Prix Courage 2004

Kennen Sie den Sieger?

Text:
  • Joana Heimgartner
Ausgabe:
4/04

Zum siebten Mal wird im Herbst der Prix Courage verliehen – und Sie können Kandidaten vorschlagen.

Um mutige Menschen zu ehren, initiierte der Beobachter 1997 den Prix Courage. Seither kürte die Jury sechs Personen, die Mut bewiesen haben, ohne dabei ihren eigenen Nutzen in den Vordergrund zu stellen. Häufig hatten sich die Gewinner innerhalb eines gesellschaftlich relevanten Themas engagiert und den Finger auf die wunden Punkte gelegt.

So etwa der Krebsspezialist Christian Sauter, der den Preis 2003 für das Aufdecken eines Titelbetrugs am Zürcher Unispital erhielt. Dabei ging es ihm nicht darum, einfach einen Kollegen, der sich fälschlicherweise mit einem Doktortitel schmückte, anzuschwärzen. Vielmehr setzte er sich für mehr Transparenz und Demokratie im Elfenbeinturm Hochschule ein. «An der Universität Zürich hat sich durch die Verleihung einiges in Bewegung gesetzt», meint der mittlerweile emeritierte Professor. So seien nach Jahren der Funkstille wieder Gespräche mit der Hochschulleitung in Gang gekommen. «Und hoffentlich werden noch weitere Kreise für die Problematik sensibilisiert.»

Noch wird der Handlungsbedarf allerdings unterschiedlich gewichtet: Es existiere keine Form von «universitärem Betrug oder Mobbing, die sich in Art oder Häufigkeit von den Vorkommnissen ausserhalb unterscheidet», lässt die Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten kurz angebunden ausrichten.

 

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Auch Malica Skrijelj hat mit ihrem Prix-Courage-Gewinn mitgeholfen, ein oft verdrängtes Thema in die öffentliche Diskussion zu bringen. Die Dreherin wurde vor zwei Jahren für ihren jahrelangen Kampf um Lohngleichheit ausgezeichnet. Auch heute setzt sich die allein erziehende Mutter noch für die Chancen- und Lohngleichheit der Geschlechter ein. «Wenn ich studieren könnte, würde ich Rechtsanwältin werden, um noch mehr zu bewirken», sagt Skrijelj und weist darauf hin, dass es noch viel zu tun gebe. Auch das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann betont, dass die Missstände anhielten. «Die statistische Lohndifferenz zwischen den Frauen- und den Männerlöhnen beträgt nach wie vor 21 Prozent», sagt Direktorin Patricia Schulz.

Vorschläge sind sehr willkommen
Der 2000 geehrte und 2001 verstorbene Professor Herbert Haag wirbelte mit seinen Thesen über katholische Kreise hinaus Staub auf. Er setzte sich 50 Jahre lang für eine moderne und aufgeschlossene Kirche ein. Wie aktuell das Thema nach wie vor ist, zeigt die Einschätzung des Ustermer Theologen Erwin Koller: «In der katholischen Kirche herrscht Eiszeit. Und die Gletscherschmelze ist noch nicht in Sicht.» Koller steht der Herbert-Haag-Stiftung vor, die jedes Jahr einen mit 10'000 Euro dotierten Preis an Personen verleiht, die für «Freiheit in der Kirche» kämpfen. Den Oberhirten stösst so viel Reformwille indes sauer auf: «Die Kirche ist heute schon eine moderne, aufgeschlossene Institution», findet die Schweizer Bischofskonferenz.

Sauter, Skrijelj, Haag: drei couragierte Persönlichkeiten, die Diskussionen entfachten. Das soll sich 2004 fortsetzen. Für die Ehrung im September werden Menschen gesucht, die sich in einem wichtigen Lebensbereich für mehr Gerechtigkeit, Transparenz und Menschlichkeit einsetzen. Oder auch solche, die sich in einer kritischen Situation ein Herz gefasst haben, um anderen zu helfen. Um schliesslich die richtige Wahl zu treffen, setzt der Beobachter nicht zuletzt auf den Spürsinn seiner Leserschaft: Nominationsempfehlungen sind hoch willkommen!

© Beobachter Ausgabe 4 vom 19. Feb 2004 - Alle Rechte vorbehalten

  • Prix Courage

    Prix Courage


    Seit 1997 verleiht der Beobachter den Prix Courage, den Preis für ausserordentliche, mutige Taten.

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