Bandscheibenvorfall

Stand: 26.11.2014, Autor: Onmeda-Ärzteteam  

Therapie

Bei einem Bandscheibenvorfall erfolgt meist eine konservative Therapie für den Zeitraum von sechs bis acht Wochen. Dazu gehören Ruhe, Schmerztherapie und eine Umstellung der Lebensweise.

Im akuten Stadium sollte die Wirbelsäule ruhig gestellt und entlastet werden. Je nachdem, auf welcher Höhe der Wirbelsäule ein Bandscheibenvorfall vorliegt, eignen sich hierzu ein Stufenbett oder eine Halsmanschette. Eine länger anhaltende Bettruhe muss der Betroffene jedoch nicht einhalten.

Die weitere Behandlung bei einem Bandscheibenvorfall besteht in der Regel daraus, die Schmerzen zu lindern. Schmerzmittel und Präparate zur Muskelentspannung können dabei helfen. Sie dienen auch dazu, den Schmerzkreislauf zu unterbrechen. Dieser entsteht dadurch, dass sich die benachbarten Muskeln als Reaktion auf den Schmerz verkrampfen. Diese Muskelverspannungen verstärken den Schmerz zusätzlich. Da Nebenwirkungen auftreten können, sollten Betroffene Schmerzmittel ohne ärztlichen Rat nicht über einen längeren Zeitraum einnehmen.

Physiotherapeutische Massnahmen ergänzen bei einem Bandscheibenvorfall die Behandlung – sie zielen vorwiegend darauf ab, die Rückenmuskulatur zu kräftigen.

Bei einem Bandscheibenvorfall besteht die Behandlung nur selten aus einer Operation: Es besteht immer eine Chance, dass der Bandscheibenvorfall von selbst heilt – über 80 Prozent aller Bandscheibenvorfälle lassen sich konservativ, also ohne chirurgischen Eingriff behandeln.

Eine Operation ist bei einem Bandscheibenvorfall zur Therapie in der Regel nur dann notwendig, wenn Nerven geschädigt wurden. Dann entfernt der Arzt den vorgefallenen Teil des Bandscheibenmaterials. Minimalinvasive Verfahren, auch «Schlüssellochchirurgie» genannt, gewinnen hierbei eine zunehmende Bedeutung. Diese gewebeschonenderen Operationen können ambulant erfolgen.

Operationsbedürftig sind zum Beispiel Bandscheibenvorfälle in der Lendenwirbelsäule bei denen die Nerven, welche die Blasen- und Darmentleerung steuern, in Mitleidenschaft gezogen werden. Bei einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule ist eine operative Therapie nötig, wenn die Bandscheibe den Nervenkanal quetscht. Auch bei einem seitlichen (lateralen) Bandscheibenvorfall mit Lähmungserscheinungen ist eine Operation ratsam.

Lässt der Schmerz bei einem Bandscheibenvorfall auch nach mehrwöchiger konservativer Behandlung nicht nach oder treten immer wieder starke Beschwerden auf, ist eine Operation ebenfalls eine Therapie-Option. Nach einer Operation kann es unter anderem zu einem erneuten Bandscheibenvorfall oder zu wucherndem Narbengewebe kommen, das wiederum auf die Rückenmarksnerven drücken kann.

Minimalinvasive Verfahren

Offene Operationen von Bandscheibenvorfällen sind mit Risiken und einem längeren Aufenthalt im Krankenhaus verbunden. Minimalinvasive Verfahren wurden entwickelt, um eine offene Operation mit ihren möglichen Nachteilen zu vermeiden. Sie lassen sich in der Regel ambulant unter lokaler Betäubung (Lokalanästhesie) durchführen oder erfordern nur einen sehr kurzen Krankenhausaufenthalt.

