Bandscheibenvorfall

Autor: Onmeda-Ärzteteam  

Überblick

Wenn der Rücken plötzlich stark schmerzt, denken viele schnell an einen Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps). Doch tatsächlich ist ein Bandscheibenvorfall eher selten die Ursache starker Rückenschmerzen, sondern häufiger ein harmloser Hexenschuss. Umgekehrt muss ein Bandscheibenprolaps nicht unbedingt Schmerzen hervorrufen – viele Betroffene haben keinerlei Beschwerden und der Bandscheibenvorfall wird irgendwann durch Zufall entdeckt.

Wann kommt es zu einem Bandscheibenvorfall? Ein Bandscheibenvorfall entsteht durch verschleissbedingte (degenerative) Veränderungen der Bandscheiben und der angrenzenden Wirbelkörper. Auch der Alltag vieler Menschen ist nicht besonders rücken- und bandscheibenfreundlich: Mangelnde Bewegung (z.B. bei Büroarbeit) und Übergewicht begünstigen, dass die Bandscheiben verschleissen und können dadurch einen Bandscheibenvorfall fördern.

Die Bandscheiben verformen sich, ändern ihre Lage und drücken auf die vom Rückenmark abgehenden Nerven (Spinalnerven) und seltener auch auf das Rückenmark selbst. Es kommt in der Regel zu Schmerzen im Rücken, Hals oder in der Schulter. Die Schmerzen bei einem Bandscheibenvorfall können auch in Beine, Füsse, Arme und Hände ausstrahlen.

Bandscheiben sind knorpelige Verbindungen zwischen zwei Wirbelkörpern. Bei Belastungen dienen sie als elastische Puffer und fangen Stösse und Erschütterungen ab. Sie bestehen aus einem Faserknorpelring (Anulus fibrosus) der den weichen Bandscheibenkern (Nucleus pulposus) umschliesst. Der Faserknorpelring ist mit einem vorderen und hinteren Längsband verbunden, das entlang der Wirbelsäule verläuft. Mit zunehmendem Alter oder durch dauerhafte Fehlbelastungen können Risse in dem Faserknorpelring entstehen. Wenn der weiche Kern in die Risse dringt, verlagert er sich und wölbt sich dabei über die Ränder des Wirbelkörpers hinaus – und nähert sich damit den benachbarten Strukturen wie den Rückenmarksnerven.

Bleibt der Faserring intakt, liegt eine Bandscheibenvorwölbung (Protrusion) vor: Sie ist die Vorstufe des Bandscheibenvorfalls. Durchdringt der Gallertkern den Faserknorpelring komplett, spricht man von einem Bandscheibenvorfall (Prolaps). Sowohl die Vorwölbung als auch der Vorfall können Schmerzen verursachen.

Ein Bandscheibenvorfall muss nicht unbedingt Schmerzen hervorrufen. Dennoch gehört der akut auftretende, stechende Schmerz zum klassischen Erscheinungsbild.

Grundsätzlich kann ein Bandscheibenvorfall in jedem Bereich der Wirbelsäule auftreten. Die meisten Bandscheibenschäden betreffen jedoch die Lendenwirbelsäule (mehr als 90 % der Fälle). Weniger häufig fallen die Bandscheiben der Halswirbelsäule vor. Ein Bandscheibenvorfall in der Brustwirbelsäule ist sehr selten.

Ein Bandscheibenvorfall zwischen zwei Lendenwirbeln kann zu

 

Bandscheibenvorwölbungen und -vorfälle in der Halswirbelsäule dagegen verursachen

  • Schmerzen und Sensibilitätsstörungen in der Schulter,
  • im Arm
  • und in den Fingern.

 

Bei jungen Menschen treten zwar die gleichen Beschwerden auf, allerdings verursachen hier in der Regel Verletzungen und Überbelastung den Vorfall und somit die Schmerzen.

In den meisten Fällen erfolgt bei einem Bandscheibenvorfall eine konservative Therapie. Dazu gehören Ruhe, Schmerztherapie und eine Umstellung der Lebensweise.

Ein operativer Eingriff ist nur bei etwa zwei von zehn Betroffenen notwendig.

Definition

Ein Bandscheibenvorfall (Prolaps) entsteht in den meisten Fällen infolge von Verschleisserscheinungen der Bandscheibe. Die Bandscheiben dienen als elastische Puffer zwischen den einzelnen Wirbeln der Wirbelsäule. Dort fangen sie wie kleine Stossdämpfer Erschütterungen ab. In ihrem Inneren befindet sich ein gallertartiger Kern. Aussen umschliesst ein knorpeliger Faserring mit angrenzenden Längsbändern (vorderes und hinteres Längsband) diesen Kern.

