Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis, Magen-Darm-Infekt)

Autor: Onmeda-Ärzteteam  

Überblick

Als Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis, Magen-Darm-Infekt) bezeichnen Mediziner eine Entzündung der Schleimhäute des Magens und des Dünndarms, die üblicherweise mit Brechdurchfall einhergeht. Als Auslöser solcher Durchfallerkrankungen kommen in der Schweiz vor allem Viren, seltener auch Bakterien und Parasiten infrage.

Eine Magen-Darm-Grippe wird meist durch Schmierinfektion übertragen: Die Erreger gelangen aus Stuhl und Erbrochenem des Erkrankten auf Gegenstände und Oberflächen. Bei mangelnder Hygiene können die Erreger von dort über die Hände in den Mund und so auch in Magen und Darm einer anderen Person gelangen, die sich auf diesem Weg ansteckt. Dies nennen Mediziner fäkal-orale Übertragung. Vor allem bei schlechten hygienischen Bedingungen, etwa in Entwicklungsländern, verbreiten sich die Erreger der Magen-Darm-Grippe häufig auch über Trinkwasser oder mit Keimen verunreinigte Lebensmittel.

Sehr häufig sind bei Erwachsenen Noroviren und bei Kindern Rotaviren die Ursache einer Magen-Darm-Grippe. Die Symptome der Gastroenteritis beginnen meist recht plötzlich, typischerweise treten

 

Die Beschwerden einer Magen-Darm-Grippe unterscheiden sich von Erreger zu Erreger und können recht milde oder sehr heftig sein. Der Durchfall kann Blut und Schleim enthalten.

Eine Magen-Darm-Grippe (fachlich: Gastroenteritis) geht üblicherweise mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall einher. Meist lösen Viren die Infektion aus.
Eine Magen-Darm-Grippe (fachlich: Gastroenteritis) geht üblicherweise mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall einher. Meist lösen Viren die Infektion aus.

Die Therapie einer Gastroenteritis beschränkt sich bei ansonsten gesunden Erwachsenen in aller Regel darauf, die durch den Brechdurchfall verlorene Flüssigkeit, die Elektrolyte und die Nährstoffe zu ersetzen. Wichtig ist, viel zu trinken, am besten Mineralwässer oder ungesüsste Kräutertees. Das Hausmittel «Cola und Salzstangen» ist generell wenig empfehlenswert – für Kinder ist Cola bei einem Magen-Darm-Infekt völlig ungeeignet! Bei einer bakteriell bedingten Magen-Darm-Grippe müssen Betroffene mitunter gezielt Medikamente gegen die Erreger, also Antibiotika, einnehmen.

In den meisten Fällen überwindet man einen Magen-Darm-Infekt recht schnell und ohne Komplikationen: Das Erbrechen lässt häufig innerhalb von ein bis zwei Tagen nach, der Durchfall klingt nach etwa zwei bis sieben Tagen ab. Eine durch Viren bedingte Gastroenteritis verläuft in der Regel leichter, als eine durch Bakterien ausgelöste.

Um zu verhindern, dass sich die Viren oder Bakterien weiter ausbreiten, sollten Betroffene und ihre Kontaktpersonen bestimmte Hygienemassnahmen wie häufiges Händewaschen einhalten.

Auch wenn der Name es vielleicht vermuten lässt: Mit der klassischen Grippe (Influenza) hat die Magen-Darm-Grippe nichts zu tun.

Definition

Der Fachbegriff für die umgangssprachliche Bezeichnung «Magen-Darm-Grippe» lautet Gastroenteritis. Gastroenteritis steht für eine Entzündung ("-itis") des Magens (Gaster) und des Darms (Enter-). Die echte Grippe (Influenza) steht in keinem Zusammenhang mit diesem Krankheitsbild. Ein weiterer Begriff lautet Magen-Darm-Infekt.