Besondere Röntgenverfahren steuern und überprüfen die therapeutischen Massnahmen und das Therapieergebnis. Allerdings eignen sie sich nicht für alle Erkrankungstypen. Es kommen in erster Linie einfache und frische Bandscheibenvorwölbungen und Bandscheibenvorfälle ohne Abspaltung von Bandscheibenmaterial (Sequestrierung) infrage. Für bereits operierte Betroffene ist diese Methode nicht geeignet.

Auflösung des Bandscheibenkerns (Chemonukleolyse)

Bei der Auflösung des Bandscheibenkerns (Chemonukleolyse) führt der Operateur eine Kanüle in den betroffenen Raum zwischen zwei Wirbeln (Bandscheibenfach) vom Rücken her ein und spritzt ein Enzym (Chymopapain) hinein. Das Enzym verflüssigt den Gallertkern auf chemischem Wege – nach einer gewissen Wartezeit saugt der Arzt die verflüssigte Kernmasse über die Kanüle ab. Das Enzym darf nicht in die Umgebung der Bandscheibe gelangen – dieser Eingriff kommt also nur dann infrage, wenn sich kein Sequester gebildet hat – sich also kein Bandscheibengewebe abgelöst hat. Die Chemonukleolyse kommt bei einem Bandscheibenvorfall eher selten zum Einsatz.

Laserabtragung

Auch die Laserabtragung ist nur für unkomplizierte, frische Bandscheibenvorfälle geeignet. Sie beruht auf dem Prinzip der Volumenreduktion in der Bandscheibe. Der Arzt trägt dabei die Bandscheibe mit einem medizinischen Laser, der Licht im infraroten Bereich aussendet, ab. Dieses Licht gelangt über Glasfasertechnik ins Operationsfeld.

Bei der Laserabtragung sticht der Arzt eine Kanüle in den betroffenen Bereich zwischen den Wirbeln und kontrolliert die Lage der Kanülenspitze mittels Computertomographie. Durch die Kanüle führt er die Glasfaser des Lasers ein und verdampft den Gallertkern durch einzelne Lichtblitze. Indem er die Glasfaser bewegt, kann er langsam eine grössere Bandscheibenfläche abtragen.

Der Eingriff findet unter lokaler Betäubung statt und dauert etwa 30 Minuten. Der Betroffene muss eine gewisse Beobachtungszeit einhalten und kann das Krankenhaus danach rasch wieder verlassen.

Entfernung von Bandscheibenmaterial durch die Haut (perkutane Nukleotomie)

Die perkutane Nukleotomie eignet sich bei unkomplizierten Bandscheibenvorfällen oder -vorwölbungen, die trotz konservativer Therapie weiter Beschwerden verursachen. Eine besonders gute Heilungschance haben dabei Personen, bei denen die Rückenschmerzen in die Beine ausstrahlen und bei denen sich die Beschwerden auf bestimmte Nerven zurückführen lassen. Ganz vorsichtig führt der Operateur dazu mithilfe einer Computertomographie eine Kanüle ein und schiebt diese bis ins Bandscheibenfach vor. Danach saugt er den Gallertkern durch die Haut hindurch mit einem Sauggerät teilweise ab. Der Eingriff dauert etwa 30 Minuten.

Offene Bandscheiben-OP

Bei einem komplizierten Bandscheibenvorfall, der bereits

  • eine oder mehrere Nervenwurzeln geschädigt hat,
  • über mehrere Wirbelzwischenräume verteilt ist
  • oder schon längere Zeit besteht,


kommt eine Behandlung mit minimalinvasiven Methoden nicht infrage.

In diesem Falle wählt der Arzt eine offene Bandscheiben-OP. Dabei entfernt er das zwischen den Wirbeln gelegene stabilisierende Band, um zu den betroffenen Nervenwurzeln vorzudringen. Unter Umständen ist es im Rahmen einer Bandscheiben-OP notwendig, Teile des unteren und oberen sogenannten Wirbelbogens abzutragen sowie Muskeln und Bänder teilweise abzulösen. Die vorgefallene Bandscheibe lässt sich dann ganz oder teilweise entfernen.