Editorial
Die Chancen für morgen erkennen
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Fast 30'000 Personen unter 25 Jahren suchen in der Schweiz eine Arbeitsstelle. Das sind 5,3 Prozent, eine rekordhohe Quote. Auch wenn die Jugendarbeitslosigkeit im Vergleich mit der EU (knapp 20 Prozent) beneidenswert tief liegt, wählen Politiker dunkle Farben, wenn sie die Zukunft malen.
Glücklicherweise sind die Aussichten nur halb so düster. In der Schweiz mangelt es auch morgen nicht an Arbeit, sondern an den richtigen Berufsleuten. Jedes dritte Unternehmen hatte selbst in diesem Krisenjahr Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Will heissen: Wir steuern mit unsern Ausbildungspräferenzen und Jobwünschen am Arbeitsmarkt vorbei.
Die Folgen sind doppelt verheerend: Die Zahl der Arbeitslosen steigt stärker als nötig, und viele Firmen machen sich im Ausland auf Talentsuche. So wächst die Schweizer Bevölkerung hauptsächlich aufgrund der Zuwanderung Jahr für Jahr um eine Stadt der Grösse Winterthurs. Das mag dem Bruttoinlandprodukt guttun, bringt aber unsere Verkehrsnetze an Kapazitätsgrenzen, lässt die Siedlungsflächen explodieren wie in den sechziger Jahren und erhöht den Dichtestress im Land.
Es ist deshalb in jeder Hinsicht sinnvoll, den eigenen Nachwuchs präziser für die Möglichkeiten und Bedürfnisse unseres Arbeitsmarkts zu sensibilisieren und auszubilden. Dazu müssen wir freilich wissen, wo sich Chancen und Lücken öffnen.
Für unsere Titelgeschichte haben unsere Reporter Daniel Benz und Thomas Angeli recherchiert, in welchen Branchen in den nächsten Jahren der Bedarf am höchsten ist. Jobs mit Zukunft zeigt, was für neue Berufe entstehen und wo gute Leute dringend gebraucht werden.
Gesucht werden unter anderem Handwerker, darunter Spezialisten wie etwa Solarinstallateure, Ingenieure, IT-Spezialisten, Techniker, Mechaniker, aber auch Naturwissenschaftler und natürlich Pflegefachpersonal. Allein in der Informatik wird der Bedarf in den nächsten 20 Jahren auf 180'000 Personen geschätzt – doch die Zahl der Ausgebildeten ging seit 2005 um fast ein Drittel zurück. Ähnlich gross wie in der Informatik ist die Lücke in den Pflegebereichen. Auch dort kann der Bedarf bei weitem nicht gedeckt werden.
Nun soll die Berufswahl der Heranwachsenden sicher nicht à tout prix ins Bedürfniskorsett des Marktes gezwängt werden. Aber die Chancen zur späteren Entfaltung in einem Beruf, zur möglichen Karriere, zur freien Wahl des Tätigkeitsorts steigen natürlich mit dem Angebot der Stellen in einer Branche.
Wer diese Chancen erkennt und sich das nötige Rüstzeug zulegt, hat morgen alle Freiheiten, seine Möglichkeiten und Talente zu nutzen, und kann – warum nicht in einer boomenden Branche? – vielleicht sogar einen völlig neuen Beruf erfinden.
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© Beobachter Ausgabe 20 vom 30. Sep 2009 - Alle Rechte vorbehalten