Mit zunehmendem Alter nimmt die Elastizität der Wirbelsäule ab. Es entstehen Risse im knorpeligen Faserring, der den Gallertkern umfasst. Bei anhaltender Belastung (z.B. beim Heben schwerer Lasten) oder einseitiger Belastung durch eine Fehlhaltung schiebt sich der gallertartige Kern aus dem Inneren der Bandscheibe in die Risse vor und drängt diese auseinander – die Bandscheibe verformt sich.

Bleibt der Faserring dabei intakt, handelt es sich um eine Vorstufe des Bandscheibenvorfalls: die Bandscheibenvorwölbung (Protrusion). Eine Bandscheibenvorwölbung reicht manchmal bereits aus, um Schmerzen und Sensibilitätsstörungen zu verursachen.

Die Bandscheiben befinden sich zwischen den Wirbeln der Wirbelsäule. Sie dienen dazu, Belastungen und Erschütterungen wie Puffer abzufedern. Im Inneren befindet sich ein gallertartiger Kern, der von einem knorpeligen Faserring umschlossen wird.
Die Bandscheiben befinden sich zwischen den Wirbeln der Wirbelsäule. Sie dienen dazu, Belastungen und Erschütterungen wie Puffer abzufedern. Im Inneren befindet sich ein gallertartiger Kern, der von einem knorpeligen Faserring umschlossen wird.

Durchbricht der Kern den Faserring und gegebenenfalls das anschliessende Längsband, liegt ein Bandscheibenvorfall (Prolaps) vor. Das Längsband trennt die Bandscheibe im Normalfall vom sogenannten Rückenmarkskanal. Teile, die sich möglicherweise vom austretenden Bandscheibengewebe ablösen, nennt man Sequester.

Sowohl der Bandscheibenvorfall als auch abgelöste Sequester können die Rückenmarksnerven (sog. Spinalnerven) und in seltenen Fällen auch das Rückenmark zusammendrücken und zu Schmerzen, Sensibilitätsstörungen und motorischen Ausfällen von Muskeln führen.

Ein Bandscheibenvorfall tritt meist im Bereich der Lendenwirbelsäule auf, seltener im Bereich der Halswirbelsäule. Oft sind die Bandscheiben zwischen dem 4. und 5. Lendenwirbel (L4/L5) betroffen. Die Betroffenen sind im Durchschnitt zwischen 46 und 55 Jahre alt, wenn der Bandscheibenvorfall auftritt.

Die Bandscheibe

Zwischen zwei Wirbeln sitzt jeweils eine Bandscheibe – auch Zwischenwirbelscheibe oder medizinisch Discus invertebralis genannt. Die Einheit aus zwei Wirbeln, der dazwischenliegenden Bandscheibe und den Zwischenwirbellöchern, aus denen die Nervenwurzeln austreten, bezeichnen Mediziner als Bewegungssegment.

Die Bandscheibe dient als eine Art Stossdämpfer: Sie puffert die Erschütterungen der Wirbelsäule ab, die zum Beispiel beim Gehen oder Rennen entstehen. Ausserdem sorgen die Bandscheiben für die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Die Bandscheibe ist daran beteiligt, dass sich die Wirbel in einem begrenzten Umfang in alle Richtungen zueinander verschieben können.

Die Bandscheibe besteht aus Bindegewebe mit einem relativ festen äusseren Faserring (Anulus fibrosus) und einem weichen Gallertkern (Nucleus pulposus) im Inneren. Dieser Kern kann Wasser speichern und macht die Bandscheibe elastisch. Der Wassergehalt nimmt bei Belastung ab, daher verkleinern sich die Abstände zwischen zwei Wirbelkörpern im Lauf des Tages. Deshalb kann die Körpergrösse im Tagesverlauf um bis zu zwei Zentimeter abnehmen.

Über Nacht nehmen die Bandscheiben Flüssigkeit über die umliegende Knorpelschicht und die Wirbelkörper auf. Blutgefässe und Nerven gibt es im Gallertkern nicht. Lediglich der äussere Faserring ist durch Nerven versorgt.

Mit zunehmendem Lebensalter des Menschen altert auch die Bandscheibe. Sie ist weniger elastisch als in jungen Jahren und kann schlechter Wasser speichern. Das Risiko, dass der Faserring der Bandscheibe reisst – also ein Bandscheibenvorfall auftritt – steigt.