Es gibt eine Reihe weiterer Namen für eine Magen-Darm-Grippe:

  • Magen-Darm-Infekt
  • Brechdurchfall
  • Darmgrippe
  • Magen-Darm-Katarrh

Häufigkeit

Im Säuglings- und Kindesalter tritt die Gastroenteritis sehr häufig auf: In den ersten drei Lebensjahren erkrankt jedes Kind etwa zwei- bis dreimal jährlich an einer Magen-Darm-Grippe.

Ursachen

Für eine Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis, Magen-Darm-Infekt) kommen viele Ursachen in Betracht. Oftmals steckt ein Magen-Darm-Virus hinter einer Durchfallerkrankung, aber auch viele Bakterien und manche Parasiten lösen eine Gastroenteritis aus.

Folgende Viren kommen als Ursache einer Magen-Darm-Grippe infrage:

  • Noroviren
  • Rotaviren
  • Astroviren
  • Coronaviren
  • Adenoviren

 

Bei Säuglingen und Kleinkindern stehen Rotaviren unter den Ursachen einer Gastroenteritis auf Platz 1, gefolgt von Noroviren. Bei Erwachsenen verursachen Noroviren etwa die Hälfte aller Brechdurchfälle. Durchfallerkrankungen durch Noroviren treten während des gesamten Jahrs auf, gehäuft allerdings in den Monaten Oktober bis März.

Eine Magen-Darm-Grippe beginnt meist recht plötzlich mit Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall (Diarrhö), Bauchschmerzen und Bauchkrämpfen.
Eine Magen-Darm-Grippe beginnt meist recht plötzlich mit Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall (Diarrhö), Bauchschmerzen und Bauchkrämpfen.

Auch Bakterien führen zu Durchfall, Wissenschaftler unterscheiden dabei drei verschiedene Arten, wie ein Erreger den Durchfall verursacht:

  1. Sekretionstyp: Die Bakterien schädigen die Schleimhautzellen des Darms und bewirken eine Abgabe (Sekretion) von Elektrolyten in das Innere des Darms (Darmlumen). Um die höhere Konzentration von Elektrolyten im Darmlumen auszugleichen, folgt Wasser nach – der Durchfall setzt ein.
  2. Invasionstyp: Die Bakterien gelangen ins Innere der Darmzellen, vermehren sich dort und zerstören sie letztlich. Eine eitrige Infektion ist die Folge. Die Durchfälle sind blutig-schleimig und gehen mit krampfartigen Bauchschmerzen einher.
  3. Penetrationstyp: Die Bakterien zerstören die Zellen nicht, lösen aber eine Entzündung aus. Warum und wie es genau zu dem Durchfall kommt, ist noch unklar.

 

Häufige bakterielle Erreger sind:

  • Sekretionstyp: Vibrio cholera (Krankheit: Cholera), EPEC , ETEC
  • Invasionstyp: Shigellen (Krankheit: Ruhr bzw. Shigellose), Campylobacter, Clostridium difficile, EIEC, EHEC
  • Penetrationstyp: Salmonellen (Krankheiten: Salmonellose bzw. Salmonellen-Enteritis) und Yersinien

 

Die Abkürzungen EPEC, ETEC, EIEC und EHEC stehen für krankheitserregende (pathogene) Stämme des Darmbakteriums Escherichia coli (E. coli, EC).

Neben Viren und Bakterien verursachen auch bestimmte Parasiten, sogenannte Protozoen, eine Magen-Darm-Grippe. Typische Erreger sind:

  • Giardia intestinalis oder Giardia lamblia (Krankheit: Giardiasis bzw. Lambliasis, Lamblienruhr)
  • Entamoeba histolytica (Krankheit: Amöbenruhr)

Ansteckung

Bei einer Magen-Darm-Grippe erfolgt die Ansteckung meist direkt von einer Person auf die nächste: An einem Magen-Darm-Infekt Erkrankte scheiden die Erreger über den Stuhl und das Erbrochene aus und verteilen sie unbemerkt in ihrer Umwelt, etwa auf Gegenstände oder Oberflächen.

