Gelbsucht (Ikterus)

Autor: Onmeda-Ärzteteam  

Definition

Unter Gelbsucht (Ikterus) versteht man die Gelbfärbung der Haut und Schleimhäute, bedingt durch eine erhöhte Konzentration des Gallenfarbstoffs Bilirubin.

Bilirubin ist ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin. Bei verschiedenen Erkrankungen der Leber, der Gallenwege und des Bluts liegt zu viel davon im Blut vor. Es lagert sich dann im Gewebe ab und führt zu einer sichtbar gelben Haut, Schleimhaut und Lederhaut des Auges (Sklera).

Ab einer Gesamt-Bilirubin-Konzentration von über zwei Milligramm pro Deziliter (mg/dl) im Blut wird die Gelbsucht als Gelbfärbung in den Augen erkennbar.

Gelbsucht ist Anzeichen einer Leber-, Gallen- oder Blutkrankheit. Bei der Diagnose sucht der Arzt nach dieser zugrunde liegenden Erkrankung. Dazu befragt er zunächst den Betroffenen unter anderem nach Vorerkrankungen, vorangegangenen Auslandsaufenthalten oder dem Alkoholkonsum. Ausserdem hilft eine Blutuntersuchung, einen Ikterus festzustellen.

Von den krankhaften Ursachen der Gelbsucht abzugrenzen ist jedoch die normale, meist harmlose Gelbfärbung der Haut bei Säuglingen, dem sogenannten Neugeborenen-Ikterus. Diese Form der Gelbsucht, die keinen Krankheitswert hat, tritt meistens bei gesunden Säuglingen etwa zwei bis drei Tage nach der Geburt auf. Die erhöhten Bilirubinwerte im Blut normalisieren sich nach rund zwei bis drei Wochen.

Im Rahmen einer Gelbsucht kann es – je nach Ursache – neben der typischen Gelbfärbung ausserdem zu verschiedenen Symptomen kommen, wie:

 

Welche Therapie bei einer Gelbsucht nötig ist, hängt davon ab, welche Erkrankung dem Ikterus zugrunde liegt. Sind zum Beispiel die Gallenwege durch einen Gallenstein verschlossen und staut sich dadurch die Gallenflüssigkeit auf, entfernt der Arzt den Stein. Die Bilirubinwerte normalisieren sich dann wieder und die Gelbsucht klingt ab.

Ursachen

Die Gelbsucht (Ikterus) hat ihre Ursachen in zu hohen Bilirubin-Werten im Blut und ist demnach Anzeichen eines gestörten Bilirubin-Stoffwechsels. Da die Leber eine zentrale Funktion im Bilirubin-Stoffwechsel einnimmt, teilen Mediziner die Ursachen des Ikterus nach ihrer Lokalisation in Bezug auf die Leber (griech.: Hepar) in prähepatischer (Gelbsucht-Ursachen liegen vor der Leber), hepatischer und posthepatischer (Gelbsucht-Ursachen liegen hinter der Leber) Ikterus ein.

 

Prähepatischer Ikterus

Von einem prähepatischen Ikterus sprechen Mediziner, wenn die Gelbsucht-Ursachen vor der Leber liegen. Beim prähepatischen Ikterus kommen als Ursachen vor allem Blutkrankheiten infrage, bei denen übermässig viele rote Blutkörperchen (Erythrozyten) zerfallen (sog. Hämolyse). Dadurch entsteht vermehrt Bilirubin, das Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin. Auch bei Komplikationen im Rahmen einer Bluttransfusion kann ein prähepatischer Ikterus auftreten. Der prähepatische Ikterus wir auch nichthepatische Gelbsucht genannt, weil die Ursachen für den krankhaften Prozess nicht in der Leber sondern im Blut liegen.

Hepatischer Ikterus

Beim hepatischen Ikterus liegen die Gelbsucht-Ursachen in Erkrankungen in der Leber. Bei dieser Form der Gelbsucht sind Leberentzündungen (Hepatitis) häufige Ursachen. Leberentzündungen können durch Viren (z.B. Hepatitis B), durch Medikamente, Alkohol (bis hin zur Leberzirrhose) und vieles mehr verursacht werden. Eine angeborene Stoffwechselstörung, die zu Gelbsucht führen kann, ist die sogenannte familiäre Hyperbilirubinämie.

Posthepatischer Ikterus

Die posthepatische Gelbsucht hat ihre Ursachen in einer Störung nach der Leber. Verschiedene Erkrankungen oder Operationen können einen Gallenstau (sog. Cholestase) hervorrufen und dadurch einen Ikterus auslösen.

Bei der posthepatischen Gelbsucht sind die Gallenwege beziehungsweise Störungen im Gallenfluss die häufigsten Ursachen. Die Leber produziert die Gallenflüssigkeit und gibt sie über die Gallenwege in die Gallenblase und später in den Darm ab. Dort sind sie an der Verdauung beteiligt. Die Gallenflüssigkeit enthält den Gallenfarbstoff Bilirubin. Sind die Gallenwege verschlossen, staut sich die Gallenflüssigkeit (Cholestase) und Bilirubin sowie weitere Bestandteile der Gallenflüssigkeit treten ins Blut über. Andere Bezeichnungen für den posthepatischen Ikterus sind Verschlussikterus oder Obstruktionsikterus.

