Bandscheibenvorfall

Stand: 24.05.2012, Autor: Onmeda-Ärzteteam  

Therapie

Bei einem Bandscheibenvorfall erfolgt meist eine konservative Therapie für den Zeitraum von vier bis sechs Wochen. Dazu gehören Ruhe, Schmerztherapie und eine Umstellung der Lebensweise. Im akuten Stadium sollte die Wirbelsäule ruhig gestellt und entlastet werden. Je nach dem auf welcher Höhe der Wirbelsäule ein Bandscheibenvorfall vorliegt, eignet sich hierzu ein Stufenbett oder eine Halsmanschette. Eine länger anhaltende Bettruhe muss der Betroffene jedoch nicht einhalten.

 

Schmerzmittel und Präparate zur Muskelentspannung können die Schmerzen bei einem Bandscheibenvorfall lindern. Sie dienen auch dazu, den Schmerzkreislauf zu unterbrechen. Dieser entsteht dadurch, dass sich die benachbarten Muskeln als Reaktion auf den Schmerz verkrampfen. Diese Muskelverspannungen führen ihrerseits aber zu einer Schmerzverstärkung. Da Nebenwirkungen auftreten können, sollten Betroffene Schmerzmittel ohne ärztlichen Rat nicht über einen längeren Zeitraum einnehmen. Physiotherapeutische Massnahmen ergänzen die Therapie – sie zielen vorwiegend darauf ab, die Rückenmuskulatur zu kräftigen.

 

Bei einem Bandscheibenvorfall ordnet der Arzt nicht zwingend gleich eine Operation an: Es besteht immer eine Chance, dass der Bandscheibenvorfall von selbst heilt – 90 Prozent aller Bandscheibenvorfälle sind konservativ, also ohne chirurgischen Eingriff behandelbar.

Nur bei Nervenschädigungen ist ein operativer Eingriff notwendig. Dann entfernt der Arzt einen Teil des Bandscheibenmaterials. Minimalinvasive Verfahren, auch «Schlüssellochchirurgie» genannt, gewinnen hierbei eine zunehmende Bedeutung. Diese gewebeschonenden Operationen können ambulant erfolgen und die Erkrankung hat einen kurzen Heilungsverlauf.

 

Operationsbedürftig sind zudem häufig auftretende Bandscheibenvorfälle in der Lendenwirbelsäule mit Blasen- und Mastdarmstörungen und Quetschungen des Nervenkanals in den Halswirbeln. Auch bei einem seitlichen (lateralen) Bandscheibenvorfall mit schwerer Lähmung ist eine Operation ratsam. Lässt der Schmerz nach mehrwöchiger konservativer Therapie nicht nach und kehren die Vorfälle häufig wieder, ist eine Operation meist unumgänglich. Nach einer Operation kann es im ungünstigen Falle zu einem erneuten Bandscheibenvorfall oder zu wucherndem Narbengewebe kommen, das wiederum auf die Rückenmarksnerven drücken kann.

Auflösung des Bandscheibenkerns (Chemonukleolyse)

Bei der Auflösung des Bandscheibenkerns (Chemonukleolyse) führt der Operateur eine Kanüle in den betroffenen Raum zwischen zwei Wirbeln (Bandscheibenfach) vom Rücken her ein und spritzt ein Enzym (Chymopapain). Das Enzym verflüssigt den Gallertkern auf chemischem Wege – nach einer gewissen Wartezeit saugt der Arzt die verflüssigte Kernmasse über die Kanüle ab. Das Enzym darf nicht in die Umgebung der Bandscheibe gelangen – dieser Eingriff kommt also nur dann infrage, wenn der Faserring noch intakt ist. Da es schwer ist, dies genau zu beurteilen, setzen Mediziner diese Methode bei Bandscheibenvorfällen eher zurückhaltend ein.