Letztlich gelangen die Erreger über eine Schmierinfektion zu einer anderen Person über deren Hände erst in den Mund und dann in Magen und Darm. Auf diesem Weg erfolgt die Ansteckung (fäkal-orale Übertragung). Manche Viren sind so ansteckend, dass bereits eine sehr geringe Menge von 10 bis 100 Viren reicht, um weitere Personen zu infizieren.

Ebenfalls können sich winzige virushaltige Tröpfchen beim Erbrechen über die Luft direkt auf andere Personen übertragen (Tröpfcheninfektion). Dies ist ein Grund dafür, warum sich Infektionen mit solchen Viren mitunter sehr rasch ausbreiten, zum Beispiel in Kindergärten, Spitälern, Alten- oder Pflegeheimen. Eine Magen-Darm-Grippe ist also durchaus ansteckend.

Weiterhin ist eine Ansteckung über kontaminierte Nahrungsmittel, vor allem Fisch und Meeresfrüchte, oder Getränke (verunreinigtes Wasser!) möglich. Dies trifft eher auf Länder der tropischen und subtropischen Regionen zu. Die Amöbenruhr – Erreger ist der Parasit Entamoeba histolytica – verbreitet sich zum Beispiel häufig durch infiziertes Trinkwasser.

Für Noroviren gilt, dass die Betroffenen andere Menschen anstecken können, solange

  • akute Krankheitssymptome bei ihnen auftreten sowie
  • mindestens noch weitere 48 Stunden, nachdem sie wieder abgeklungen sind.

 

Da Noroviren aber noch nach Wochen ausgeschieden werden, kann auch später eine Ansteckung möglich sein.

Symptome

Bei einer Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis, Magen-Darm-Infekt) setzten die Symptome plötzlich (akut) ein. Es handelt sich dabei um starken


Durchfall besteht, wenn jemand zu häufig einen zu breiigen oder zu flüssigen Stuhl ausscheidet. Laut Definition ist das der Fall, wenn es mehr als dreimal täglich zu dünnflüssigem Stuhl kommt. Oft ist dabei auch die Menge des Stuhls erhöht.

Sehr heftiger oder lange andauernder Brechdurchfall kann zu einem erheblichen Flüssigkeitsverlust führen. Der Flüssigkeitsverlust schwächt den Betroffenen zusätzlich zu der Infektion und führt zu Kreislaufproblemen. Besonders Säuglinge, Kleinkinder und alte Menschen reagieren darauf sehr empfindlich. Deshalb steht bei einer Magen-Darm-Grippe im Vordergrund, den Flüssigkeitsverlust möglichst schnell auszugleichen – in der Regel bei leichten Verläufen meist durch vermehrtes Trinken.

Bei einer Magen-Darm-Grippe sind weitere Symptome möglich. Dazu gehören:

 

Fieber entwickelt sich bei einer Magen-Darm-Grippe eher selten, die Körpertemperatur kann aber etwas erhöht sein. Je nach Erreger und allgemeinem Gesundheitszustand des Betroffenen sind auch sehr milde Verläufe möglich – manchmal treten gar keine Symptome auf.

Diagnose

Bei einer Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis, Magen-Darm-Infekt) erfolgt die Diagnose meist anhand der typischen Beschwerden. Es ist wichtig, festzustellen, wie viel Flüssigkeit der Erkrankte durch den Brechdurchfall verliert, ob Komplikationen vorliegen und welche anderen Diagnosen eventuell noch in Betracht kommen, etwa Nahrungsunverträglichkeiten wie eine Laktoseintoleranz.

In aller Regel reicht es aus, wenn der Arzt die Krankengeschichte (Anamnese) erfragt und den Betroffenen körperlich untersucht. Der Betroffene sollte angeben,

  • seit wann der Brechdurchfall oder Durchfall besteht,
  • wie oft er auftritt,
  • welche Beschaffenheit der Stuhl hat und ob Schleim oder Blut beigemengt ist,
  • welche Beschwerden sonst noch aufgetreten sind, zum Beispiel Bauchkrämpfe, Fieber oder Gliederschmerzen.

