann.

Vorbeugen

Einem Asperger-Syndrom können Sie nicht vorbeugen. Jedoch: Ein ausgeprägtes Asperger-Syndrom kann umso besser behandelt werden, je früher es diagnostiziert wird. Die ersten Symptome von Asperger zeigen sich bereits meist nach dem dritten Lebensjahr. Sollten Sie bei Ihrem Kind Anzeichen von Asperger entdecken, scheuen Sie sich nicht, einen Arzt aufzusuchen. Er kann mit Ihnen besprechen, ob und inwiefern eine Therapie erforderlich ist.

Bereits erwachsene Menschen mit Asperger-Syndrom können durch eine Therapie möglichen Folgeerkrankungen vorbeugen, so insbesondere einer Depression. Daher gilt auch für Erwachsene: Wenn Sie vermuten, am Asperger-Syndrom zu leiden, können Sie mit professioneller Hilfe eventuelle Defizite ausgleichen.