 

Laserabtragung
Auch die Laserabtragung ist nur für unkomplizierte, frische Bandscheibenvorfälle geeignet. Sie beruht auf dem Prinzip der Volumenreduktion in der Bandscheibe. Die Bandscheibe wird dabei mit einem medizinischen Laser, der Licht im infraroten Bereich aussendet, abgetragen. Dieses Licht gelangt über Glasfasertechnik ins Operationsfeld.

Dazu sticht der Arzt eine Kanüle in den betroffenen Bereich zwischen den Wirbeln und kontrolliert die Lage der Kanülenspitze mittels Computertomographie. Durch die Kanüle führt er die Glasfaser des Lasers ein und verdampft den Gallertkern durch einzelne Lichtblitze. Indem er die Glasfaser bewegt, kann er langsam eine grössere Bandscheibenfläche abtragen. Der Eingriff findet unter lokaler Betäubung statt und dauert etwa 30 Minuten. Der Betroffene muss eine gewisse Beobachtungszeit einhalten und kann das Spital danach rasch wieder verlassen.
Entfernung von Bandscheibenmaterial durch die Haut (Perkutane Nukleotomie)

Die perkutane Nukleotomie eignet sich bei unkomplizierten Bandscheibenvorfällen oder -vorwölbungen, die auch nach vier Wochen konservativer Therapie weiter Beschwerden verursachen. Eine besonders gute Heilungschance haben dabei Personen, bei denen die Rückenschmerzen in die Beine ausstrahlen und bei denen sich die Beschwerden auf bestimmte Nerven zurückführen lassen.

Unter Computertomographie-Kontrolle führt der Operateur dazu eine Kanüle ein und schiebt diese bis ins Bandscheibenfach vor. Danach saugt er den Gallertkern durch einen perkutanen Punktionszugang, also durch die Haut hindurch, mit einem Sauggerät teilweise ab. Auf diese Weise lassen sich insgesamt ein bis fünf Gramm Bandscheibenmaterial abtragen. Der Eingriff dauert etwa 30 Minuten.

Minimalinvasive Verfahren

Offene Operationen von Bandscheibenvorfällen sind mit Risiken und einem längeren Aufenthalt im Spital verbunden. Minimalinvasive Verfahren wurden entwickelt, um eine offene Operation mit ihren möglichen Nachteilen zu vermeiden. Sie lassen sich in der Regel ambulant unter lokaler Betäubung (Lokalanästhesie) durchführen oder erfordern nur einen sehr kurzen Spialaufenthalt. Besondere Röntgenverfahren steuern und überprüfen die therapeutischen Massnahmen und das Therapieergebnis. Allerdings eignen sie sich nicht für alle Erkrankungstypen. Es kommen in erster Linie einfache und frische Bandscheibenvorwölbungen und Bandscheibenvorfälle ohne Abspaltung von Bandscheibenmaterial (Sequestrierung) infrage. Für bereits operierte Betroffene ist diese Methode nicht geeignet.

 

Herkömmliche offene Chirurgie
Bei einem komplizierten Bandscheibenvorfall, der bereits eine oder mehrere Nervenwurzeln geschädigt hat, über mehrere Wirbelzwischenräume verteilt ist oder schon längere Zeit besteht, kommt eine Behandlung mit minimalinvasiven Methoden nicht infrage.

In diesem Falle wählt der Arzt eine offene Operation. Dabei entfernt er das zwischen den Wirbeln gelegene stabilisierende Band, um zu den betroffenen Nervenwurzeln vorzudringen. Unter Umständen ist es notwendig, auch Teile des unteren und oberen sogenannten Wirbelbogens abzutragen sowie Muskeln und Bänder teilweise abzulösen. Die vorgefallene Bandscheibe lässt sich dann ganz oder teilweise entfernen.

Wie bei vielen operativen Eingriffen entsteht an der behandelten Stelle ganz unvermeidlich Narbengewebe, das im ungünstigen Falle wuchern und seinerseits Raum einnehmen kann. Unter Umständen ist dann eine weitere Operation notwendig, um das Narbengewebe zu entfernen.