Gallensteine oder Steine in den Gallenwegen können – ebenso wie Tumoren (z.B. Gallenblasenkrebs, Leberkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs) oder Verklebungen nach Entzündungen oder Operationen – die Gallenwege verschliessen. Da dann wiederum eine Cholestase (Gallenstauung) auftritt, kommen diese Erkrankungen bei Gelbsucht ebenfalls als Ursachen infrage.

Gelbsucht bei Neugeborenen

Gelbsucht bei Neugeborenen hat normalerweise keinen Krankheitswert. Bei gesunden Neugeborenen tritt der Ikterus etwa zwei bis drei Tage nach der Geburt auf und verschwindet in der Regel innerhalb von acht Tagen. Die Gelbsucht bei Neugeborenen hat harmlose Ursachen: Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) leben bei Neugeborenen kürzer als bei Erwachsenen. Dadurch gelangt mehr Bilirubin, ein Abbauprodukt des Blutfarbstoffs Hämoglobin, ins Blut. Ausserdem enthält das Blut von Neugeborenen mehr rote Blutkörperchen. Dadurch steigt die Bilirubinkonzentration weiter und begünstigt, dass die harmlose Gelbsucht bei Neugeborenen auftritt. Innerhalb von zwei bis drei Wochen normalisiert sich der Bilirubinspiegel im Blut. Die Gelbfärbung der Haut klingt in der Regel bereits nach spätestens acht Tagen ab.

Diagnose

Da es zahlreiche Gründe für eine Gelbsucht (Ikterus) gibt, ist es wichtig, im Rahmen der Diagnose nach der richtigen Ursache zu suchen. Zunächst hilft ein ausführliches Gespräch (Anamnese) dem Arzt, die Ursache ein wenig einzugrenzen. Er fragt beispielsweise, wann die Gelbsucht aufgetreten ist, ob Vorerkrankungen oder (z.B. Hepatitis, Gallensteine, eine Krebserkrankung) zusätzliche Beschwerden bestehen (wie Juckreiz, Gewichtsabnahme etc.), ob der Patient Medikamente einnimmt, ob und wie viel Alkohol er trinkt, ob er kürzlich verreist war.

Damit der Arzt bei Gelbsucht die Diagnose stellen kann, folgt eine gründliche körperliche Untersuchung, bei der er auch die Leber unter dem rechten Rippenbogen vorsichtig abtastet. Weiteren Aufschluss über die mögliche Ursache des Ikterus gibt eine Blutuntersuchung, bei der vor allem die Werte des Bilirubins, des Hämoglobins (roter Blutfarbstoff), der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), bestimmte Gallen- und Leberwerte (z.B. Gamma-GT, Alkalische Phosphatase, GOT, GPT) sowie Entzündungswerte von besonderem Interesse sind. Auch im Urin und im Stuhl lässt sich Bilirubin unter Umständen nachweisen, weshalb Urin- und Stuhluntersuchungen bei Gelbsucht helfe, die genaue Diagnose zu stellen.

Sinnvoll ist auch eine Ultraschalluntersuchung des Oberbauchs. Dabei kann der Arzt die Gallenblase und die Gallenwege auf Veränderungen und die möglichen Ursachen des Ikterus untersuchen. Weitere Untersuchungen, zum Beispiel eine Endo-Sonographie (Ultraschalluntersuchung durch die Speiseröhre), eine ERCP (endoskopische Darstellung der Gallen- und Bauchspeicheldrüsengänge), eine Computer- oder Kernspintomographie (MRT) sowie eine Leberbiopsie (Entnahme einer Gewebeprobe der Leber), sind je nach Befund notwendig.

Therapie

Da die Gelbsucht (Ikterus) keine eigenständige Krankheit, sondern nur das Symptom einer solchen ist, richtet sich ihre Therapie nach der jeweiligen Ursache. Ist beispielsweise ein verschlossener Gallenweg durch einen Gallenstein die Ursache, entfernt der Arzt diesen. Dann kann die Gallenflüssigkeit wieder abfliessen und die Gelbfärbung der Haut verschwindet ebenfalls. Bei dieser Ursache der Gelbsucht eignen sich Therapie-Methoden wir die Endoskopie oder Operation.

Falls Alkohol, Medikamente oder andere Gifte verantwortlich für die Gelbsucht sind, sollte man diese weglassen und die weitere Therapie mit dem Arzt besprechen. Eine Hepatitis muss ebenfalls adäquat behandelt werden (z.B. die Hepatitis B mit virushemmenden Medikamenten), dann sinkt auch der Bilirubin-Spiegel im Blut und die Haut und Schleimhäute nehmen wieder ihre normale Farbe an.