Neben dem Alter gibt es weitere Faktoren, die der Bandscheibe ebenfalls zusetzen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Übergewicht
  • mangelnde Bewegung
  • Haltungsfehler
  • schwere körperliche Arbeit

 

Normalerweise stützt die Bauch- und Rückenmuskulatur die Wirbelsäule und stabilisiert sie. Sind diese Muskeln nicht ausreichend trainiert, belastet das die Bandscheibe zusätzlich.

Auch falsches Heben schwerer Gewichte ist Gift für die Bandscheibe. Achten Sie deshalb darauf, Schweres nur mit geradem Rücken anzuheben. Bei rundem Rücken lastet etwa das acht- bis zwölffache Gewicht auf den Bandscheiben. Bei einem Kasten Bier entspricht das zum Beispiel 80 bis 120 Kilogramm, welche die Wirbelsäule belasten.

Ursachen

Einem Bandscheibenvorfall liegen meist verschleissbedingte Ursachen zugrunde. Mit zunehmendem Alter können sich die Bandscheiben verformen und auf das Rückenmark und von ihm abgehende Nerven drücken. Daher leiden vor allem Menschen ab dem mittleren Alter und seltener jüngere Menschen unter Bandscheibenproblemen und Bandscheibenvorfällen.

Die Bandscheiben befinden sich zwischen den einzelnen Wirbeln der Wirbelsäule. Sie dienen dazu, Belastungen und Erschütterungen wie Stossdämpfer abzufedern. Im Laufe eines Tages werden die Bandscheiben durch die Belastung beim Stehen und Gehen wie ein Kissen zusammengedrückt. Erst bei länger andauernder Entlastung, also im Liegen, regenerieren sich die Bandscheiben und saugen Flüssigkeit aus dem umliegenden Gewebe auf. Dadurch erreichen sie wieder ihre ursprüngliche Form.

Mit zunehmendem Alter sinkt der Wassergehalt der Bandscheiben – sie werden weniger elastisch. Der innere Kern der Bandscheibe verliert seine gallertartige Konsistenz und damit seine Pufferfunktion. Dadurch bilden sich Risse im umliegenden Faserring und vorzugsweise das hintere Längsband, das entlang der Wirbelkörper verläuft, überdehnt und lockert sich.

Durch Fehl- oder Überbelastungen der Wirbelsäule kann sich der Gallertkern in den Rückenmarkskanal vorschieben – zum Beispiel beim Heben von schweren Gegenständen, vor allem mit vorgebeugtem Oberkörper. Dort drückt er auf das umliegende Nervengewebe. Stechende Schmerzen können entstehen.

Neben den altersbedingten Verschleisserscheinungen spielen bei einem Bandscheibenvorfall weitere Ursachen eine Rolle bei der Entstehung, zum Beispiel:

  • Übergewicht
  • dauerhafte Fehlbelastung der Wirbelsäule
  • zu schwache Rückenmuskulatur
  • seltener auch Verletzungen oder Unfälle

Symptome

Bei einem Bandscheibenvorfall hängen die Symptome von der Lage und dem Ausmass des Vorfalls ab. Ausserdem spielt es eine Rolle, welche der benachbarten Nervenstrukturen betroffen sind (Rückenmark, Spinalnerven etc.). In einigen Fällen verursacht ein Bandscheibenvorfall keine Symptome.

Zu den häufigsten Symptomen bei einem Bandscheibenvorfall zählen:

  • akut auftretende, stechende Schmerzen im betroffenen Wirbelsäulenabschnitt,
  • die in weitere Körperregionen ausstrahlen können.


Liegt zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule vor, kann dies Schmerzen in diesem Bereich verursachen, aber auch zu Problemen in den Beinen bis über die Knieregion und in den Füssen führen. Oft kommt es dabei in der betroffenen Region zu Empfindungsstörungen (Taubheit, Kribbeln) und zu einer Muskelschwächung. Husten und Niesen verstärken die Symptome.

Bei einem Bandscheibenvorfall kann es zu Schmerzen in der Lendenwirbelsäule kommen.
Bei einem Bandscheibenvorfall kann es zu Schmerzen in der Lendenwirbelsäule kommen.

Bei einem Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule treten die Beschwerden in den Schultern, Armen und Händen auf.