 

Auch die Art und Menge der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme in den zurückliegenden Stunden spielt eine Rolle. Denn diese Informationen helfen dem Arzt dabei, den derzeitigen Zustand des Flüssigkeits- und Energiehaushalts des Patienten einzuschätzen. Auch ein zurückliegender Auslandsaufenthalt, eingenommene Medikamente (z.B. Antibiotika), andere Krankheiten (etwa Darmerkrankungen oder Erkrankungen des Stoffwechsels) sind von Interesse.

Nur in bestimmten Situationen erfordert eine Magen-Darm-Grippe weiterführende Untersuchungen, um die Diagnose zu sichern. So zum Beispiel, wenn

  • die Gastroenteritis sehr schwer verläuft und/oder der Stuhl Blut enthält,
  • Komplikationen auftreten (z.B. eine Blutvergiftung),
  • eine Immunschwäche besteht (z.B. AIDS),
  • ein Säugling im Alter unter 3 Monaten betroffen ist,
  • sich der Betroffene kürzlich in einem «Risikoland» aufgehalten hat,
  • Zweifel an der Diagnose bestehen oder
  • Symptome bei mehreren Personen in Gemeinschaftseinrichtungen, z.B. einem Kindergarten, auftreten.

Um die Erreger einer Magen-Darm-Grippe zu ermitteln, wird eine Stuhlprobe in einem Labor untersucht. Gegebenenfalls kann zusätzlich eine Blut- und Urinuntersuchung erfolgen. Bei Säuglingen und Kleinkindern kann es bei einer Gastroenteritis in seltenen Fällen dazu kommen, dass sich ein Teil des Darms nach innen stülpt (Invagination) – dies kann der Arzt mittels einer Sonographie nachweisen. In Einzelfällen erfordert die Magen-Darm-Grippe eine Endoskopie, um die Auslöser der Erkrankung ausfindig zu machen.

Therapie

In den meisten Fällen reicht bei einer Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis, Magen-Darm-Infekt) eine Therapie aus, die den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust sowie die verlorengegangene Energie ausgleicht. Ein Magen-Darm-Infekt verläuft bei ansonsten gesunden Erwachsenen häufig so, dass sich die Symptome von selbst bessern und der Körper den Brechdurchfall ohne spezielle Medikamente überwindet.

Zur Behandlung leichter Fälle einer Gastroenteritis gehören

  • Flüssigkeitsaufnahme,
  • Energieaufnahme und
  • körperliche Schonung bzw. Bettruhe.

 

Da eine solche Therapie nicht gezielt die Ursache der Krankheit ausschaltet, also den Erreger, sprechen Mediziner von einer symptomatischen Therapie: Sie bessert die Beschwerden und überbrückt die Zeit bis zur Genesung. Je nachdem, wie stark die Symptome einer Magen-Darm-Grippe ausgeprägt sind, kann eine Therapie im Krankenhaus erforderlich sein. Dort bekommt der Betroffene bei grossem Flüssigkeitsverlust oder in Fällen, in denen er nicht ausreichend trinkt oder trinken kann, die erforderlichen Stoffe über eine Vene als Infusion oder über eine Nasensonde in den Magen verabreicht.

Bei Säuglingen, Kleinkindern und alten Menschen – vor allem wenn Vorerkrankungen bestehen – bringt eine Gastroenteritis gewisse Risiken mit sich. Eine angemessene Therapie durch einen Arzt ist bei diesen Personengruppen daher wichtig. Nicht geeignet für Säuglinge und Kleinkinder sind Säfte und Cola-Getränke. Der Grund: Ihr sehr hoher Zuckeranteil fördert mitunter die bei Durchfall ohnehin schon gesteigerte Wasserabgabe aus dem Körper ins Darminnere.

Viel trinken ist wichtigster Teil der Therapie gegen eine Magen-Darm-Grippe.
Viel trinken ist wichtigster Teil der Therapie gegen eine Magen-Darm-Grippe.

Da Kinder weitaus empfindlicher auf Flüssigkeitsverluste reagieren als Erwachsene (je jünger sie sind, desto ausgeprägter), ist dieser Wasserverlust gefährlich. Das in der Cola enthaltene Koffein verstärkt zudem den bereits bestehenden Kaliumverlust. Auch selbst hergestellte Mischungen aus Saft, Salz, Zucker und Wasser sind ungeeignet, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.

Vielmehr sollte das Kind bei leichter Magen-Darm-Grippe mehr zu trinken bekommen als sonst, geeignet sind je nach Alter und bisheriger Gewohnheit Muttermilch, Säuglingsmilch, Wasser oder ungesüsster Kräutertee. Soweit es möglich ist, sollte das Kind – je nach dem – gestillt werden oder normal gefüttert werden oder essen. Längere Nahrungspausen oder eine spezielle «Schon- oder Aufbaukost» sind nicht nötig. Bei starkem Flüssigkeitsverlust muss eine spezielle Elektrolytlösung die Verluste ausgleichen (Wirkstoff Dinatriumhydrogencitrat).

Eine solche Elektrolyt-Zucker-Lösung heisst fachsprachlich orale Rehydratationslösung, abgekürzt ORL. Sie eignet sich besonders gut, den Flüssigkeitsverlust von Säuglingen, Kleinkindern und alten, kranken Menschen auszugleichen und einer «Austrocknung» (Dehydratation) entgegenzuwirken oder sie zu verhindern. Die Lösung enthält genau die Mischung, die der Körper braucht: in Wasser gelöste Elektrolyte wie Kochsalz (NaCl), Kaliumchlorid (KCl) oder Natriumcitrat sowie Traubenzucker als Nährstoff.

Erwachsenen mit Magen-Darm-Grippe und leichtem Durchfall schadet das Hausmittel «Cola und Salzstangen» als Therapie zwar nicht unbedingt – empfohlen wird es aber auch nicht. Salzstangen liefern vor allem Natrium, doch der Körper braucht ebenso Kalium. Am besten isst man deshalb zusätzlich Bananen, da sie viel Kalium enthalten. Achten Sie darauf, viel zu trinken, etwa Mineralwässer oder ungesüsste Kräutertees. In schwereren Fällen können Betroffene sich Elektrolyt-Präparate aus der Apotheke besorgen.

Medikamente

Nur in bestimmten Fällen erfordert eine Magen-Darm-Grippe eine Therapie mit Medikamenten, die gezielt die Erreger angreifen. Im Fall von bakteriellen Infektionen sind das Antibiotika. Dies gilt zum Beispiel für manche Formen des Reisedurchfalls, der häufig durch Bakterien wie Salmonellen, Shigellen, Yersinien oder krankheitserregende (pathogene) Stämme von Escherichia coli (E. coli) verursacht wird.

Antibiotika wirken nicht gegen Viren – sie scheiden daher für die Behandlung einer viralen Gastroenteritis (z.B. durch Rotaviren oder Noroviren) aus.

Gegen starken Durchfall gibt es zudem Medikamente, die nicht direkt gegen die Erreger wirken, sondern die Symptome lindern sollen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche davon in Ihrem Fall zweckmässig sind – für einige Substanzen fehlen bislang klare Belege, dass sie auch helfen. Beispiele für Wirkstoffe gegen Durchfall sind:

  • Opioide: Der Wirkstoff Loperamid hemmt die Darmbeweglichkeit (Motilitätshemmer) und senkt somit die Häufigkeit des Durchfalls. Loperamid eignet sich nicht bei Durchfall, der durch Bakterien vom Invasionstyp (z.B. Shigellen) verursacht wird, da die Ruhigstellung des Darms begünstigt, dass die Bakterien Giftstoffe bilden bzw. diese Giftstoffe langsamer ausgeschieden werden. Ebenfalls darf Loperamid nicht bei Säuglingen und Kleinkindern eingesetzt werden und sollte auch bei Erwachsenen nicht über mehrere Tage hinweg eingenommen werden.
  • Aktivkohle (Carbo medicinalis, medizinische Kohle): Sie zählt zu den sog. Adsorbenzien; das sind Substanzen, die andere Stoffe binden können.
  • Racecadotril: hemmt das Enzym Enkephalinase in der Dünndarmschleimhaut. Dieses Enzym kann Eiweisse abbauen, die die Abgabe von Wasser in den Darm hemmen. Letzlich gelangt durch den Wirkstoff weniger Wasser in den Darm.
  • Quellstoffe: z.B. Pektin
  • Adstringenzien: gerbstoffhaltige Präparate; sie «verdichten» die Darmschleimhaut, wodurch weniger Wasser ins Darminnere abgegeben wird.
  • Hefepilze (z.B. Saccharomyces cerevisiae) bzw. gefriergetrocknete Hefe (Hefelyophilisate): Können bestimmte Bakterien binden und unschädlich machen, ihr Nutzen in der Therapie des Durchfalls ist aber noch unklar.

 

Muss sich der Betroffene sehr heftig übergeben, können Mittel gegen Erbrechen (sog. Antiemetika) die Beschwerden mildern, zum Beispiel der Wirkstoff Ondansetron.

Verlauf

Eine Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis, Magen-Darm-Infekt) verläuft meist ohne Komplikationen und Betroffene werden recht schnell wieder gesund. Trotzdem treten auch schwere Formen der Gastroenteritis auf – vor allem bei Säuglingen, Kleinkindern und alten Menschen kann der Flüssigkeitsverlust kritische Ausmasse annehmen, die eine gezielte und schnelle Therapie erfordern. Eine Magen-Darm-Grippe dauert in der Regel zwei bis sechs Tage.

Bei einer Infektion mit dem Norovirus ist besondere Vorsicht bei alten Menschen geboten, die bereits vorher unter verschiedenen anderen Erkrankungen litten.

Das Gefährliche an dem Brechdurchfall ist der Flüssigkeits- und Elektrolytverlust, der so ausgeprägt sein kann, dass Organe in Mitleidenschaft geraten (z.B. Nierenversagen).

Komplikationen

Mögliche Komplikationen einer Magen-Darm-Grippe sind:

  • Schock durch Volumenmangel (hypovolämischer Schock; durch den grossen Flüssigkeitsverlust nimmt die Menge des zirkulierenden Blutes stark ab),
  • Unterzuckerung (Hypoglykämie),
  • Darmdurchbruch (Darmperforation) und
  • bei begünstigenden individuellen Faktoren eine Blutvergiftung (Sepsis).

 

Diesen Komplikationen lässt sich durch eine geeignete Therapie gut vorbeugen – vorausgesetzt, es besteht eine gute medizinische Versorgung. In Ländern mit schlechter medizinischer Versorgung zählen Durchfallerkrankungen zu den häufigen Gründen für Krankheit und Tod: In Entwicklungsländern sterben jedes Jahr bis zu 600'000 Kinder im Alter bis zu fünf Jahren allein an den Folgen einer Rotavirus-Gastroenteritis.

Vorbeugen

Einer Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis, Magen-Darm-Infekt) können Sie vorbeugen, indem Sie Hygiene-Regeln einhalten, beispielsweise nach Toilettenbesuchen oder einem Windelwechsel bei Ihrem Kind die Hände waschen und im Umgang mit Kranken besonders achtsam sind. Im Krankhaus gelten krankenhaushygienische Massnahmen, die unbedingt befolgt werden sollten, um eine weitere Verbreitung der Erreger zu vermeiden.

Da eine Ansteckung mit Bakterien über verunreinigte Nahrungsmittel und Getränke erfolgen kann, sollten Sie alle Speisen, insbesondere Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, gut durchgaren.

In manchen Fällen kann eine Impfung gegen Erreger der Magen-Darm-Grippe vor der Erkrankung schützen. So gibt es seit 2006 eine Impfung gegen Rotaviren. Europäische Fachgesellschaften empfehlen diese Schluckimpfung für alle Säuglinge, auch Frühgeborene. Gegen das Norovirus steht bisher kein Impfschutz zur Verfügung.