In seltenen Fällen verursacht ein Bandscheibenvorfall Symptome wie Störungen beim Stuhlgang und beim Wasserlassen, die mit einem Taubheitsgefühl im Anal- und Genitalbereich und auf der Innenseite der Oberschenkel verbunden sind (sog. Reithosenanästhesie oder Cauda-Syndrom). Diese Symptome gelten als Notfall – in diesem Fall muss der Arzt das vorgefallene Bandscheibengewebe in einer Operation entfernen, um die Nerven zu entlasten.

Diagnose

Neurologische Untersuchung

Um bei einem Bandscheibenvorfall die Diagnose zu stellen, ist eine eingehende neurologische Untersuchung notwendig. Diese gibt Aufschluss über die betroffenen schmerzauslösenden Nerven und ermöglicht eine gezielte Behandlung.

Der untersuchende Arzt kann ermitteln, ob die Nerven beschädigt sind und eine entsprechende Therapie empfehlen. Dazu überprüft er die Reflexe, die Sensibilität, die Beweglichkeit und eventuell die Nervenleitgeschwindigkeit. Je nachdem, ob und wohin die Schmerzen ausstrahlen, kann der Arzt Rückschlüsse darauf ziehen, welche Nervenwurzeln von dem Bandscheibenvorfall betroffen sind.

Ausserdem überprüft der Arzt den Puls an den Beinen, um eine Durchblutungsstörung in diesem Bereich auszuschließen – etwa eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), auch Schaufensterkrankheit (Claudicatio intermittens) genannt. Diese Erkrankung kann Schmerzen verursachen, die auf den ersten Blick den Schmerzen bei Wirbelsäulenerkrankungen wie einem Bandscheibenvorfall ähneln.

Bei Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall ist zur Diagnose eine Röntgenuntersuchung notwendig.

Der Betroffene nimmt während der Röntgenuntersuchung verschiedene Positionen ein, so dass die Röntgenbilder die Wirbelsäule in verschiedenen Haltungen zeigen: zum Beispiel Krümmung und Streckung (sog. Funktionsaufnahmen). So kann der Arzt die Beweglichkeit der Wirbelsäule abschätzen. Aufnahmen im sogenannten schrägen Strahlengang geben Aufschluss über eine möglicherweise vorliegende abnorme Beweglichkeit der Wirbelkörper. Allerdings lassen sich so nur die Knochen (z.B. Wirbel) mit eventuellen verschleißbedingten Veränderungen erkennen.

Bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) oder Myelographie machen es möglich, das Rückenmark und die Nervenwurzeln darzustellen. Nur die beiden sogenannten Schnittbildverfahren Computertomographie und Magnetresonanztomographie machen das Rückenmark und die Nervenwurzeln direkt sichtbar. Eine zusätzliche Kontrastmittelgabe in die Vene erleichtert es dem Arzt bei diesen beiden Verfahren, einen Bandscheibenvorfall von entzündlich verändertem Gewebe oder einem Tumor abzugrenzen.

Bei der Myelographie füllt der Arzt mit einer Kanüle Röntgenkontrastmittel in den Rückenmarkssack (Duralsack). Dadurch kann er das darin liegende Rückenmark und die Nervenwurzeln als Kontrastmittelaussparungen indirekt im Röntgenbild erfassen. Im Gegensatz zu den Schnittbildverfahren kommt die Myelographie heute allerdings seltener zum Einsatz.

Therapie

Bei einem Bandscheibenvorfall erfolgt meist eine konservative Therapie für den Zeitraum von sechs bis acht Wochen. Dazu gehören Ruhe, Schmerztherapie und eine Umstellung der Lebensweise.

Im akuten Stadium sollte die Wirbelsäule ruhig gestellt und entlastet werden. Je nachdem, auf welcher Höhe der Wirbelsäule ein Bandscheibenvorfall vorliegt, eignen sich hierzu ein Stufenbett oder eine Halsmanschette. Eine länger anhaltende Bettruhe muss der Betroffene jedoch nicht einhalten.

Die weitere Behandlung bei einem Bandscheibenvorfall besteht in der Regel daraus, die Schmerzen zu lindern. Schmerzmittel und Präparate zur Muskelentspannung können dabei helfen. Sie dienen auch dazu, den Schmerzkreislauf zu unterbrechen. Dieser entsteht dadurch, dass sich die benachbarten Muskeln als Reaktion auf den Schmerz verkrampfen. Diese Muskelverspannungen verstärken den Schmerz zusätzlich. Da Nebenwirkungen auftreten können, sollten Betroffene Schmerzmittel ohne ärztlichen Rat nicht über einen längeren Zeitraum einnehmen.

Physiotherapeutische Massnahmen ergänzen bei einem Bandscheibenvorfall die Behandlung – sie zielen vorwiegend darauf ab, die Rückenmuskulatur zu kräftigen.

Bei einem Bandscheibenvorfall besteht die Behandlung nur selten aus einer Operation: Es besteht immer eine Chance, dass der Bandscheibenvorfall von selbst heilt – über 80 Prozent aller Bandscheibenvorfälle lassen sich konservativ, also ohne chirurgischen Eingriff behandeln.

Eine Operation ist bei einem Bandscheibenvorfall zur Therapie in der Regel nur dann notwendig, wenn Nerven geschädigt wurden. Dann entfernt der Arzt den vorgefallenen Teil des Bandscheibenmaterials. Minimalinvasive Verfahren, auch «Schlüssellochchirurgie» genannt, gewinnen hierbei eine zunehmende Bedeutung. Diese gewebeschonenderen Operationen können ambulant erfolgen.

Operationsbedürftig sind zum Beispiel Bandscheibenvorfälle in der Lendenwirbelsäule bei denen die Nerven, welche die Blasen- und Darmentleerung steuern, in Mitleidenschaft gezogen werden. Bei einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule ist eine operative Therapie nötig, wenn die Bandscheibe den Nervenkanal quetscht. Auch bei einem seitlichen (lateralen) Bandscheibenvorfall mit Lähmungserscheinungen ist eine Operation ratsam.

Lässt der Schmerz bei einem Bandscheibenvorfall auch nach mehrwöchiger konservativer Behandlung nicht nach oder treten immer wieder starke Beschwerden auf, ist eine Operation ebenfalls eine Therapie-Option. Nach einer Operation kann es unter anderem zu einem erneuten Bandscheibenvorfall oder zu wucherndem Narbengewebe kommen, das wiederum auf die Rückenmarksnerven drücken kann.

Minimalinvasive Verfahren

Offene Operationen von Bandscheibenvorfällen sind mit Risiken und einem längeren Aufenthalt im Krankenhaus verbunden. Minimalinvasive Verfahren wurden entwickelt, um eine offene Operation mit ihren möglichen Nachteilen zu vermeiden. Sie lassen sich in der Regel ambulant unter lokaler Betäubung (Lokalanästhesie) durchführen oder erfordern nur einen sehr kurzen Krankenhausaufenthalt.

Besondere Röntgenverfahren steuern und überprüfen die therapeutischen Massnahmen und das Therapieergebnis. Allerdings eignen sie sich nicht für alle Erkrankungstypen. Es kommen in erster Linie einfache und frische Bandscheibenvorwölbungen und Bandscheibenvorfälle ohne Abspaltung von Bandscheibenmaterial (Sequestrierung) infrage. Für bereits operierte Betroffene ist diese Methode nicht geeignet.

Auflösung des Bandscheibenkerns (Chemonukleolyse)

Bei der Auflösung des Bandscheibenkerns (Chemonukleolyse) führt der Operateur eine Kanüle in den betroffenen Raum zwischen zwei Wirbeln (Bandscheibenfach) vom Rücken her ein und spritzt ein Enzym (Chymopapain) hinein. Das Enzym verflüssigt den Gallertkern auf chemischem Wege – nach einer gewissen Wartezeit saugt der Arzt die verflüssigte Kernmasse über die Kanüle ab. Das Enzym darf nicht in die Umgebung der Bandscheibe gelangen – dieser Eingriff kommt also nur dann infrage, wenn sich kein Sequester gebildet hat – sich also kein Bandscheibengewebe abgelöst hat. Die Chemonukleolyse kommt bei einem Bandscheibenvorfall eher selten zum Einsatz.

Laserabtragung

Auch die Laserabtragung ist nur für unkomplizierte, frische Bandscheibenvorfälle geeignet. Sie beruht auf dem Prinzip der Volumenreduktion in der Bandscheibe. Der Arzt trägt dabei die Bandscheibe mit einem medizinischen Laser, der Licht im infraroten Bereich aussendet, ab. Dieses Licht gelangt über Glasfasertechnik ins Operationsfeld.

Bei der Laserabtragung sticht der Arzt eine Kanüle in den betroffenen Bereich zwischen den Wirbeln und kontrolliert die Lage der Kanülenspitze mittels Computertomographie. Durch die Kanüle führt er die Glasfaser des Lasers ein und verdampft den Gallertkern durch einzelne Lichtblitze. Indem er die Glasfaser bewegt, kann er langsam eine grössere Bandscheibenfläche abtragen.

Der Eingriff findet unter lokaler Betäubung statt und dauert etwa 30 Minuten. Der Betroffene muss eine gewisse Beobachtungszeit einhalten und kann das Krankenhaus danach rasch wieder verlassen.

Entfernung von Bandscheibenmaterial durch die Haut (perkutane Nukleotomie)

Die perkutane Nukleotomie eignet sich bei unkomplizierten Bandscheibenvorfällen oder -vorwölbungen, die trotz konservativer Therapie weiter Beschwerden verursachen. Eine besonders gute Heilungschance haben dabei Personen, bei denen die Rückenschmerzen in die Beine ausstrahlen und bei denen sich die Beschwerden auf bestimmte Nerven zurückführen lassen. Ganz vorsichtig führt der Operateur dazu mithilfe einer Computertomographie eine Kanüle ein und schiebt diese bis ins Bandscheibenfach vor. Danach saugt er den Gallertkern durch die Haut hindurch mit einem Sauggerät teilweise ab. Der Eingriff dauert etwa 30 Minuten.

Offene Bandscheiben-OP

Bei einem komplizierten Bandscheibenvorfall, der bereits

  • eine oder mehrere Nervenwurzeln geschädigt hat,
  • über mehrere Wirbelzwischenräume verteilt ist
  • oder schon längere Zeit besteht,


kommt eine Behandlung mit minimalinvasiven Methoden nicht infrage.

In diesem Falle wählt der Arzt eine offene Bandscheiben-OP. Dabei entfernt er das zwischen den Wirbeln gelegene stabilisierende Band, um zu den betroffenen Nervenwurzeln vorzudringen. Unter Umständen ist es im Rahmen einer Bandscheiben-OP notwendig, Teile des unteren und oberen sogenannten Wirbelbogens abzutragen sowie Muskeln und Bänder teilweise abzulösen. Die vorgefallene Bandscheibe lässt sich dann ganz oder teilweise entfernen.

Verlauf

Bei einem Bandscheibenvorfall können sich die Beschwerden im Verlauf verschlimmern oder es können chronische Beschwerden zurückbleiben. Oftmals bleiben Bandscheibenvorfälle auch unbemerkt. In über 80 Prozent der Fälle hilft bereits eine konservative Therapie – ein chirurgischer Eingriff ist in den meisten Fällen nicht nötig. Daher macht es stets Sinn, gründlich zu prüfen, ob eine Operation tatsächlich erforderlich ist.

Zu möglichen Komplikationen eines herkömmlichen operativen Verfahrens zählen Schädigungen an Nerven und Gefässen, Entzündungen im Operationsbereich sowie allgemeine Wundheilungsstörungen und Nachblutungen.

Sowohl im Anschluss an eine konservative als auch an eine operative Therapie ist eine aktive Nachbehandlung mit Krankengymnastik, Muskeltraining und Rückenschule ratsam. Zur Nachbehandlung eines Bandscheibenvorfalls sind in manchen Fällen auch Ergotherapie, eine psychologische und sozialmedizinische Beratung sinnvoll.

Vorbeugen

Einem Bandscheibenvorfall können Sie nicht direkt vorbeugen. Vielmehr sollten Sie mit einigen Massnahmen Ihren Rücken stärken und so das Risiko für einen Bandscheibenvorfall verringern. Ein rückengerechter Alltag kann einem Bandscheibenvorfall bedingt vorbeugen.

Tipps zur Rückengesundheit:

  • Entlasten Sie Ihre Wirbelsäule durch gezieltes Rücken- und Bauchmuskeltraining.
  • Achten Sie auf Ihr Körpergewicht – Übergewicht belastet den Rücken und die Bandscheiben zusätzlich.
  • Heben Sie schwere Gegenstände nur aus hockender Position mit durchgestrecktem Rücken.
  • Sorgen Sie bei Tätigkeiten im Haushalt und im Berufsleben für eine aufrechte, entspannte Arbeitsposition.
  • Bei überwiegend sitzender Tätigkeit ist es sinnvoll, in kürzeren Abständen aufzustehen und umherzulaufen.
  • Eine ergonomische Gestaltung der Sitzgelegenheiten mit höhenverstellbaren Sitzflächen und -lehnen ist ebenfalls wichtig, um die Wirbelsäule zu schonen.